Sparplan oder Einzelinvestment

An dieser Frage scheiden sich die Geister – doch sie muss keine Glaubensfrage sein. Für beide Anlageformen sprechen verschiedene Argumente, die Anleger in den Blick nehmen können.

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ETFs einfach erklärt mit einem Klick mehr Infos

ETFs auf dem Vormarsch

Exchange-Traded-Funds, kurz ETFs, erfreuen sich hierzulande schon lange immer größerer Beliebtheit. Auch eine steigende Zahl von Privatanlegern setzt auf die vergleichsweise transparenten und oftmals kostengünstigen passiven Indexfonds.

In den letzten Jahren hat ein weiterer Trend mehr an Fahrt aufgenommen: Privatanleger investieren ihr Geld per Sparplan in ETFs und bauen so in regelmäßigen Abständen über börsengehandelte Wertpapiere ihr Vermögen auf. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die andauernden Null- und Negativzinsen bei klassischen Sparkonten. 

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Sparpläne immer beliebter

Dass Sparpläne immer beliebter werden, verdeutlichen folgende Zahlen: So stieg laut einer Erhebung des Fachmagazins extraetf beispielsweise die Anzahl der monatlich in Deutschland ausgeführten ETF-Sparpläne von unter 100.000 im Januar 2014 auf knapp 3 Millionen im September 2021. Auch das Privatanlegern zugerechnete, verwaltete Vermögen in ETFs ist extraetf zufolge hierzulande von 2,2 Milliarden Euro in 2009 auf mittlerweile rund 72 Milliarden Euro angewachsen.

ETF-Wachstum von 2009 bis 2021
Der ETF-Markt wächst rasant

Mythos Cost-Average-Effekt?

Sparpläne erlauben es, regelmäßig und ohne großen Aufwand zu investieren. Aber verspricht ein Sparplan für Anleger auch höhere Renditen als Direktinvestitionen zu bestimmten Zeitpunkten?

Häufig wird von Fachleuten und Beratern beim Blick auf Fondssparpläne das Stichwort „Cost-Average“ in den Raum geworfen. Der sogenannte „Cost-Average-Effect“, zu Deutsch „Durschnittskosteneffekt“, sorgt demnach für höhere Renditen. Die Argumentation der Fürsprecher: Der gestaffelte Einstieg in den Markt in regelmäßigen Abständen vermeidet, den schlechtmöglichsten Einstiegszeitpunkt zu erwischen und erhöht somit die zukünftige Renditeerwartung. Doch stimmt das tatsächlich und wirkt sich der Cost-Average-Effect wirklich positiv auf die Renditeerwartung eines Anlegers aus? Dieser Frage sind bereits Dutzende Wissenschaftler auf den Grund gegangen. Erstmalig wurde der Durchschnittskosteneffekt 1979, also vor über 40 Jahren, vom Wirtschaftswissenschaftler George M. Constantinides als Denk- und Methodenfehler identifiziert und damit widerlegt.

Doch warum wirkt sich der Cost-Average-Effect nicht positiv auf die Rendite eines Anlegers aus? Die kurze Antwort: Weil Aktienmärkte auf lange Sicht eine positive Rendite aufweisen. Das bedeutet, dass man in den meisten Fällen besser fährt, wenn man sein Geld direkt zu einem bestimmten Zeitpunkt in den Aktienmarkt investiert und alle Marktentwicklungen mitmacht. Die statistische Renditeerwartung ist hierbei höher – aber eben auch das Risiko. Denn: Rendite und Risiko hängen zwangläufig und untrennbar miteinander zusammen. In diesem Punkt muss man den Befürwortern des Durchschnittskosteneffekts zustimmen: Der Cost-Average-Effect schafft es in der Tat, Risiken zu senken – daraus eine höhere Renditeerwartung abzuleiten, ist hingegen falsch.

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Gerd Kommer erklärt, welche Fehler Anleger beim Handel mit ETFs vermeiden sollten

Einzelinvestment als Renditeturbo?

Fährt man mit Einzelinvestments höhere Renditen ein als mit Sparplänen? Ein Rechenbeispiel bringt Licht ins Dunkel.
Finanzblogger Alex Fischer hält übrigens nichts von Sparplänen und investiert ausschließlich über Einzelinvestments.
► Im Video erklärt er, warum er nicht (mehr) auf Sparpläne setzt.

Ein Beispiel des Investment-Bankers und Buchautors Gerd Kommer kann den belegbaren Renditevorsprung einer Einmalinvestition gegenüber einem Sparplan veranschaulichen. Grundlage ist der Vergleich historischer Renditen in den letzten rund 94 Jahren von Januar 1926 bis Mai 2020. Diese Spanne umfasst mehrere schwere Börseneinbrüche, Wirtschaftskrisen, Inflations- und Deflationsszenarien sowie den zweiten Weltkrieg. Stellen wir uns also zwei Privatanleger vor: Sarah, die Einmalinvestorin und David, den Sparplan-Investor. Beide investieren breit gestreut in den globalen Aktienmarkt und treten jeweils in 36-Monatszeiträumen gegeneinander an. Während Sarah jeweils zu Beginn der 36 Monate 100.000 Euro anlegt, verteilt David seine Investitionssumme von 100.000 Euro auf 36 gleich große Sparplan-Tranchen in Höhe von rund 2.780 Euro, die er monatlich investiert. Das Ergebnis: In 73 Prozent der 36-Monatszeiträume liegt Sarahs Endvermögen über dem von David, der lediglich in 27 Prozent der Fälle die Nase vorn gehabt hätte. Der durchschnittliche Endwert von Sarah beträgt nach 36 Monaten ganze 126.000 Euro – der Durchschnittswert bei David liegt lediglich bei 113.000 Euro. Die Statistik über mehrere Wirtschaftszyklen hinweg zeigt also, dass sich eine Einmalinvestition in fast drei Viertel der Fälle auszahlt.

Dennoch sollte jedem klar sein, dass diese Rechnung nicht ohne weiteres auf die Realität eines Privatanlegers anzuwenden ist. Aspekte wie das verfügbare Einkommen, die individuelle Risikotoleranz und Lebenssituation, das bereits angesparte Vermögen oder die verbleibende Zeit bis zum Ruhestand – um nur einige zu nennen – stellen entscheidende Einflussfaktoren dar und sollten bei der Geldanlage selbstverständlich mitbeachtet werden.

Ales Fischer Sparpläne
Alex Fischer ist kein Freund von Sparplänen

Eine Frage der Psychologie

Wie man an dem oben beschriebenen Rechenbeispiel erkennt, ist es also wichtig, seine persönliche Risikotragfähigkeit und weitere Faktoren in seine Investment-Entscheidung mit einfließen zu lassen.

Schlussendlich wird nur derjenige langfristig erfolgreich an der Börse aktiv sein, der mit seinem Depot und seiner individuellen Anlagestrategie ruhig schlafen kann. Denn trotz aller statistischen Wahrscheinlichkeiten kann es dennoch passieren, bei einer Einmalanlage im oben beschriebenen 27-Prozent-Topf der „Underperformer“ zu landen. Daher kann es für Privatanleger mit Blick auf die eigene Risikotragfähigkeit durchaus Sinn ergeben, die Investition über einen längeren Zeitraum zu strecken und gestaffelt per Sparplan einzusteigen.

Noch wichtiger als beim Einzelinvestment ist es im Falle eines gestaffelten Einstiegs, auf die entsprechenden Kosten zu achten und diese so niedrig wie möglich zu halten. Denn der Sparplan-Investor verursacht eine höhere Anzahl an Transaktionen – damit können prinzipiell auch höhere Kosten einhergehen.

Zwar bieten einige Banken und Online-Broker mittlerweile Sparpläne ohne Transaktionsgebühren an. Doch Vorsicht: Nicht jede Ausführung zu vermeintlich günstigen Konditionen ist für den Anleger auch wirklich preiswert. Denn die Kosten für eine Order setzen sich aus verschiedenen Blöcken zusammen – nicht selten sind bei „No-Fee“-Sparplan-Orders breitere Spreads zu verzeichnen, also größere Spannen zwischen Geld- und Brief-Kurs. Diese schlagen dann für den Sparplan-Anleger zu Buche: Er zahlt dadurch unter Umständen deutlich mehr für seine Wertpapiere, als wenn er seine Order selbst aufgeben und dabei auf enge Spreads und hohe Handelsliquidität achten würde. So bietet beispielsweise die Börse Stuttgart zwischen 9 und 17:30 Uhr sogar einen spreadlosen Handel in ausgewählten ETFs. Andererseits kostet es Zeit und ist aufwendiger, die Orders eigenständig einzustellen und den Sparplan damit zu ersetzen. Ob die Kostenersparnis im Verhältnis zum entsprechenden Mehraufwand steht, muss letztlich jeder Anleger selbst entscheiden.

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