MÄRKTE USA/Ausbreitung der Corona-Epidemie lässt Börse abstürzen

(DJLL) Von DJ


NEW YORK (Dow Jones)--An der Wall Street geht es zum Start in die neue Woche steil nach unten, nachdem über das Wochenende neue Fallzahlen zur Coronavirus-Epidemie bekanntgeworden sind. Direkt nach der Startglocke verlor der Dow-Jones-Index über 3 Prozent, aktuell liegt der Index 2,8 Prozent im Minus bei 28.199 Punkten. Der S&P-500 gibt um 2,6 Prozent nach und der Nasdaq-Composite um 3,1 Prozent.


Schon in Asien und Europa verbuchten die Aktienmärkte am Montag drastische Abgaben. In Italien sind nach Behördenangaben mehr als 160 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, fünf Patienten sind dort bereits an den Folgen gestorben. Damit ist Italien das Land mit den höchsten Fallzahlen außerhalb Asiens. Südkorea meldete 70 neue Fälle, und in der iranischen Stadt Ghom wurden bislang 50 Corona-Tote gezählt. In China sind mehr als 77.000 Menschen infiziert. Peking verschiebt deshalb den Nationalen Volkskongress, der eigentlich im März stattfinden sollte.


IWF sieht Coronavirus als Wachstumsbremse


Schon am Samstag warnte der Internationale Währungsfonds vor einem negativen Einfluss der Epidemie auf die Weltwirtschaft, deren Wachstum deswegen 0,1 Prozentpunkte niedriger ausfallen könnte als im Januar geschätzt. Das chinesische Wachstum könnte sogar um 0,4 Prozentpunkte geschmälert werden.


US-Finanzminister Steve Mnuchin versuchte derweil zu beschwichtigen. Es sei noch zu früh, um den Einfluss der Epidemie auf das Wirtschaftswachstum beziffern zu können. Belastbare Daten lägen wohl erst in drei oder vier Wochen vor, sagte Mnuchin zu CNBC.


Auch Goldman Sachs Asset Management ist nicht übermäßig nervös wegen des Virus. "Trotz des Coronavirus zeigen sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch der Servicesektor Zeichen einer Stabilisierung und Erholung", sagt Iain Lindsey, Co-Chef der Sparte Global Fixed Income Portfolio Management bei Goldman.


Andere Marktbeobachter zeigen sich indessen beunruhigt von der Ausbreitung des Virus und dem Umstand, dass auch Menschen infiziert wurden, die keinerlei Verbindung nach China hatten, wo das Virus erstmals entdeckt wurde. Die Lage könnte extrem problematisch werden, sagt etwa Stephen Innes, Chefmarktstratege bei Axitrader. Er befürchtet, dass sich die Stimmung an den Börsen in dieser Woche deutlich eintrübt.


Anleger flüchten in Gold und Anleihen


Die Furcht vor einem konjunkturbedingten Nachfrageeinbruch als Folge einer Pandemie lässt die Ölpreise einbrechen. Daneben lastet der Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über mögliche Förderkürzungen als Reaktion auf den Preisverfall auf dem Ölmarkt. Das Barrel Rohöl der US-Sorte verbilligt sich um 4,4 Prozent auf 51,02 Dollar. Die europäische Referenzsorte Brent gibt um 4,6 Prozent nach auf 55,79 Dollar.


Nach wie vor begehrt sind dagegen vermeintlich sichere Häfen wie Gold und US-Staatsanleihen. Der Goldpreis steigt um 2 Prozent auf 1.676 Dollar je Feinunze und erreicht damit erneut ein Siebenjahreshoch. Am Anleihemarkt drücken steigende Notierungen die Zehnjahresrendite um 10 Basispunkte auf 1,37 Prozent. Auch die Rendite der 30-jährigen rutscht weiter ab. Das Rekordtief vom Freitag ist schon wieder Geschichte.


Die aktuelle Nachrichtenlage zum Coronavirus verschafft Fluchtwährungen wie dem Yen oder dem Schweizer Franken nur moderaten Zulauf. Der US-Dollar ist hingegen gegen viele Währungen gesucht. In der aktuellen Situation sei es sicherer, in den Dollar zu gehen als in traditionell sichere Häfen wie den Schweizer Franken und den Yen, sagt Stratege Hussein Sayed von FXTM. Die Weltwirtschaft sei auf eine Pandemie nicht gut vorbereitet. In Japan werde ein Rückfall in die Rezession erwartet, und mehrere europäische Länder hätten schon vor dem Ausbruch des Virus mit wirtschaftlichen Problemen gekämpft, ergänzt er.


Abseits der Coronavirus-Epidemie ist die Nachrichtenlage dünn. An Konjunkturdaten wurde vorbörslich nur der Chicago Fed National Activity Index für Januar veröffentlicht. Er erholte sich im vergangenen Monat auf einen Stand von minus 0,25 nach minus 0,51 Punkten. Diese positive Entwicklung wird an den Börsen voraussichtlich aber verpuffen.


Die Bilanzsaison ist in den USA weitgehend vorüber. Nach Börsenschluss wird noch HP Inc über den Verlauf des ersten Geschäftsquartals berichten.


Technologiewerte und Fluggesellschaften Opfer der Virus-Angst


Aktien des Chipsektors gehören zu den "Hauptleidtragenden" der Virus-Angst. Die Technologiebranche gilt als besonders anfällig für die Folgen des Coronavirus, denn viele Hersteller betreiben Fertigungsstätten in China und anderen asiatischen Ländern oder beziehen Teile von dortigen Zulieferern. Unter anderem geht es für Advanced Micro Devices um 8 Prozent abwärts.


Auch Aktien von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern stehen am Montag auf den Verkaufslisten ganz oben, denn als Folge der Epidemie wurde der Flugverkehr besonders nach China schon stark eingeschränkt. Der drastisch sinkende Ölpreis, sonst eher positiv für die Luftfahrt, stützt den Sektor in der aktuellen Situation nicht. American Airlines fallen um 8,6 Prozent. Der Kurs des Kreuzfahrtveranstalters Carnival bricht um 5,2 Prozent ein.


Gefragt sich bei den Anlegern hingegen erneut Aktien von Goldminenbetreibern. Sie hatten schon am Freitag im Windschatten des Goldpreises zugelegt. Anglogold Ashanti gewinnen 3,2 Prozent und Newmont 2,6 Prozent.


Unter den wenigen Gewinnern ist auch die Aktie des Pharmakonzerns Gilead, die um 4,6 Prozent zulegt. Hier dürfte die Hoffnung auf ein Mittel zur Behandlung der Coronavirus-Infektion stützen. Schon vor einigen Wochen war berichtet worden, dass das Medikament Remdesivir des Unternehmens zumindest im Reagenzglas seine Wirksamkeit gegen das Coronavirus bewiesen habe.


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INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
DJIA 28.193,74 -2,75 -798,67 -1,21
S&P-500 3.252,44 -2,56 -85,31 0,67
Nasdaq-Comp. 9.283,37 -3,06 -293,22 3,46
Nasdaq-100 9.159,13 -3,04 -287,56 4,88

US-Anleihen
Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD
2 Jahre 1,26 -9,0 1,35 5,4
5 Jahre 1,22 -10,6 1,32 -70,8
7 Jahre 1,30 -10,4 1,41 -94,5
10 Jahre 1,37 -10,0 1,47 -107,2
30 Jahre 1,83 -8,8 1,92 -123,9

DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8:30 Fr, 17.08 Uhr % YTD
EUR/USD 1,0830 +0,01% 1,0814 1,0858 -3,4%
EUR/JPY 120,18 -0,42% 120,66 121,29 -1,4%
EUR/CHF 1,0596 -0,12% 1,0611 1,0622 -2,4%
EUR/GBP 0,8380 +0,20% 0,8353 0,8376 -1,0%
USD/JPY 110,95 -0,44% 111,56 111,71 +2,0%
GBP/USD 1,2923 -0,19% 1,2946 1,2962 -2,5%
USD/CNH (Offshore) 7,0388 -0,19% 7,0414 7,0370 +1,0%
Bitcoin
BTC/USD 9.793,51 -1,32% 9.699,76 9.745,76 +35,8%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 51,02 53,38 -4,4% -2,36 -15,5%
Brent/ICE 55,79 58,50 -4,6% -2,71 -14,6%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.675,58 1.643,40 +2,0% +32,18 +10,4%
Silber (Spot) 18,73 18,49 +1,3% +0,24 +4,9%
Platin (Spot) 965,15 977,20 -1,2% -12,05 +0,0%
Kupfer-Future 2,57 2,61 -1,6% -0,04 -8,2%
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February 24, 2020 09:51 ET (14:51 GMT)

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