MÄRKTE EUROPA/Uneinheitlich - Banken und Reise-Titel fest

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Börsen setzt sich am Dienstagnachmittag weiterhin keine einheitliche Tendenz durch. Der Euro-Stoxx-50 steht mit 3.240 Punkten nur zwei Punkte unter dem Vortagesschluss. Bei den Branchen ziehen die Sektorindizes der Banken und der Reise-Aktien an, aber auch die Titel der Handelsunternehmen. Dagegen geht es mit den Rohstoff- und Energie-Werten sowie den Aktien der Gesundheits-, Technologie- und Chemie-Branche nach unten. Während am deutschen Aktienmarkt der DAX um 0,5 Prozent auf 12.795 Punkte nachgibt, zieht der MDAX um 0,1 Prozent an. Damit setzt sich auch am deutschen Aktienmarkt die seit vielen Monaten etablierte übergeordnete Seitwärtstendenz fort.


Anleger sollten weniger auf mögliche oder bereits verhängte Lockdowns schauen als vielmehr auf die Unterschiede zum Lockdown vom Frühjahr, sagt Felix Herrmann, Anlagestratege bei Blackrock. "Man kann unter dem Strich daher mit einigem Optimismus davon ausgehen, dass das in den vergangenen Monaten gesammelte Wissen der Politik und der Wissenschaft dafür sorgt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der zweiten Welle bei weitem nicht das Ausmaß der ersten erreichen", ergänzt er.


Daneben sprechen Marktteilnehmer auch von einer abwartenden Haltung zum "Tag der Entscheidung", die vor allem die US-Börsen betrifft. Zum einen läuft dort die Frist für eine Einigung über das Fiskalpaket ab. Bei einem Scheitern der Verhandlungen zwischen Republikanern und Demokraten würde ein neues Paket erst nach der Wahl auf den Weg gebracht werden. "Bei der derzeitigen Ruhe könnte es sich um die Ruhe vor dem Sturm handeln", meint Ricardo Evangelista, Analyst vom Brokerhaus Activ-Trades.


Daneben steht es aber auch aus technischer Sicht "spitz auf Knopf". Nun muss sich zeigen, ob viele der großen US-Technologietitel wie Microsoft oder Apple die letzten Tiefststände verteidigen oder unterschreiten. Sollten sie unter die Tiefs fallen, würde sich der jüngste Anstieg als Zwischenerholung entpuppen und die Korrektur fortsetzen, warnt der technische Analyst Marcel Mußler, der deshalb ebenfalls vom "Tag der Entscheidung" spricht.


UBS-Zahlen stützen Banken- "Prinzip Hoffnung" die Reise-Aktien


Die Bank-Aktien werden von den Quartalszahlen der UBS gestützt. Diese gewinnnen 3,3 Prozent, nachdem der Vorsteuergewinn im dritten Quartal die Schätzungen um 16 Prozent übertroffen hat. Am deutschen Markt steigen Deutsche Bank um 2,5 Prozent und Commerzbank um 3,9 Prozent.


Bei den Reise-Aktien ist allgemein vom "Prinzip Hoffnung" die Rede. Hier steigen IAG um 7,1 Prozent, Lufthansa um 5,9 Prozent, Air France-KLM um 4,7 Prozent. Lufthansa haben sehr schwache Quartalszahlen veröffentlicht. Setze sich der Kapitalabfluss in dem Tempo fort, reiche die Liquidität noch vier Quartale, sagt ein Händler. Die Hoffnung ruhe auf einem Impfstoff und darauf, dass der Preiskampf der vergangenen Jahre nach der Corona-Krise vorbei sei.


Auch der Branche nahestehende Aktien ziehen deutlich an, so MTU und Fraport um jeweils etwa 3 Prozent. In Madrid gewinnen die Aktien des Flughafenbetreibers Aena 4,1 Prozent und Amadeus IT 1,3 Prozent. Der Ibex in Madrid hat so auch die Nase vorn bei den europäischen Indizes.


Im DAX fallen Fresenius Medical Care um 5,2 Prozent und Fresenius um 3,1 Prozent. Deutsche Börse geben um 3 Prozent nach.


Gute Quartalsberichte stützen Einzeltitel


Die Drittquartalszahlen von Kühne + Nagel unterstreichen laut Bernstein die Stärke des Unternehmens. Drei der Sparten hätten die Gewinnschätzungen übertroffen. Positiv heben die Analysten zudem die gute Entwicklung des Arbeitskapitals sowie des freien Cashflows hervor. Auch sei es dem Unternehmen gelungen, die operativen Kosten in der wichtigen Luft- und Seesparte stabil zu halten. Kühne + Nagel entwickle sich gut in der Covid-Krise, heißt es. Der Kurs legt um 1,9 Prozent zu.


Logitech machen Satz nach oben


Die Aktie von Reckitt Benckiser gewinnt 0,6 Prozent. Für die Analysten von Jefferies sind die Umsätze im dritten Quartal 13 Prozent oberhalb der Markterwartung ausgefallen. Dies sei auf das anhaltend starke Wachstum bei Hygieneprodukten zurückzuführen. Aber nicht alle Bereiche überzeugten, so stagniere der Umsatz bei Babynahrung. Das Unternehmen habe für 2020 den Ausblick für das Umsatzwachstum auf "zweistellig" angehoben, hier liege der Konsens bisher bei 10,2 Prozent.


Logitech machen einen Sprung um knapp 15 Prozent. Positiv wird gesehen, dass der Hersteller von Computer- und Gamingzubehör nach einem guten zweiten Quartal die Prognose angehoben hat. "Mit dem Trend zum Homeoffice hat das Unternehmen momentan eine Sonderkonjunktur", so ein Aktienhändler. Die Gewinnentwicklung sei sensationell und in dem Umfang nicht erwartet worden.


Trotz guter Geschäftszahlen geben Remy Cointreau um 3,2 Prozent nach. Wie die Citigroup anmerkt, habe das Unternehmen erneut die Umsatzerwartungen geschlagen. Die Analysten verweisen auf das solide Geschäft in China und den USA. Dass die Aktie dennoch fällt, dürfte mit der ambitionierten Bewertung der Aktie zu tun haben.


Cashflow bei BMW besser - Jenoptik senkt Prognose


BMW hat im dritten Quartal von der Erholung der Automärkte sowie Kostensenkungen profitiert und bei der Cashflow-Entwicklung positiv überrascht. Der vorläufige freie Cashflow im Segment Automobile liegt deutlich höher als von Analysten prognostiziert. Die BMW-Aktie liegt 0,6 Prozent im Plus.


Jenoptik brechen um 5,5 Prozent ein. Hier belastet, dass das Unternehmen die Umsatzprognose auf 730 bis 750 Millionen Euro nach zuvor 770 bis 790 Millionen Euro gesenkt hat. "Die schwachen Auftragseingänge hatten bereits darauf hingedeutet", so ein Aktienhändler. Die Kosten habe das Unternehmen aber im Griff. So werde die adjustierte EBITDA-Marge für das Gesamtjahr am oberen Rand der Spanne von 14,5 bis 15,0 Prozent erwartet.


Platzierung bei Teamviewer


Westwing machen einen Sprung um knapp 17 Prozent. Der Online-Möbelhändler hat starke Drittquartalszahlen geliefert und den Ausblick angehoben.


Teamviewer verlieren 7,3 Prozent auf 42,74 Euro. Hier belastet, dass sich Finanzinvestor Permira von einem großen Aktienpaket des Software-Anbieters getrennt hat. 22 Millionen Aktien wurden zu einem Preis von 42,25 Euro je Aktie bei Investoren platziert - ein Anteil von rund 11 Prozent. Mit einem Anteil von 28 Prozent bleibt Permira größter Teamviewer-Aktionär, somit ist mit weiteren Platzierungen zu rechnen.


Sartorius steigen um 4,4 Prozent und markieren neue Allzeithochs. Im dritten Quartal hat Sartorius in allen Bereichen die Erwartungen geschlagen, so ein Marktteilnehmer. Außerdem hat das Unternehmen sowohl das Ziel für den Umsatz als auch die Erwartung an die EBITDA-Marge nach oben genommen.


===
Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.240,39 -0,07 -2,12 -13,48
Stoxx-50 2.901,92 -0,29 -8,30 -14,73
DAX 12.795,45 -0,46 -59,21 -3,42
MDAX 27.798,01 -0,06 -17,34 -1,82
TecDAX 3.129,17 -0,72 -22,81 3,79
SDAX 12.642,01 -0,35 -43,95 1,04
FTSE 5.906,01 0,36 21,36 -21,98
CAC 4.944,84 0,04 2,22 -17,28

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,61 0,01 -0,85
US-Zehnjahresrendite 0,79 0,02 -1,89

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:42 Uhr Mo, 17:02 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1832 +0,55% 1,1773 1,1783 +5,5%
EUR/JPY 124,91 +0,67% 124,23 124,27 +2,5%
EUR/CHF 1,0722 +0,08% 1,0716 1,0716 -1,2%
EUR/GBP 0,9122 +0,32% 0,9093 0,9066 +7,8%
USD/JPY 105,57 +0,13% 105,51 105,47 -2,9%
GBP/USD 1,2971 +0,22% 1,2949 1,2997 -2,1%
USD/CNH (Offshore) 6,6691 -0,15% 6,6746 6,6736 -4,3%
Bitcoin
BTC/USD 11.939,00 +1,60% 11.786,75 11.647,25 +65,6%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 40,44 40,83 -1,0% -0,39 -28,9%
Brent/ICE 42,49 42,62 -0,3% -0,13 -30,7%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.900,58 1.904,30 -0,2% -3,72 +25,3%
Silber (Spot) 24,61 24,53 +0,3% +0,08 +37,9%
Platin (Spot) 871,75 863,95 +0,9% +7,80 -9,7%
Kupfer-Future 3,11 3,08 +1,1% +0,03 +10,2%
===


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


DJG/hru/ros


(END) Dow Jones Newswires


October 20, 2020 10:29 ET (14:29 GMT)

Copyright (c) 2020 Dow Jones & Company, Inc.