MÄRKTE EUROPA/DAX auf höchstem Stand seit Lock-Down

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Aufwärts geht es am Dienstagnachmittag mit den europäischen Aktienkursen. Der DAX steigt um 1,5 Prozent auf 10.825 Punkte und notiert auf dem höchsten Stand seit dem Beginn des Lockdown in Deutschland. Der Euro-Stoxx-50 zieht um 1,7 Prozent auf 2.933 Punkte an. Gestützt wird die Stimmung vor allem vom Ende der Ausgangsbeschränkungen in Österreich. In Wien gewinnt der ATX-Prime 2,7 Prozent. Auch an den anderen Börsen setzen die Marktteilnehmer weiter auf eine schrittweise Lockerung des Lockdown und damit auf eine Wiederbelebung der Wirtschaft.


Besonders gefragt sind die Aktien der Bankenbranche und des Versicherungssektors, ihre Stoxx-Indizes gewinnen jeweils mehr als 4,5 Prozent. Aber auch Bau-, Auto- und Öl-Aktien können sich überdurchschnittlich verbessern. Weniger gefragt sind die Aktien aus dem Gesundheits-, dem Telekom- und dem Nahrungsmittelsektor. Trotzdem liegen alle Branchenindizes im Plus.


Der Branchenindex der Pharmatitel steht nun sogar 3 Prozent höher als am Jahresanfang, damit haben Anleger hier als einzigem Sektor einen Gewinn gemacht. Unter den Länderbörsen hat der OMX in Kopenhagen nun als erster europäischer Länderindex den Verlust seit Jahresanfang wieder aufgeholt, in ihm ist der Gesundheitssektor hoch gewichtet.


Auch aus charttechnischer Sicht hat sich die Lage am deutschen Aktienmarkt nun weiter aufgehellt. Denn mit den neuen 6-Wochen-Hochs hat der DAX die Konsolidierung zwischen 10.236 und 10.820 Punkten mit einem Kaufsignal nach oben verlassen. Der nächste Widerstand ist nun die auf dem Weg nach unten gerissene Chart-Lücke zwischen 11.032 und 11.147 Punkten. Darüber hinaus weist die charttechnische Formation auf ein Anschlusspotenzial Richtung 11.300 Punkte hin.


Wirecard gegen den Trend sehr schwach


Gegen den Trend bricht die Aktie von Wirecard um 25 Prozent ein. Der Zahlungsdienstleister sieht sich durch den nun vorliegenden Untersuchungsbericht von KPMG vom Vorwurf der Bilanztrickserei entlastet, da keine belastenden Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden wurden. Im Handel heißt es, dass sich die Anleger vor allem an der Aussage des Unternehmens störten, dass für die Jahre 2016 bis 2018 nicht alle von KPMG angeforderten Daten geliefert werden konnten.


Speziell geht es um den Nachweis der Umsatzerlöse im Dritt-Partnergeschäft (TPA). Die diesbezüglichen Unterlagen befänden sich überwiegend im Zugriffsbereich der Dritt-Partner. "Der Bericht liegt nun vor, die Zweifel sind allerdings nicht vom Tisch", so ein Marktteilnehmer.


Lufthansa deutlich unter Tageshoch


Daneben steht weiterhin die Entwicklung um die Lufthansa im Blick. Die Lufthansa-Aktie kommt von ihrem Tageshoch wieder deutlicher zurück und liegt nun nur noch 3,2 Prozent im Plus bei 8,18 Euro. Im Tageshoch lagen die Titel bei 8,89 Euro. Im Handel heißt es, dass ein Deal zwischen der Fluglinie und der Regierung noch nicht in trockenen Tüchern sei. Daneben könnte die "Sell"-Empfehlung der Deutschen Bank zunehmend ihre Wirkung entfalten. Laut den Analysten benötigt die Airline nicht nur Staatshilfe. Auch eine Rekapitalisierung sei nötig, die derzeit allerdings noch nicht eingepreist sei.


Berichtssaison tobt


Zu den positiven Überraschungen in Deutschland zählt Continental, der Automobilzulieferer hat im ersten Quartal nicht ganz so schlecht abgeschnitten wie zunächst befürchtet. Sowohl der Umsatz als auch die Rendite liegen etwas über den vor knapp vier Wochen in Aussicht gestellten Bandbreiten. Einen Ausblick für das laufende Jahr gab der DAX-Konzern mit Blick auf die nach wie vor hohe Unsicherheit nicht. Die Aktie legt um 2,2 Prozent zu.


Mit 1,6 Milliarden Dollar ist der Gewinn der UBS im ersten Quartal besser als erwartet ausgefallen. Die Bank hatte im Vorfeld ein Ergebnis von 1,5 Milliarden Dollar angekündigt. Sehr zurückhaltend hat sich die UBS indes zu den weiteren Aussichten geäußert. Wie sich die Situation entwickeln werde, sei nach wie vor völlig offen. "Verlässliche Voraussagen zum Zeitpunkt und Umfang einer möglichen Wirtschaftserholung wären daher verfrüht", so die UBS und wies darauf hin, dass die gesunkenen Vermögenspreise ihren Ertrag aus wiederkehrenden Gebühren beeinträchtigen werden. Für die Aktie geht es um 6,9 Prozent nach oben.


Der Öl-Preisverfall hat bei BP tiefe Spuren in den Zahlen für das 1. Quartal hinterlassen. Der Konzern verbuchte einen Verlust von 4,4 Milliarden US-Dollar, hier schlugen die niedrigeren Bewertungen der Lagerbestände mit 3,7 Milliarden Dollar zu Buche. Als klar negativ beurteilt Michael Hewson, Marktstratege bei CMC Markets, das die Nettoverschuldung auf 51,4 Milliarden Dollar gestiegen ist und damit der Verschuldungsgrad von 31,1 auf 36,2 kletterte. Dies sei ein beunruhigend hohes Niveau zu einer Zeit, in der die Ölpreise wie auch der Gaspreis kaum Anzeichen eines Anstiegs erkennen lassen, so Hewson. Die Aktie notiert nach einer frühen Delle nun 2,7 Prozent im Plus.


Die Kion Group hat im ersten Quartal wegen der Coronavirus-Krise einen Gewinneinbruch erlitten und vor einem schwierigen Umfeld im laufenden Jahr gewarnt. Nach einem guten Start ins Jahr habe sich die Pandemie im März bemerkbar gemacht, für die Aktie geht es um 5,6 Prozent nach unten. Dazu kommt die Unsicherheit in Bezug auf künftige Investitionen. "Man freut sich doch schon, wenn die Produktion wieder aufgenommen wird - aber an Erweiterungsinvestitonen glaubt keiner so wirklich", sagte ein Händler. Im Sog fallen Jungheinrich um 1,1 Prozent.


Hohe Aufwärtsdynamik bei Prosieben und bei Ceconomy


Prosieben erholen sich um 15,2 Prozent. "Die Übernahme-Fantasie trifft auf einen ausgebombten Kurs", sagt ein Händler. Das sei der Grund der dynamischen Erholung. Mediaset hat den Anteil kürzlich auf 24,9 Prozent aufgestockt.


Ceconomy schießen sogar um 19 Prozent nach oben. Wie es heißt, profitiert die Aktie vom verbesserten Sentiment mit der zunehmenden Zahl an Geschäftsöffnungen. Erste Erfahrungen mit Mediamarkt-Eröffnungen in Italien seien ermutigend, heißt es.


Stratec und Drägerwerk ersetzen RIB Software in SDAX und TecDAX


Die Aktien der RIB Software werden aus dem SDAX- und dem TecDAX genommen. Hintergrund ist die Übernahme der RIB Software durch die Schneider Electric, wodurch der Streubesitz unter 10 Prozent sinkt. Nachrücker im SDAX ist Stratec, Nachrücker im TecDAX Drägerwerk. Die Änderungen treten mit Handelsbeginn am 30. April 2020 in Kraft. RIB Software verändern sich mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 28,98 Euro nur wenig. Dräger leiden mit einem Minus von 1,3 Prozent unter Gewinnmitnahmen, Stratec geben ebenfalls mit Gewinnmitnahmen 0,8 Prozent ab. Sowohl Dräger als auch Stratec hatten in den vergangenen Wochen gegen den Trend stark zugelegt.


===
Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 2.937,17 1,91 55,08 -21,57
Stoxx-50 2.895,39 1,69 48,08 -14,92
DAX 10.843,57 1,72 183,58 -18,16
MDAX 22.942,48 1,59 358,26 -18,97
TecDAX 2.861,65 -2,40 -70,48 -5,08
SDAX 10.205,66 1,15 115,69 -18,43
FTSE 5.963,80 2,00 117,01 -22,48
CAC 4.581,04 1,68 75,79 -23,37

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,47 -0,01 -0,71
US-Zehnjahresrendite 0,63 -0,03 -2,05

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:03 Mo, 17:39 Uhr % YTD
EUR/USD 1,0854 +0,21% 1,0825 1,0835 -3,2%
EUR/JPY 115,82 -0,30% 116,03 116,12 -5,0%
EUR/CHF 1,0566 +0,03% 1,0562 1,0571 -2,7%
EUR/GBP 0,8711 -0,06% 0,8714 0,8723 +2,9%
USD/JPY 106,71 -0,50% 107,19 107,19 -1,9%
GBP/USD 1,2460 +0,26% 1,2423 1,2422 -6,0%
USD/CNH (Offshore) 7,0815 -0,17% 7,0924 7,0931 +1,7%
Bitcoin
BTC/USD 7.727,26 -0,08% 7.703,51 7.686,76 +7,2%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 13,41 12,78 +4,9% 0,63 -77,4%
Brent/ICE 21,12 19,99 +5,7% 1,13 -67,1%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.700,44 1.715,55 -0,9% -15,11 +12,1%
Silber (Spot) 15,06 15,30 -1,6% -0,24 -15,6%
Platin (Spot) 765,65 765,20 +0,1% +0,45 -20,7%
Kupfer-Future 2,36 2,35 +0,3% +0,01 -16,0%
===


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


DJG/hru/err


(END) Dow Jones Newswires


April 28, 2020 10:18 ET (14:18 GMT)

Copyright (c) 2020 Dow Jones & Company, Inc.