MÄRKTE EUROPA/Anleger nehmen Gewinne mit

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Aktienmärkten dominieren am Freitag Gewinnmitnahmen. Vor dem Wochenende werden die Anleger etwas vorsichtiger, nachdem es die beiden vergangenen Wochen in sich hatten. In der Vorwoche ging es um 8,6 Prozent nach unten, diese Woche bisher um rund 8 Prozent oder etwa 900 Punkte wieder nach oben.


Auch wenn die US-Wahlen noch nicht entschieden sind, wird an der Börse darauf gesetzt, dass der Herausforderer Joe Biden am Ende der neue Präsident der USA wird. Möglich ist inzwischen auch wieder, dass seine Demokraten auch im US-Senat eine hauchdünne Mehrheit erreichen.


Der DAX gibt am Mittag um 0,8 Prozent nach auf 12.476 Punkte, der Euro-Stoxx-50 verliert 0,6 Prozent auf 3.197 Zähler. Der Euro legt nach dem kräftigen Plus am Donnerstag weiter zu auf 1,1870 Dollar. Die Commerzbank sieht mittel- bis langfristig einen Präsidenten Joe Biden eher negativ für den Dollar. Dies dürfte vor allem an der Fiskalpolitik liegen, denn unter Biden werde die Ausgabenfreudigkeit der US-Regierung höher sein. Gehe man davon aus, dass dies einen inflationären Effekt habe und die US-Notenbank nicht entsprechend mit einer Straffung der Geldpolitik reagiere, wäre dies negativ für den Dollar.


Insgesamt scheint die US-Wahl als Unsicherheitsfaktor zunehmend an Schrecken zu verlieren, nun konzentrieren sich die Anleger wieder mehr auf die zweite Welle der Corona-Pandemie. Die Zahl der täglich verzeichneten Neuinfektionen hat in Deutschland erstmals die Schwelle von 21.000 Fällen überschritten. Aber auch in den europäischen Nachbarländern oder in den USA schießen die Zahlen auf Rekordniveaus. Zu den Verlierern gehören am Aktienmarkt dazu passend einmal mehr die Aktien aus der Reisebranche, der Sektorindex gibt um knapp 1 Prozent nach.


Für die Aktie der Lufthansa geht es um 5 Prozent nach unten. In der Bundesregierung wächst angesichts der geringen Auslastung die Sorge um die finanzielle Lage der Lufthansa, wie der Spiegel berichtet. Möglicherweise brauche der Konzern kommendes Jahr neues Geld. Der Vorstand müsse daher das Unternehmen schrumpfen.


Keine Inspiration am Aktienmarkt löst die geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank aus, die am Vorabend ihren Kurs bestätigte. Fed-Präsident Powell unterstrich zwar die Notwendigkeit zusätzlicher Hilfe durch die Fiskal- und Geldpolitik, hielt sich ansonsten allerdings bedeckt. Das könnte bei einigen Anlegern für Enttäuschung sorgen, die zumindest auf Signale für weitere baldige geldpolitische Lockerungen gesetzt hatten, zumal politischerseits ein Maßnahmenpaket zunächst weiter auf sich warten lasen könnte.


Starke Zahlen von der Berichtssaison


Weiterhin im Blick steht die Berichtssaison. Der Versicherer Allianz hat positiv überrascht mit besseren Quartalszahlen bei Gewinn und Umsatz. Auch die Schaden-Kosten-Quote sei besser als erwartet, heißt es im Handel. Die Aktie legt mittlerweile aber nur noch minimal zu. Der ausgebliebene Ausblick bremse womöglich.


Für den französischen Versicherer Scor geht es um 6 Prozent nach oben nach starken Zahlen. Praktisch alle Kennziffern hätten sich besser als erwartet entwickelt, heißt es von der Citigroup.


Bei Deutsche Telekom treiben überzeugende T-Mobile-US-Zahlen den Kurs um 2,9 Prozent. Nicht nur fielen die Zahlen der Tochter besser aus als gedacht, auch hat diese deutlich mehr Neukunden akquiriert.


Bilfinger prüft angeblich eigenen Verkauf


Bilfinger machen einen Satz um rund 9,5 Prozent nach oben. Der Industriedienstleister soll einem Bericht der FAZ zufolge einen Verkauf an einen US-Finanzinvestor prüfen. An den Plänen könne durchaus etwas dran sein, so ein Teilnehmer, sie läsen sich jedenfalls sehr detailliert. Treibende Kraft hinter einem möglichen Verkauf dürfte der Großinvestor Cevian sein, der fast 27 Prozent der Bilfinger-Anteile halte.


Rheinmetall notieren 3 Prozent im Minus. Im Handel heißt es angesichts der gut beurteilter Quartalszahlen, dass der Ausblick offenbar nicht gut genug ausgefallen sei.


Freenet steigen nach den Drittquartalszahlen um 1,2 Prozent. Jefferies hebt das operative Ergebnis hervor, das 5 Prozent über den Schätzungen ausgefallen sei. United Internet und 1&1 Drillisch liegen derweil rund bis zu 2,7 Prozent im Minus. Hier kommen neue Geschäftszahlen und Ausblick nicht gut an.


Richemont mit Kurssprung


Richemont notieren mit plus 9 Prozent extrem fest. Das ist auf sehr gut ausgefallene Quartalszahlen zurückzuführen, aber auch den gemeinsame Einstieg mit Alibaba beim Online-Luxus-Bekleidungs-Einzelhändler Farfetch. Insgesamt investieren beide Unternehmen jeweils 550 Millionen Dollar. Die Idee des Deals ist laut den Analysten von Equita, von der Online-Erfahrung von Farfetch zu profitieren sowie von der Kundenplattform von Alibaba in China. China gilt als der mit Abstand wichtigste Wachstumsmarkt im Luxusgütersegment.


Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.194,90 -0,64 -20,66 -14,69
Stoxx-50 2.896,45 -0,38 -10,95 -14,89
DAX 12.460,24 -0,86 -107,85 -5,95
MDAX 27.277,44 -0,81 -221,50 -3,66
TecDAX 3.011,66 -0,33 -9,90 -0,11
SDAX 12.314,89 -0,76 -94,23 -1,57
FTSE 5.898,84 -0,12 -7,34 -21,69
CAC 4.953,01 -0,62 -30,98 -17,15

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,64 -0,01 -0,88
US-Zehnjahresrendite 0,77 0,01 -1,91

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 9:43 Do, 17:13 % YTD
EUR/USD 1,1869 +0,39% 1,1844 1,1815 +5,8%
EUR/JPY 122,51 -0,00% 122,55 122,53 +0,5%
EUR/CHF 1,0686 -0,13% 1,0688 1,0713 -1,6%
EUR/GBP 0,9032 +0,40% 0,9014 0,9023 +6,7%
USD/JPY 103,22 -0,39% 103,45 103,71 -5,1%
GBP/USD 1,3145 +0,00% 1,3140 1,3095 -0,8%
USD/CNH (Offshore) 6,5954 -0,20% 6,6098 6,6171 -5,3%
Bitcoin
BTC/USD 15.495,25 -0,54% 15.574,62 15.230,75 +114,9%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 37,43 38,79 -3,5% -1,36 -33,7%
Brent/ICE 39,83 40,93 -2,7% -1,10 -38,9%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.956,51 1.948,90 +0,4% +7,61 +28,9%
Silber (Spot) 25,80 25,43 +1,5% +0,37 +44,5%
Platin (Spot) 907,25 894,50 +1,4% +12,75 -6,0%
Kupfer-Future 3,17 3,11 +1,8% +0,06 +12,0%


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November 06, 2020 06:29 ET (11:29 GMT)

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