MÄRKTE USA/Wall Street kaum verändert - Remdesivir-Studie stützt Gilead

(DJLL) Von DJ


NEW YORK (Dow Jones)--Kaum verändert starten die US-Börsen in den letzten Handelstag der Woche. Kurz nach der Startglocke bewegt sich der Dow-Jones-Index mit 25.712 Punkten in der Nähe des Schlusskurses vom Vortag. Der S&P-500 zeigt sich ebenfalls wenig verändert. Der Nasdaq-Composite sinkt um 0,2 Prozent.


Die Corona-Krise bleibt das alles beherrschende Thema an den internationalen Finanzmärkten und somit auch in den USA. Dort hat die Zahl der Neuinfektionen am Donnerstag erneut ein Rekordniveau erreicht. Allerdings gibt es Hoffnung, dass sich die durch das Virus hervorgerufene Erkrankung Covid-19 bald besser behandeln lässt. Das Medikament "Remdesivir" von Gilead Science hat sich nach Unternehmensangaben in klinischen Studien bewährt. Das Sterberisiko der betroffenen Patienten sei durch die Gabe von Remdesivir um 62 Prozent gesunken, teilte Gilead mit. Die Gilead-Aktie steigt um 2,6 Prozent.


Die Rückkehr vieler Länder zu strengeren Einschränkungen des öffentlichen Lebens dämpft indessen nach Angaben von Beobachtern die Kauflaune. Die Schulschließungen in Hongkong und die restriktiveren Maßnahmen in Australien befeuerten zum Wochenausklang die negative Stimmung, sagt Michael Hewson, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.


In den USA müssen Kunden in den Filialen der Kaffeehauskette Starbucks ab Mittwoch kommender Woche Masken tragen. Damit reagiert das Unternehmen auf die steigenden Fallzahlen in Teilen der USA. Die Aktie tendiert 0,4 Prozent niedriger.


Motorradhersteller Harley Davidson kündigte derweil den Abbau von 700 Arbeitsplätzen bzw. 13 Prozent der Belegschaft an. Dem Unternehmen macht die Corona-Krise zu schaffen. Der Aktienkurs gibt um 0,4 Prozent nach.


Beim Einzelhändler Express läuft dagegen das Geschäft mit der Wiedereröffnung von Filialen allmählich wieder an. Mit der Aktie geht es um 1,3 Prozent nach oben.


Im Dow stemmen sich Raytheon mit einem Plus von 1,3 Prozent gegen die Tendenz. Die Analysten von Vertical Research Partners haben die Aktie des Rüstungs- und Luftfahrtunternehmens auf "Buy" von "Hold" hochgestuft.


Aktien von PC-Herstellern könnten von neuen Absatzdaten profitieren. Der Zwang zur Heimarbeit als Folge der Corona-Pandemie hat die Verkaufszahlen im zweiten Kalenderquartal nach oben getrieben, wie die Branchen-Analysten sowohl von International Data Corp als auch von Gartner feststellten.


Die Agenda der Konjunkturdaten ist übersichtlich. Veröffentlicht wurden am Freitag nur die Erzeugerpreise aus dem Juni, die entgegen den Erwartungen zurückgingen. Die Preise sanken im vergangenen Monat um 0,2 Prozent insgesamt bzw um 0,3 Prozent in der Kernrate. Volkswirte hatten insgesamt einen Anstieg um 0,4 Prozent und um 0,1 Prozent in der Kernrate erwartet.


Anleger flüchten in "sichere Häfen"


Die Ungewissheit um den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen lässt die Anleger zu vermeintlich sicheren Anlagen greifen. Am Anleihemarkt drücken steigende Notierungen die Rendite zehnjähriger US-Titel um 1,1 Basispunkte auf 0,60 Prozent. Auch Gold ist gefragt. Der Preis für die Feinunze steigt um 0,2 Prozent auf 1.808 Dollar.


Konjunktursorgen und Angst vor einem Überangebot bremsen derweil die Ölpreise, die sich allerdings von ihren Tagestiefs erholt haben. Demnächst wird wieder verstärkt libysches Öl auf den Markt kommen, weil das größte Ölterminal des Landes nach einer sechsmonatigen Unterbrechung den Betrieb wieder aufnimmt. Der Preis für das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI steigt um 0,1 Prozent auf 39,64 Dollar. Brentöl gibt um 0,1 Prozent auf 42,30 Dollar nach.


Am Devisenmarkt tendiert der Euro zur US-Währung wenig verändert bei knapp über 1,13 Dollar. Mittelfristig könnte die Gemeinschaftswährung zum Hort der Stabilität werden, meint die Commerzbank. Die Experten halten es für wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten unter der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands ein Kompromiss zum EU-Wiederaufbauplan gefunden wird. Dann wäre die "innere Zerrissenheit" in der EU für den Markt kein Thema mehr und damit auch kein Belastungsfaktor für den Euro. Die vielen Unterstützungsmaßnahmen der Regierungen in Europa für ihre Volkswirtschaften sollten zudem nach und nach greifen und das Vertrauen der Investoren in den Euro festigen.


Demgegenüber dürften es in den kommenden Wochen und Monaten die Vereinigten Staaten sein, die im Präsidentschaftswahlkampf innerlich immer zerrissener erschienen. Dazu geselle sich ein (augenscheinlich unkontrollierbarer) Verlauf der Coronapandemie in den USA mit ihren gravierenden wirtschaftlichen Folgen. Und schlussendlich sei der Zinsvorteil des Dollar gegenüber dem Euro nur noch marginal und damit kein großes Argument mehr zugunsten des Greenback.


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INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
DJIA 25.711,73 0,02 5,64 -9,90
S&P-500 3.152,93 0,03 0,88 -2,41
Nasdaq-Comp. 10.530,69 -0,16 -17,06 17,36
Nasdaq-100 10.737,15 -0,16 -17,44 22,95

US-Anleihen
Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD
2 Jahre 0,14 -2,0 0,16 -106,1
5 Jahre 0,27 -1,3 0,28 -165,5
7 Jahre 0,45 -0,5 0,46 -179,3
10 Jahre 0,60 -1,1 0,61 -184,8
30 Jahre 1,28 -3,9 1,32 -178,9

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8:12h Do, 17:25 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1312 +0,24% 1,1269 1,1297 +0,9%
EUR/JPY 120,71 -0,25% 120,47 121,16 -1,0%
EUR/CHF 1,0637 +0,21% 1,0617 1,0618 -2,0%
EUR/GBP 0,8945 -0,08% 0,8956 0,8961 +5,7%
USD/JPY 106,72 -0,48% 106,90 107,26 -1,9%
GBP/USD 1,2646 +0,31% 1,2582 1,2609 -4,6%
USD/CNH (Offshore) 7,0012 +0,05% 7,0104 6,9920 +0,5%
Bitcoin
BTC/USD 9.176,26 -0,79% 9.146,26 9.183,01 +27,3%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 39,64 39,62 +0,1% 0,02 -32,0%
Brent/ICE 42,30 42,35 -0,1% -0,05 -32,3%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.807,57 1.803,50 +0,2% +4,07 +19,1%
Silber (Spot) 18,74 18,60 +0,7% +0,14 +5,0%
Platin (Spot) 840,38 841,50 -0,1% -1,13 -12,9%
Kupfer-Future 2,86 2,83 +1,0% +0,03 +1,5%
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July 10, 2020 09:46 ET (13:46 GMT)

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