MÄRKTE EUROPA/DAX leidet unter Wirecard-Absturz

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Aktienmärkten ging es am Donnerstag mit den Kursen etwas nach unten. Der Euro-Stoxx-50 gab um 0,5 Prozent auf 3.250 Punkte nach. Der DAX fiel um 0,8 Prozent auf 12.282 Punkte, belastet vor allem von dem beispiellosen Absturz der Wirecard-Aktie. Nachdem der Zahlungsdienstleister die Bilanzvorlage erneut verschoben hat, stürzte der Kurs um 61,8 Prozent ab auf 39,90 Euro. Damit belastete der Kurseinbruch den DAX um mehr als 80 Punkte.


Der Umsatz in Wirecard-Aktien war extrem hoch. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) haben dem DAX-Konzern das Testat für den bereits mehrfach verschobenen Jahresabschluss 2019 vorerst verweigert. Den Prüfern lägen keine ausreichenden Prüfungsnachweise für milliardenschwere Bankguthaben vor, teilte der Konzern mit. Es gebe Hinweise auf eine Täuschungsabsicht. Jetzt droht Wirecard die Kündigung von Krediten in Milliardenhöhe. Die NordLB hat die Wirecard-Aktie nun mit einem Kursziel von lediglich noch 20 Euro auf "Verkaufen" gestellt.


"Der Kurssturz ist beispiellos", sagte ein Händler. Er könne sich nicht erinnern, dass ein DAX-Wert jemals 65 Prozent oder mehr verloren habe. Von anderer Seite hieß es, die Lage sei undurchsichtig.


Banken und DWS von Wirecard belastet


In den Sog von Wirecard gerieten auch Commerzbank. Die Commerzbank habe enge Geschäftsbeziehungen zu Wirecard, hieß es am Markt. Der Kurs fiel um 7,3 Prozent. Deutsche Bank gaben 2,1 Prozent ab. Das Haus hat laut Marktteilnehmern einen Kredit an Wirecard vergeben. Und DWS-Papiere gaben um 2 Prozent nach. Die Vermögensverwaltungstocher der Deutschen Bank soll nach Angaben aus dem Handel annäherend 4 Prozent der Wirecard-Aktien halten.


Dagegen sind die Aktien des Wirecard-Konkurrenten Adyen in Amsterdam zeitweise auf neue Höchststände gestiegen. Zum Schluss gaben sie allerdings 0,7 Prozent ab.


EZB teilt 1,3 Billionen Euro zu


Am Gesamtmarkt konnte auch ein extrem starker Konjunkturindikator der Philadelphia-Notenbankzentrale die Stimmung nicht wirklich stützen. "Der Philly-Fed ist der Hammer", so Heino Ruland von Ruland Research. Mit plus 27,5 stehe er nun schon höher als im Juli 2019. Erwartet worden waren minus 20. "Der Philly-Fed ist neben dem Chicago-PMI der wichtigste regionale Konjunkturindex in den USA", so Ruland. Er habe nun nur drei Monate im Minus gelegen, das mache Hoffnung auf eine schnelle und kräftige Konjunkturerholung in den USA. Negativ zu bewerten seien allerdings die anhaltend hohen fortlaufenden Anträge auf Arbeitslosenhife, die zeigten, dass relativ wenige Arbeitslose in ein Arbeitsverhältnis zurückkehrten.


Auch die anhaltende Liquiditätsschwemme konnte die Stimmung nicht verbessern. Die EZB hat den Banken am Vormittag über den vierten Langfristtender TLTRO3 1,3 Billionen Euro zugeteilt. Die Netto-Liquidität erhöht sich dadurch um etwa 550 Millionen Euro. Gutgeschrieben werden die 1,3 Billionen Euro allerdings erst am 24. Juni. Außerdem bewegte sich das Volumen im Rahmen der Erwartungen.


Zalando nach Zahlen sehr fest


Für die Zalando-Aktie ging es um 7,1 Prozent nach oben. Der Modekonzern rechnet im laufenden zweiten Quartal mit einer signifikanten Umsatz- und Ergebnissteigerung, die deutlich über den aktuellen Markterwartungen liegen soll.


Im DAX stiegen Infineon um 0,9 Prozent auf 20,32 Euro, das Brokerhaus Liberum hat die Aktie mit einem 25er Kursziel zum Kauf empfohlen. BASF gewannen 1,9 Prozent auf 54,01 Euro, der Chemiekonzern schüttet am Freitag die Dividende von 3,30 Euro je Aktie aus. Covestro zogen um 1,6 Prozent an. Auf der Verliererseite waren neben Wirecard und Deutsche Bank noch Lufthansa mit einem Minus von 4 Prozent auffällig, die Aktie steigt am Freitagabend aus dem DAX ab. Das Minus von 3,0 Prozent bei Henkel wurde dagegen überwiegend vom Dividendenabschlag verursacht.


Für Siemens Gamesa ging es um 7,6 Prozent nach unten. Der Windkraftanlagenhersteller rechnet im dritten Quartal wegen der finanziellen Folgen der Covid-19-Krise mit einem EBIT-Verlust. Zugleich teilte das Unternehmen mit, dass Andreas Nauen mit sofortiger Wirkung die Nachfolge von CEO Markus Tacke antreten wird.


Prudential kommt mit der Umstrukturierung der US-Tochter Jackson voran. Der US-Pensionsfonds Athene kauft eine Minderheitsbeteiligung an der Prudential-Tochter und bringt dafür 500 Millionen Dollar Kapital ein. Außerdem versichert Athene Vermögenswerte von Jackson. Prudential stiegen um 2,7 Prozent.


===
Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.249,90 -17,36 -0,5% -13,2%
Stoxx-50 3.020,16 -22,34 -0,7% -11,3%
Stoxx-600 363,41 -2,61 -0,7% -12,6%
XETRA-DAX 12.281,53 -100,61 -0,8% -7,3%
FTSE-100 London 6.224,07 -29,18 -0,5% -17,1%
CAC-40 Paris 4.958,75 -37,22 -0,7% -17,1%
AEX Amsterdam 562,61 -3,86 -0,7% -6,9%
ATHEX-20 Athen 1.603,66 -25,33 -1,6% -30,2%
BEL-20 Brüssel 3.413,96 -26,94 -0,8% -13,7%
BUX Budapest 37.487,46 -280,26 -0,7% -18,7%
OMXH-25 Helsinki 3.976,16 -7,01 -0,2% -5,8%
ISE NAT. 30 Istanbul 129.842,85 +2221,50 +1,7% -6,5%
OMXC-20 Kopenhagen 1.247,09 -11,44 -0,9% +9,8%
PSI 20 Lissabon 4.450,46 -22,22 -0,5% -15,1%
IBEX-35 Madrid 7.390,20 -88,50 -1,2% -22,6%
FTSE-MIB Mailand 19.485,76 -100,13 -0,5% -16,7%
RTS Moskau 1.233,21 -4,72 -0,4% -20,4%
OBX Oslo 730,42 -6,59 -0,9% -13,4%
PX Prag 928,28 -5,13 -0,5% -16,8%
OMXS-30 Stockholm 1.667,93 -9,61 -0,6% -5,9%
WIG-20 Warschau 1.795,86 +8,05 +0,5% -16,5%
ATX Wien 2.326,41 -14,34 -0,6% -25,8%
SMI Zürich 10.186,50 -15,69 -0,2% -4,1%

DEVISEN zuletzt +/- % Do., 9.22 Uhr Mi, 17:13 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1212 -0,27% 1,1246 1,1230 -0,0%
EUR/JPY 119,73 -0,48% 120,28 120,4122 -1,8%
EUR/CHF 1,0662 -0,03% 1,0681 1,07 -1,8%
EUR/GBP 0,9024 +0,76% 0,8978 0,8953 +6,6%
USD/JPY 106,79 -0,21% 106,93 107,2150 -1,8%
GBP/USD 1,2426 -1,02% 1,2527 1,25 -6,2%
USD/CNH (Offshore) 7,0825 +0,08% 7,0698 7,0782 +1,7%
Bitcoin
BTC/USD 9.368,76 -0,42% 9.431,26 9411,0050 +29,9%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 38,80 37,96 +2,2% 0,84 -34,1%
Brent/ICE 41,42 40,71 +1,7% 0,71 -34,2%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.722,95 1.727,05 -0,2% -4,10 +13,6%
Silber (Spot) 17,37 17,65 -1,6% -0,29 -2,7%
Platin (Spot) 807,20 820,00 -1,6% -12,80 -16,4%
Kupfer-Future 2,59 2,59 +0,1% +0,00 -7,9%
===


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


DJG/hru/ros


(END) Dow Jones Newswires


June 18, 2020 12:07 ET (16:07 GMT)

Copyright (c) 2020 Dow Jones & Company, Inc.