MÄRKTE EUROPA/Auf breiter Front aufwärts - Wirecard unter Druck

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--Der Kursaufschwung an den europäischen Börsen gewinnt am Dienstagnachmittag weiter an Breite. Der DAX gewinnt 0,5 Prozent auf 12.554 Punkte, obwohl Wirecard mit ihrem Kursrückgang von immer noch 14 Prozent den deutschen Leitindex fast 30 Punkte kosten. Der Euro-Stoxx-50 zieht um 0,6 Prozent auf 3.578 Punkte an, im Verlauf hatte er mit 3.594 Punkten schon ein neues Jahreshoch markiert. Bis auf den Index der Rohstoffwerte liegen alle Stoxx-Branchenindizes im Plus.


Händler verweisen auf die Chancen für einen Brexit-Vertrag und eine Entspannung im Handelsstreit. "Die Gefahr eines harten Brexit ist deutlich gesunken", sagt ein Aktienhändler zu den Aussagen des EU-Chefunterhändlers Barnier, dass noch in dieser Woche ein Vertrag mit Großbritannien möglich sei. Im US-chinesischen Handelsstreit stützt weiter bereits das Verhindern einer Eskalation die Stimmung. Aussagen aus China werden dahingehend interpretiert, eine weitere Gesprächsrunde könnte die Bahn für ein Unterzeichnen erster Verträge frei machen.


Das treibt auch die schwachen Konjunkturindikatoren vom ZEW-Institut in den Hintergrund. Am deutschen Markt sind sowohl konjunkturabhängige als auch defensive Titel gesucht: An der DAX-Spitze liegen Vonovia, Fresenius und Adidas mit Gewinnen von jeweils etwa 2 Prozent, aber auch BMW und Daimler weisen Gewinne von mehr als 1 Prozent auf.


Weiterer FT-Artikel drückt Wirecard


Dagegen brechen Wirecard um 13,6 Prozent ein. Die Financial Times (FT) hatte am Morgen einen neuen Artikel und Dokumente veröffentlicht, die die fragwürdigen Buchungspraktiken des DAX-Unternehmens deutlich machen sollen. Laut FT deuten die Dokumente auf "konzertierte Bemühungen" hin, Gewinne und Umsätze des Unternehmens in Dubai und Irland künstlich aufzublasen.


Der Zahlungsabwickler Wirecard wehrt sich vehement gegen die neuerliche Berichterstattung der FT. "Wirecard weist die Anschuldigungen der Unkorrektheit kategorisch zurück", teilte der DAX-Konzern mit und erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen die Zeitung: Diese arbeite mit so genannten "Short-Sellern" zusammen.


Berichtssaison - Klöckner mit Kurseinbruch und Hellofresh mit Kurssprung


Erste Signale kommen von der Berichtssaison: Mit einer Gewinnwarnung von Klöckner & Co und einem überzeugenden Ausblick von Hellofresh sind sie gemischt.


Sorgen machen sich Anleger in der Stahlindustrie: So hat Klöckner & Co nun die dritte Gewinnwarnung in diesem Jahr präsentiert. Mit dem Ausblick eines EBITDA von 120 bis 130 Millionen Euro liegt der Stahlhändler nun deutlich unter dem Konsens von 162 Millionen Euro. Die Aktien brechen um 12,7 Prozent ein. Im Sog fallen Salzgitter um 3,7 Prozent. Thyssenkrupp geben nur um 0,2 Prozent auf 12,53 Euro nach, nachdem die Commerzbank das Kursziel auf 15,30 von 14,30 Euro erhöht hat.


Eine Kursexplosion um 21,6 Prozent legen dagegen Hellofresh hin. Die Kunden haben in einem ansonst saisonal schwachen dritten Quartal dem Kochboxenanbieter die Treue gehalten, in Folge wird das Unternehmen für das Gesamtjahr optimistischer. Der Konzernumsatz im dritten Quartal liegt voraussichtlich zwischen 438 Millionen und 441 Millionen Euro. Das obere Ende liegt rund 10 Prozent oberhalb des Factset-Konsens.


Auch Drägerwerk hat die Prognosen erhöht: Der Kurs gewinnt 9,0 Prozent. Wacker Neuson fallen dagegen mit einer Prognosesenkung für die Marge um 6,1 Prozent. Nordex steigen um 1,9 Prozent dank eines deutlich gestiegenen Auftragseingangs im dritten Quartal. In Wien fallen die Aktien des Luftfahrtausrüster FACC um 3,9 Prozent. Die Halbjahreszahlen werden als durchwachsen bezeichnet.


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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.577,87 0,61 21,61 19,21
Stoxx-50 3.222,95 0,31 10,10 16,77
DAX 12.553,90 0,54 67,34 18,89
MDAX 25.844,96 0,81 206,49 19,72
TecDAX 2.791,50 -0,45 -12,48 13,93
SDAX 11.270,30 1,07 119,46 18,52
FTSE 7.190,87 -0,31 -22,58 7,21
CAC 5.677,85 0,62 34,78 20,02

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,47 -0,01 -0,71
US-Zehnjahresrendite 1,71 -0,02 -0,97

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 7:49 Uhr Mo, 17:15 Uhr % YTD
EUR/USD 1,0994 -0,28% 1,1031 1,1020 -4,1%
EUR/JPY 119,22 -0,23% 119,42 119,50 -5,2%
EUR/CHF 1,0981 -0,13% 1,0985 1,0986 -2,5%
EUR/GBP 0,8706 -0,27% 0,8757 0,8754 -3,3%
USD/JPY 108,44 +0,06% 108,27 108,44 -1,1%
GBP/USD 1,2630 +0,00% 1,2597 1,2587 -1,1%
USD/CNH (Offshore) 7,0875 +0,26% 7,0606 7,0694 +3,2%
Bitcoin
BTC/USD 8.300,50 -0,09% 8.318,75 8.274,50 +123,2%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 53,15 53,59 -0,8% -0,44 +10,2%
Brent/ICE 59,00 59,35 -0,6% -0,35 +6,4%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.488,00 1.492,80 -0,3% -4,81 +16,0%
Silber (Spot) 17,51 17,67 -0,9% -0,16 +13,0%
Platin (Spot) 891,05 893,00 -0,2% -1,95 +11,9%
Kupfer-Future 2,61 2,63 -0,9% -0,02 -1,4%
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October 15, 2019 10:05 ET (14:05 GMT)

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