MÄRKTE EUROPA/Fester - DAX nimmt Jahreshoch in den Blick

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--Das größte Finanz- und Haushaltspaket in der Geschichte der EU hat am Dienstag die europäischen Aktienkurse weiter nach oben getrieben. Der DAX gewann 1 Prozent auf 13.172 und der Euro-Stoxx-50 0,5 Prozent auf 3.405 Punkte. Damit konnten sie zwar die Tageshochs nicht ganz halten, lagen aber weiterhin auf Kurs Richtung Jahreshöchststände. Auch wenn der Anteil der reinen Zuschüsse aus dem Corona-Hilfspaket nun kleiner als zunächst angedacht ausfällt, stieß das Rettungspaket am Aktienmarkt auf positive Resonanz. Berenberg sprach von einem "Big Deal".


Daneben ließen die jüngsten Aussagen der Pharmakonzerne zu Impfstoffkandidaten auf eine weitere Entspannung in der Pandemie-Krise hoffen. "Die Börsenampel bleibt nun ganz klar auf grün", sagte Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi Trader. "Nachdem der DAX die 13.000-Punkte-Marke geknackt hat, haben die Optimisten auf dem Parkett bereits das Allzeithoch bei knapp 13.790 Punkten im Visier", ergänzte er.


Am Devisenmarkt streifte der Euro sein Jahreshoch, das er am 9. März mit 1,1495 Dollar markiert hatte. Mizuho rechnet angesichts der Brüsseler Einigung mit einer Fortsetzung der jüngsten Aufwärtsbewegung: "Der Euro ist am Steigen. Er ist nicht mehr das hässliche Entlein, er steht nicht mehr vor dem endgültigen Scheitern und wird eine glaubhafte Währung werden, geprägt von Stabilität und Vertrauen", so die Einschätzung.


Während der feste Euro die Aktienkurse im Verlauf etwas bremste, stützte der schwächere Dollar den Goldpreis: Die Feinunze steigt immer näher an den Rekordstand bei 1.921 Dollar. Mit zeitweise knapp 1.842 Dollar wurde sie am Nachmittag auf dem höchsten Stand seit neun Jahren gehandelt.


Continental-Zahlen treiben Kurs - Wirecard-Nachfolger gefragt


Auf der Gewinnerseite weit oben standen mit einem Kursplus von 3,5 Prozent Continental. Umsatz wie auch Ertrag übertrafen im zweiten Quartal durch die Bank die Markterwartung. "Das organische Wachstum des Automobilgeschäfts inklusive Powertrain gibt Zuversicht für zukünftiges Wachstum nach Covid-19", so die Analysten von Jefferies.


Ebenfalls stark im Markt lagen BMW, die 2,9 Prozent gewannen. Das größte Plus im DAX wiesen Wirecard auf. Nach dem neuerlichen Kurseinbruch am Vortag erholte sich das Papier des skandalumwitterten Bezahldienstleisters, dessen Tage im DAX spätestens im September gezählt sein werden, um 16,4 Prozent auf 1,80 Euro. Nachfolger im DAX wird voraussichtlich Delivery Hero, diese stiegen um 0,9 Prozent. Im TecDAX dürften LPKF Laser für Wirecard nachrücken, sie gewannen 3,2 Prozent.


Deutsche Bank kann mit UBS nicht mithalten - Wacker Chemie plus 10 Prozent


Deutsche Bank fielen dagegen um 4,3 Prozent. "Gemessen an der UBS hat sich das vergangene Quartal schwach entwickelt", sagte Heino Ruland von Ruland Research. Während die Schweizer einen Milliarden-Gewinn erzielt hätten, habe die Deutsche Bank nach eigenen Angaben lediglich leicht besser abgeschnitten als die Analysten-Erwartung von 133 Millionen Euro Minus.


Ganz anders bei UBS. "Die Zahlen sind extrem gut", kommentierte ein Händler den von der Bank erwirtschafteten Gewinn im zweiten Quartal. Er sei trotz höherer Wertberichtigungen gut 20 Prozent oberhalb der Markterwartung ausgefallen. UBS legten um 2,6 Prozent zu.


Für Wacker Chemie ging es um 10 Prozent nach oben. Laut Agenturberichten soll der Wettbewerber GCL-Poly nach mehreren Explosionen ein Werk in Xinjiang geschlossen haben. Wie die Citigroup anmerkte, gibt es derzeit keine Schätzungen, wie lange die Produktionsstätte ausfallen wird. Dies habe eine Rally im Sektor ausgelöst, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Polysiliziumpreise begonnen hätten, sich leicht zu erholen.


Stabilus verloren dagegen 0,3 Prozent. Bei dem Autozulieferer ist im dritten Quartal coronabedingt der Konzernumsatz um rund 39 Prozent auf 147,0 Millionen Euro eingebrochen. Für Sartorius ging es um 5,2 Prozent nach unten. Der Laborausrüster hat im ersten Halbjahr unter dem Strich über ein Fünftel mehr verdient, hatte aber jüngst schon erste Vorab-Zahlen vorgelegt.


Während sich das operative Ergebnis bei Givaudan im ersten Halbjahr laut Bernstein 3,7 Prozent besser als erwartet entwickelt hat, monierten die Analysten die Entwicklung des freien Cashflows. Dieser habe sich zwar verbessert, sei aber signifikant unter den Schätzungen ausgefallen. Givaudan gaben um 0,9 Prozent nach. Im Sog fielen Symrise um 2,1 Prozent.


Nach starken Erstquartalszahlen ging es für Remy Cointreau um 2,2 Prozent nach oben. Die Umsätze im ersten Quartal seien 16,6 Prozent über den Konsensschätzungen ausgefallen, so Citi Research. Positiv äußerte sich Bernstein zu den Quartalszahlen von Kuehne + Nagel. Sie unterstrichen die Widerstandsfähigkeit des Geschäfts gegenüber der Covid-19-Krise. Das operative Ergebnis sei um 50 Prozent über den Erwartungen ausgefallen. Kuehne + Nagel fielen trotzdem um 2,3 Prozent.


"Alles in allem sind die Zahlen nicht überzeugend", meinte ein Marktteilnehmer zum Quartalsausweis von Novartis. Der Umsatz liege rund 4 Prozent unterhalb der Markterwartung. Positiv sei aber, dass das EBIT überzeuge. Novartis verloren 1,9 Prozent.


Personalvermittler gesucht - Personaleinkauf drückt Borussia Dortmund


Kursgewinne verzeichneten die Personalvermittler, nachdem das Geschäft bei Randstad im von der Corona-Krise gezeichneten zweiten Quartal nicht so stark wie befürchtet zurückgegangen ist. Für die Aktie ging es um knapp 9 Prozent nach oben, die des Wettbewerbers Adecco stieg um 4 Prozent, in Deutschland ging es für Amadeus Fire um 1,6 Prozent aufwärts.


Borussia Dortmund gaben gegen die feste Tendenz des Gesamtmarkts um 1,6 Prozent auf 5,70 Euro nach. Der Bundesliga-Club hat das Tauziehen um das englische Talent Jude Bellingham gewonnen. Zwar wurden keine Angaben zur Ablösesumme gemacht, sie soll aber dem Vernehmen nach bei etwa 25 Millionen Euro liegen. Sky Sport sprach von einer "horrenden Ablösesumme" und reihte den Neuzugang als achtteuersten der Vereinsgeschichte ein. Zudem bleibt es wegen der Gefahr möglicher neuer Pandemie-Hotspots unsicher, ab wann wieder Zuschauer in die Stadien gelassen werden können.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.405,35 +17,01 +0,5% -9,1%
Stoxx-50 3.099,83 +6,54 +0,2% -8,9%
Stoxx-600 376,70 +1,19 +0,3% -9,4%
XETRA-DAX 13.171,83 +124,91 +1,0% -0,6%
FTSE-100 London 6.269,73 +8,21 +0,1% -17,0%
CAC-40 Paris 5.104,28 +11,11 +0,2% -14,6%
AEX Amsterdam 581,29 +2,15 +0,4% -3,9%
ATHEX-20 Athen 1.546,65 -34,82 -2,2% -32,7%
BEL-20 Bruessel 3.553,27 +26,37 +0,7% -10,2%
BUX Budapest 35.488,15 +306,46 +0,9% -23,0%
OMXH-25 Helsinki 4.122,71 +11,52 +0,3% -2,4%
ISE NAT. 30 Istanbul 133.454,90 -1075,08 -0,8% -3,9%
OMXC-20 Kopenhagen 1.341,52 +4,94 +0,4% +18,1%
PSI 20 Lissabon 4.533,49 +12,32 +0,3% -12,8%
IBEX-35 Madrid 7.494,50 +16,50 +0,2% -21,5%
FTSE-MIB Mailand 20.723,42 +101,94 +0,5% -12,3%
RTS Moskau 1.259,72 +23,87 +1,9% -18,7%
OBX Oslo 760,24 +1,64 +0,2% -9,9%
PX Prag 950,80 -2,05 -0,2% -14,8%
OMXS-30 Stockholm 1.775,39 -9,15 -0,5% +0,2%
WIG-20 Warschau 1.845,34 +4,74 +0,3% -14,2%
ATX Wien 2.338,46 +26,86 +1,2% -26,7%
SMI Zuerich 10.444,05 -26,87 -0,3% -1,6%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,46 0,00 -0,70
US-Zehnjahresrendite 0,59 -0,02 -2,09

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:36 Mo, 17:20 % YTD
EUR/USD 1,1496 +0,46% 1,1440 1,1443 +2,5%
EUR/JPY 122,79 +0,05% 122,82 122,70 +0,7%
EUR/CHF 1,0737 -0,13% 1,0739 1,0746 -1,1%
EUR/GBP 0,9025 -0,18% 0,9018 0,9053 +6,6%
USD/JPY 106,82 -0,40% 107,35 107,22 -1,8%
GBP/USD 1,2738 +0,66% 1,2686 1,2640 -3,9%
USD/CNH (Offshore) 6,9766 -0,17% 6,9891 6,9902 +0,2%
Bitcoin
BTC/USD 9.319,76 +1,64% 9.178,76 9.167,26 +29,3%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 41,99 40,81 +2,9% 1,18 -28,0%
Brent/ICE 44,50 43,28 +2,8% 1,22 -28,8%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.840,07 1.816,83 +1,3% +23,24 +21,3%
Silber (Spot) 20,98 19,88 +5,6% +1,11 +17,6%
Platin (Spot) 879,50 850,50 +3,4% +29,00 -8,9%
Kupfer-Future 2,94 2,91 +1,2% +0,04 +4,4%
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July 21, 2020 12:13 ET (16:13 GMT)

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