MÄRKTE EUROPA/Leichte Erholung vor US-Arbeitsmarktbericht

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Mit einem leichten Plus zeigen sich Europas Aktienmärkte am Freitagmorgen. Größere Kursgewinne bleiben aber aus vor dem wichtigen US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag. Angeführt wird die Erholung wie erwartet von den Technologiewerten nach guten Nachrichten um Apple. Der DAX steigt um 0,1 Prozent auf 11.932 Zähler, der Euro-Stoxx-50 legt ebenfalls 0,1 Prozent zu auf 3.421 Zähler. Die deutschen Börsen holen vor allem die Erholung vom Donnerstag nach, als hier wegen des "Tag der deutschen Einheit" geschlossen war.


Die Nachrichtenlage über den Feiertag war eher negativ: Sie belegte, dass sich die Wirtschaft global abkühlt. So sank die Aktivität in der Privatwirtschaft des Euroraums im September auf den tiefsten Wert seit Juni 2013 und signalisiert annähernde Stagnation beim Wirtschaftswachstum. In den USA enttäuschten der Auftragseingang für August und der ISM-Index für den Dienstleistungssektor für September. Nun wird mit Spannung darauf gewartet, ob die Abkühlung der Konjunktur bereits am US-Arbeitsmarkt ankommt. Es wird mit einem Stellenaufbau um 145.000 gerechnet, nach zuletzt 130.000.


Schwache Job-Daten dürften Zinsspekulationen befeuern


Sollte auch der US-Jobmotor ins Stottern geraten, dürften die Rufe nach einer weiteren Zinssenkung in den USA lauter werden. Ein Händler äußerte sich aber am Donnerstag überrascht über die relative Stärke der US-Börsen nach dem schwachen ISM-Index: "Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die negativen Daten nun schon eingepreist sind." Dazu passte auch die neueste Umfrage des Anlegerverbandes AAII. Sie zeigte eine derart extreme Bärenstimmung, dass dies fast schon wieder positiv zu werten ist.


Nur noch 21,4 Prozent aller US-Anleger sind bullish, was so negativ wie schon lange nicht mehr ist. Für die Börsen sind solche Zahlen positiv, da sie bei steigenden Kursen unter Kaufdruck geraten können. Auch die scharfe Erholung an der Nasdaq sei ein eher bullishes Zeichen, heißt es. Die Technologie-Börse schloss 1,1 Prozent höher, nachdem sie den stärksten Intraday-Turnaround seit April 2018 verzeichnet hatte. Entsprechend legt in Europa der Stoxx-Branchenindex der Technologiewerte mit 0,7 Prozent am stärksten zu.


Überraschend Hoffnung auf Absatzplus im iPhone


Stützend wirken dazu auch Berichte über Apple: Denn die Nachfrage des iPhone 11 soll stärker als erwartet sein, daher wolle Apple die Produktion steigern, berichtet Japans Wirtschaftszeitung Nikkei aus Quellen. Das Blatt gilt als gewöhnlich gut informiert in diesem Bereich und war eines der ersten Medien, die vor einem Jahr vor dem bevorstehenden Kollaps in der Nachfrage nach iPhones gewarnt hatten. Zulieferer wie Dialog Semiconductor liegen daher fast 3 Prozent im Plus.


Bei Wirecard im DAX stützt die Kooperation mit Rakuten im Wireless-Payment nur leicht, hier geht es 0,4 Prozent aufwärts. Im TecDAX steigen Evotec wegen einer Meilensteinzahlung von Aeovian dagegen um 2,4 Prozent.


Moderate Töne der EU könnten Trump beruhigen


Leicht positiv werden die Aussagen aus der EU gewertet, nicht sofort auf US-Strafzölle wegen der Airbus-Subventionen reagieren zu wollen. Dies verhindere, dass US-Präsident Trump mit weiteren irrationalen Maßnahmen um sich schlage, und beruhige die Lage. Man bedauere die Situation und setze weiter auf Verhandlungen, ließ EU-Handelssprecher Daniel Rosario wissen. Bei zuletzt hart abgestraften Zyklikern wie Covestro sorgt dies für 0,6 Prozent Erholung, Linde legen sogar 1,3 Prozent zu. Autowerte notieren hingegen rund um die Nulllinie; hier ist die US-Zollentscheidung noch bis November offen.


Stahlwerte wie Klöckner und Salzgitter notieren sogar bis zu 2,5 Prozent tiefer aus Furcht vor neuen US-Strafzöllen. Bei Salzgitter kommt noch eine Abstufung auf "Untergewichten" durch JP Morgan dazu. Airbus können indes ihre Gewinne von über 4 Prozent aus dem Pariser Handel vom Donnerstag verteidigen und notieren weitere 0,2 Prozent höher. Im MDAX sieht das Plus nur wegen des deutschen Feiertages erneut stark aus. Die Strafen für Airbus könnten geringer als befürchtet ausfallen, da auch US-Airlines davor gewarnt hatten. Auch Analysten wie von Bank of America-Merrill Lynch sprachen nur von einer begrenzten Belastung.


Unter Druck stehen mit 2,5 Prozent Minus auch Commerzbank. Das mit Spannung erwartete Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) stärkt polnischen Kreditnehmern im Streit um Franken-Darlehen den Rücken. Das belastet besonders die Commerzbank. Denn die zum Verkauf stehende polnische M-Bank halte Milliarden an solchen Krediten in ihren Büchern.


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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.421,37 0,12 4,00 13,99
Stoxx-50 3.127,19 0,16 4,86 13,30
DAX 11.932,22 0,06 6,97 13,01
MDAX 25.356,16 0,95 238,63 17,45
TecDAX 2.741,29 0,76 20,72 11,88
SDAX 10.795,10 0,38 40,62 13,52
FTSE 7.099,94 0,32 22,30 5,19
CAC 5.448,94 0,19 10,18 15,18

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,60 -0,01 -0,84
US-Zehnjahresrendite 1,52 -0,01 -1,16

DEVISEN zuletzt +/- % 0,00 Uhr Mi, 17:21 Uhr
EUR/USD 1,0974 +0,0% 1,0972 1,0952
EUR/JPY 117,14 -0,1% 120,87 117,49
EUR/CHF 1,0950 -0,1% 1,1025 1,0929
EUR/GBR 0,8891 -0,0% 0,8975 0,8898
USD/JPY 106,74 -0,1% 107,74 107,29
GBP/USD 1,2342 +0,0% 1,2500 1,2308
USD/CNY 7,1484 0% 7,1484 7,1484
Bitcoin
BTC/USD 8.130,00 -0,49 8.578,75 8.223,00

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 52,81 52,45 +0,7% 0,36 +9,5%
Brent/ICE 58,02 57,71 +0,5% 0,31 +4,6%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.509,15 1.505,00 +0,3% +4,15 +17,7%
Silber (Spot) 17,61 17,57 +0,2% +0,04 +13,6%
Platin (Spot) 885,98 891,00 -0,6% -5,02 +11,2%
Kupfer-Future 2,53 2,55 -0,8% -0,02 -4,6%
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October 04, 2019 03:49 ET (07:49 GMT)

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