MÄRKTE EUROPA/Wenig verändert trotz besseren ifo - Gold mit Rekordstand

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Trotz guter Wirtschaftsdaten haben Europas Börsen am Montag auf der Stelle getreten. Es überwog die Sorge, dass angesichts einer möglichen zweiten Infektionswelle und damit neuen Lockdowns die Daten nur eine Momentaufnahme darstellten und sich bald wieder eintrüben werden. Der DAX schloss praktisch unverändert bei 12.839 Punkten, der Euro-Stoxx-50 verlor 0,2 Prozent auf 3.303 Zähler.


Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen. Mit 90,5 Punkte fiel er zudem stärker als die Prognose von 89 aus. Auch die US-Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter blieben im Juni über den Prognosen genauso wie die Industriegewinne in China. Im US-China-Konflikt gab es derweil übers Wochenende nichts Neues - er schwelt aber weiter und kann sich jederzeit mit negativen Nachrichten zurückmelden.


Gangart der deutschen Wirtschaft dürfte sich verlangsamen


Der ifo-Index spricht nach Einschätzung der Commerzbank für eine weitere Erholung der Wirtschaft in den kommenden Monaten. Zugleich warnen die Analysten, dass die Gangart eine langsamere sein werde. "Die coronabedingt höhere Verschuldung der Unternehmen dämpft deren Investitionen und die weiter angespannte Lage am Arbeitsmarkt drückt die Konsumlaune", hieß es. Außerdem scheine sich in Europa eine zweite Infektionswelle anzubahnen.


Im Fokus steht auch Gold mit einem neuen Allzeithoch. Der globale Billionen-Wettlauf beim Drucken von Papiergeld wird vermutlich kein gutes Ende nehmen. Stützend wirkt auch die anhaltende Dollar-Schwäche. Entsprechend verstärkt sich die Fluchtbewegung: Das neue Allzeithoch liegt bei 1.945 Dollar je Feinunze, das sind 24 Dollar mehr als im bisherigen Hoch im September 2001. Zu Börsenschluss wurde die Feinunze mit 1.940 Dollar gehandelt.


Die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle drückte den Touristiksektor um 3,3 Prozent. Wegen der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in Spanien müssen Urlauber nach der Rückkehr in Großbritannien künftig erst einmal zwei Wochen in Quarantäne. Bei den Fluggesellschaften fielen Easyjet 8 Prozent, Lufthansa 5,1 Prozent. Ryanair hielten sich nach Zahlen mit minus 3,9 Prozent etwas besser. Airbus gaben 3,2 Prozent nach und MTU Aero 2,8 Prozent. Fraport büßten 4,1 Prozent ein.


TUI schließt den Antrag auf neue Hilfen nicht aus


Die Titel des Reiseveranstalters Tui brachen sogar um 11,7 Prozent ein. Tui schließt nicht aus, einen weiteren Corona-Hilfsantrag zu stellen. Die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle drückte auch auf den Retailsektor: Metro gaben 4,8 Prozent nach und Carrefour 3,2 Prozent. Online-Retailer profitierten von der Entwicklung: Zalando gewannen 1 Prozent oder Zooplus 1,6 Prozent.


Daneben stand der Software-Sektor im Fokus. Hier hat SAP knapp drei Wochen nach vorläufigen und überraschend starken Zweitquartalszahlen ihren Optimismus für die weitere Entwicklung unterstrichen. Nach einer deutlichen Verbesserung des Cashflows im zweiten Quartal wurde die vor drei Monaten gesenkte Erwartung für den Free Cashflow im Gesamtjahr wieder angehoben. Der DAX-Wert stieg darauf um 2,7 Prozent an.


Außerdem soll die Tochtergesellschaft Qualtrics in den USA an die Börse kommen. Angesichts der gigantisch hohen Aktienbewertung von Technologie-Unternehmen an der Wall Street sei dies ein kluger Schachzug, hieß es im Handel. Mit einem Plus von 2,1 Prozent lagen auch Infineon gut im Markt.


Easy Software verdoppeln sich mit Übernahmegebot


Auch bei Small Caps im Softwaresektor herrschte Bewegung. Der Aktienkurs von Easy Software verdoppelte sich fast auf 11,40 Euro dank eines Übernahmegebots durch Deltus 36. "Die Prämie ist extrem hoch", so ein Händler zu dem Gebot von 11,75 Euro je Aktie. Die Aktie habe seit 19 Jahren nicht mehr auf diesem Niveau gehandelt. Die Aktien von Easy-Großaktionär Deutsche Balaton zogen um 9 Prozent an.


Für die Aktie von KPN ging es um 3,1 Prozent nach unten. Während die Zahlen für das zweite Quartal mehrheitlich im Rahmen der Erwartungen lagen, missfiel der Ausblick. So verwiesen die Jefferies-Analysten darauf, dass das Management in Bezug auf den Free Cashflow "ein gewisses Abwärtsrisiko" wegen eines "potenziell verschlechterten Trends im Zahlungsverhalten der Kunden aufgrund von COVID-19" in Aussicht stellt.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.302,84 -8,05 -0,2% -11,8%
Stoxx-50 3.001,36 -8,55 -0,3% -11,8%
Stoxx-600 366,15 -1,14 -0,3% -12,0%
XETRA-DAX 12.838,66 +0,60 +0,0% -3,1%
FTSE-100 London 6.104,88 -18,94 -0,3% -18,8%
CAC-40 Paris 4.939,62 -16,81 -0,3% -17,4%
AEX Amsterdam 564,37 +0,42 +0,1% -6,7%
ATHEX-20 Athen 1.510,40 -20,66 -1,3% -34,3%
BEL-20 Bruessel 3.407,46 -27,97 -0,8% -13,9%
BUX Budapest 34.979,41 -128,56 -0,4% -24,1%
OMXH-25 Helsinki 4.142,34 -32,36 -0,8% -1,9%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.350,00 -133498,95 -99,0% -2,8%
OMXC-20 Kopenhagen 1.310,84 +6,57 +0,5% +15,4%
PSI 20 Lissabon 4.492,30 -39,89 -0,9% -14,6%
IBEX-35 Madrid 7.170,60 -124,10 -1,7% -24,9%
FTSE-MIB Mailand 20.019,96 -55,31 -0,3% -14,6%
RTS Moskau 1.266,16 +10,18 +0,8% -18,3%
OBX Oslo 742,57 -3,62 -0,5% -12,0%
PX Prag 914,02 -1,85 -0,2% -18,1%
OMXS-30 Stockholm 1.760,31 +10,07 +0,6% -0,7%
WIG-20 Warschau 1.830,87 +20,54 +1,1% -14,9%
ATX Wien 2.247,47 -9,89 -0,4% -28,3%
SMI Zuerich 10.272,34 +58,13 +0,6% -3,3%
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July 27, 2020 12:18 ET (16:18 GMT)

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