MÄRKTE EUROPA/Weiter aufwärts - Finanztitel an der Spitze

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--Weiter aufwärts ging es am Dienstagnachmittag mit den europäischen Aktienkursen. Der DAX stieg um 1,3 Prozent auf 10.796 Punkte. Zeitweise notierte er mit knapp 10.900 Punkten auf dem höchsten Stand seit dem Beginn des Lockdown in Deutschland. Der Euro-Stoxx-50 zog um 1,6 Prozent auf 2.929 Punkte an. Gestützt wurde die Stimmung vor allem vom Ende der Ausgangsbeschränkungen in Österreich. In Wien gewann der ATX-Prime 2,3 Prozent. Auch an den anderen Börsen setzten die Marktteilnehmer weiter auf eine schrittweise Lockerung des Lockdown und damit auf eine Wiederbelebung der Wirtschaft.


Dass die Indizes im späten Geschäft unter ihre Tageshochs zurückfielen, lag vor allem an der Wall Street. Dort fiel der Dow Jones nach festerem Beginn im Verlauf zweitweise ins Minus.


Besonders gefragt waren die Aktien der Bankenbranche und des Versicherungssektors, ihre Stoxx-Indizes gewannen jeweils etwa 4,5 Prozent. Aber auch Bau-, Auto- und Öl-Aktien konnten sich überdurchschnittlich verbessern. Weniger gefragt waren die Aktien aus dem Gesundheits-, dem Telekom- und dem Nahrungsmittelsektor. Trotzdem lagen zum Schluss fast alle Branchenindizes im Plus, lediglich der Branchenindex der Pharmatitel schloss geringfügig im Minus.


Händler sprachen von einer Rotation in andere Branchen. Denn der Branchenindex der Pharmatitel schloss immer noch 3 Prozent höher als am Jahresanfang, damit haben Anleger hier als einzigem Sektor einen Gewinn gemacht. Unter den Länderbörsen hat der OMX in Kopenhagen nun als erster europäischer Länderindex den Verlust seit Jahresanfang wieder aufgeholt, in ihm ist der Gesundheitssektor hoch gewichtet.


Aus charttechnischer Sicht arbeitet der DAX weiter am Ende der jüngsten Konsolidierung zwischen 10.236 und 10.820 Punkten. Ein nachhaltiger Ausbruch würde nach Ansicht eines Marktanalysten Anschlusspotenzial Richtung 11.300 Punkte eröffnen.


Wirecard gegen den Trend sehr schwach


Gegen den Trend brach die Aktie von Wirecard um mehr als 25 Prozent ein. Der Zahlungsdienstleister sieht sich zwar durch den nun vorliegenden Untersuchungsbericht von KPMG vom Vorwurf der Bilanztrickserei entlastet, da keine belastenden Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden wurden. Im Handel hieß es aber, dass sich die Anleger vor allem an der Aussage des Unternehmens störten, dass für die Jahre 2016 bis 2018 nicht alle von KPMG angeforderten Daten geliefert werden konnten.


Speziell geht es um den Nachweis der Umsatzerlöse im Dritt-Partnergeschäft (TPA). Die diesbezüglichen Unterlagen befänden sich überwiegend im Zugriffsbereich der Dritt-Partner. "Der Bericht liegt nun vor, die Zweifel sind allerdings nicht vom Tisch", so ein Marktteilnehmer.


Lufthansa deutlich unter Tageshoch


Daneben stand weiterhin die Entwicklung um die Lufthansa im Blick. Die Lufthansa-Aktie kam von ihrem Tageshoch deutlich zurück und schloss nur noch 2,1 Prozent im Plus bei 8,09 Euro. Im Tageshoch lagen die Titel bei 8,89 Euro. Im Handel hieß es, dass ein Deal zwischen der Fluglinie und der Regierung noch nicht in trockenen Tüchern sei. Daneben könnte die "Sell"-Empfehlung der Deutschen Bank zunehmend ihre Wirkung entfalten. Laut den Analysten benötigt die Airline nicht nur Staatshilfe. Auch eine Rekapitalisierung sei nötig, die derzeit allerdings noch nicht eingepreist sei.


Berichtssaison tobt


Mit 1,6 Milliarden Dollar ist der Gewinn der UBS im ersten Quartal besser als erwartet ausgefallen. Die Bank hatte im Vorfeld ein Ergebnis von 1,5 Milliarden Dollar angekündigt. Sehr zurückhaltend hat sich die UBS indes zu den weiteren Aussichten geäußert. Wie sich die Situation entwickeln werde, sei nach wie vor völlig offen. "Verlässliche Voraussagen zum Zeitpunkt und Umfang einer möglichen Wirtschaftserholung wären daher verfrüht", so die UBS und wies darauf hin, dass die gesunkenen Vermögenspreise ihren Ertrag aus wiederkehrenden Gebühren beeinträchtigen werden. Für die Aktie ging es um gut 7 Prozent nach oben.


Der Öl-Preisverfall hat bei BP tiefe Spuren in den Zahlen für das 1. Quartal hinterlassen. Der Konzern verbuchte einen Verlust von 4,4 Milliarden US-Dollar, hier schlugen die niedrigeren Bewertungen der Lagerbestände mit 3,7 Milliarden Dollar zu Buche. Als klar negativ beurteilte Michael Hewson, Marktstratege bei CMC Markets, das die Nettoverschuldung auf 51,4 Milliarden Dollar gestiegen ist und damit der Verschuldungsgrad von 31,1 auf 36,2 kletterte. Dies sei ein beunruhigend hohes Niveau zu einer Zeit, in der die Ölpreise wie auch der Gaspreis kaum Anzeichen eines Anstiegs erkennen lassen, so Hewson. Die Aktie notierte nach einer frühen Delle schließlich 2,6 Prozent fester.


Die Kion Group hat im ersten Quartal wegen der Coronavirus-Krise einen Gewinneinbruch erlitten und vor einem schwierigen Umfeld im laufenden Jahr gewarnt. Nach einem guten Start ins Jahr habe sich die Pandemie im März bemerkbar gemacht, für die Aktie ging es um 7 Prozent nach unten. Dazu kommt die Unsicherheit in Bezug auf künftige Investitionen. "Man freut sich doch schon, wenn die Produktion wieder aufgenommen wird - aber an Erweiterungsinvestitonen glaubt keiner so wirklich", sagte ein Händler. Im Sog fielen Jungheinrich um 1,9 Prozent.


Hohe Aufwärtsdynamik bei Prosieben und bei Ceconomy


Prosieben erholten sich um gut 13 Prozent. "Die Übernahme-Fantasie trifft auf einen ausgebombten Kurs", sagte ein Händler. Das sei der Grund der dynamischen Erholung. Mediaset hat den Anteil kürzlich auf 24,9 Prozent aufgestockt.


Ceconomy schossen sogar um knapp 17 Prozent nach oben. Wie es hieß, profitierte die Aktie vom verbesserten Sentiment mit der zunehmenden Zahl an Geschäftsöffnungen. Erste Erfahrungen mit Mediamarkt-Eröffnungen in Italien seien ermutigend.


Stratec und Drägerwerk ersetzen RIB Software in SDAX und TecDAX


Die Aktien der RIB Software werden aus dem SDAX- und dem TecDAX genommen. Hintergrund ist die Übernahme der RIB Software durch die Schneider Electric, wodurch der Streubesitz unter 10 Prozent sinkt. Nachrücker im SDAX ist Stratec, Nachrücker im TecDAX Drägerwerk. Die Änderungen treten mit Handelsbeginn am 30. April 2020 in Kraft. RIB Software veränderten sich mit einem Plus von 0,2 Prozent auf 28,94 Euro nur wenig. Dräger litten mit einem Minus von 3,1 Prozent unter Gewinnmitnahmen, Stratec gaben ebenfalls mit Gewinnmitnahmen 4,5 Prozent ab. Sowohl Dräger als auch Stratec hatten in den vergangenen Wochen gegen den Trend stark zugelegt.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 2.932,06 +49,97 +1,7% -21,7%
Stoxx-50 2.893,03 +45,72 +1,6% -15,0%
Stoxx-600 341,09 +5,65 +1,7% -18,0%
XETRA-DAX 10.795,63 +135,64 +1,3% -18,5%
FTSE-100 London 5.958,50 +111,71 +1,9% -22,5%
CAC-40 Paris 4.569,79 +64,54 +1,4% -23,6%
AEX Amsterdam 519,97 +7,79 +1,5% -14,0%
ATHEX-20 Athen 1.539,34 +33,81 +2,2% -33,0%
BEL-20 Bruessel 3.121,32 +84,89 +2,8% -21,1%
BUX Budapest 33.808,22 +611,37 +1,8% -26,6%
OMXH-25 Helsinki 3.591,53 +85,95 +2,5% -14,9%
ISE NAT. 30 Istanbul 118.181,91 -788,19 -0,7% -14,9%
OMXC-20 Kopenhagen 1.176,08 +7,05 +0,6% +3,6%
PSI 20 Lissabon 4.136,57 +77,19 +1,9% -19,2%
IBEX-35 Madrid 6.836,40 +104,60 +1,6% -28,4%
FTSE-MIB Mailand 17.677,15 +296,94 +1,7% -28,3%
RTS Moskau 1.109,60 +25,92 +2,4% -28,4%
OBX Oslo 693,32 +13,61 +2,0% -17,8%
PX Prag 867,16 +7,83 +0,9% -22,3%
OMXS-30 Stockholm 1.561,11 +21,60 +1,4% -11,9%
WIG-20 Warschau 1.594,25 +2,28 +0,1% -25,9%
ATX Wien 2.164,62 +49,49 +2,3% -32,5%
SMI Zuerich 9.889,46 +130,64 +1,3% -6,9%

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:03 Mo, 17:39 Uhr % YTD
EUR/USD 1,0839 +0,07% 1,0825 1,0835 -3,4%
EUR/JPY 115,81 -0,31% 116,03 116,12 -5,0%
EUR/CHF 1,0559 -0,04% 1,0562 1,0571 -2,7%
EUR/GBP 0,8713 -0,04% 0,8714 0,8723 +3,0%
USD/JPY 106,83 -0,40% 107,19 107,19 -1,8%
GBP/USD 1,2441 +0,11% 1,2423 1,2422 -6,1%
USD/CNH (Offshore) 7,0837 -0,13% 7,0924 7,0931 +1,7%
Bitcoin
BTC/USD 7.724,01 -0,12% 7.703,51 7.686,76 +7,1%


ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 11,99 12,78 -6,2% -0,79 -79,8%
Brent/ICE 20,22 19,99 +1,2% 0,23 -68,5%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.704,71 1.715,55 -0,6% -10,85 +12,4%
Silber (Spot) 15,05 15,30 -1,6% -0,25 -15,7%
Platin (Spot) 771,65 765,20 +0,8% +6,45 -20,0%
Kupfer-Future 2,35 2,35 -0,0% -0,00 -16,3%
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April 28, 2020 12:08 ET (16:08 GMT)

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