MÄRKTE EUROPA/Desaströse Konjunkturdaten lassen Aktienmärkte einbrechen

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Aktienmärkten ging es am Donnerstag deutlich nach unten. Sowohl in Deutschland wie auch in den USA erlitt die Wirtschaft im zweiten Quartal einen historischen Einbruch. Aber auch die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle lastet mit den teils besorgniserregend hohen Infektionszahlen auf der Stimmung der Investoren. Der DAX verlor 3,5 Prozent auf 12.380 Punkte, der Euro-Stoxx-50 notierte 2,8 Prozent tiefer bei 3.208 Punkten. Die Anleger mieden vor allem die zyklischen Sektoren, während sich die defensiven etwas besser hielten.


Bundesanleihen waren in diesem Umfeld gesucht, so rentierten die Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei minus 0,55 Prozent, dies ist der tiefste Stand seit Anfang Mai. Eine Nachrichtenflut kam von der Berichtssaison, darunter handfeste Überraschungen. Nach Handelsschluss an der Wall Street legen die US-Techgiganten Amazon, Alphabet, Facebook und Apple ihre Zahlen vor.


Historischer BIP-Einbruch


Der Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland wie auch in den USA im zweiten Quartal in Folge der Corona-Pandemie und des Lockdowns wird als historisch eingestuft. Die Commerzbank spricht von einer "erwarteten Katastrophe" beim deutschen BIP-Rückgang um 10 Prozent im zweiten Quartal. Die Frage ist nun, wie schnell sich die Wirtschaft von dem Schock erholen kann.


"Bereits im laufenden dritten Quartal werden wir einen kräftigen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts sehen - voraussichtlich erneut einen historischen Superlativ", erwartet Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Aber es gibt auch vorsichtige Stimmen, so überwiegt beim Bankhaus Lampe trotz der Zuversicht für eine anhaltende Konjunkturerholung weiter die Skepsis. "Denn angesichts der vorerst unbewältigt bleibenden Corona-Pandemie steht die Rückkehr zu gewohnter wirtschaftlicher Normalität unseres Erachtens nicht bevor", erklärt Chefvolkswirt Alexander Krüger.


Das US-amerikanische BIP fiel im zweiten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 32,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal, was nach europäischer Lesart einem Rückgang von 9,5 Prozent entspricht. Ohne weitere Hilfsmaßnahmen wird die größte Volkswirtschaft der Welt nicht auskommen, so Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung laufe bereits am Freitag aus. Bislang konnten sich Republikaner und Demokraten über kein neues Hilfspaket einigen. Die am Nachmittag veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe belegten zudem, dass der Virus die USA auch weiter im Griff hat.


Deutsche Börse "langweilig" - VW kürzt Dividende


Aufgrund des Abverkaufs, angefacht auch aus Furcht vor einer zweiten Corona-Infektionswelle, kamen die Quartalszahlen teils wenig zum Tragen. Mit Gewinnmitnahmen ging es für die Aktie der Deutschen Börse um 5,0 Prozent nach unten, obwohl die Zahlen als "in line" mit der Markterwartung eingestuft wurden. Auch der Ausblick für das Jahr 2020 wurde bestätigt, womit sich die Neuigkeiten in Grenzen hielten.


Für Fresenius ging es nach Zahlenausweis 5,6 Prozent nach unten, FMC verloren 5,8 Prozent. Die Senkung der Prognose bei Fresenius und deren Bestätigung bei FMC seien nur die erwarteten Anpassungen an das Corona-Umfeld, hieß es im Handel. Als "eigentlich okay" im erwartet negativen Rahmen wurden die Geschäftszahlen von VW gesehen. Die Dividendensenkung indes belastete, VW fielen um 6,1 Prozent.


Wenig Überraschung lieferten die schwachen Geschäftszahlen von Kion, die Aktie verlor 4,6 Prozent. Krones (minus 10,9 Prozent) litt ebenfalls unter der Corona-Krise und schrieb im zweiten Quartal einen Verlust. Der Auftragseingang verringerte sich beim Hersteller von Abfüllanlagen im zweiten Quartal um eindrucksvolle 38,2 Prozent.


Anheuser-Busch gegen den Markt im Plus


Für die Aktien von Anheuser-Busch Inbev ging es nach deutlich weniger schlimm als befürchtet ausgefallenen Geschäftszahlen um 1,4 Prozent nach oben. "Q2 überrascht überall", so die Analysten der Citi zu den Zweitquartalszahlen.


Die Zahlen von FDJ überzeugten auf ganzer Linie, für die Aktie ging es um knapp 19 Prozent nach oben. Nachdem der französische Lottoerieanbieter eine Corona-bedingte EBITDA-Belastung für das erste Halbjahr angekündigt hatte, fiel es nur um 34 auf 174 Millionen Euro. Während der Umsatzrückgang während der zwei Monate des Lockdowns bei fast 60 Prozent lag, deutet das Management auf eine starke Erholung seit dem Ende des Lockdowns hin, und seit Mitte Juni lägen die Umsätze wieder auf Vorjahresniveau.


Nestle verloren nach durchwachsenen Geschäftszahlen dagegen 0,7 Prozent. Zwar sei beim organischen Wachstum die Erwartung einen Tick übertroffen worden, allerdings habe Nestle sie für das Gesamtjahr danach gesenkt, hieß es im Handel. Nach schwächeren Zahlen fielen Danone um 5,4 Prozent. Die organische Umsatzentwicklung ist mit minus 5,7 Prozent laut Jefferies unter der Konsensschätzung von minus 3,3 Prozent geblieben.


Als "angesichts der Krise sehr ordentlich" wurden die Zahlen der Zementhersteller gesehen. Sowohl Lafargeholcim als auch Heidelbergcement seien einen Tick besser als erwartet durch die Coronakrise gekommen. Lafargeholcim fielen 2,6 Prozent, während Heidelcement um 6,0 Prozent nachgaben.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.208,20 -91,96 -2,8% -14,3%
Stoxx-50 2.951,45 -59,07 -2,0% -13,3%
Stoxx-600 359,52 -7,93 -2,2% -13,5%
XETRA-DAX 12.379,65 -442,61 -3,5% -6,6%
FTSE-100 London 5.989,99 -141,47 -2,3% -18,7%
CAC-40 Paris 4.852,94 -105,80 -2,1% -18,8%
AEX Amsterdam 549,20 -14,91 -2,6% -9,2%
ATHEX-20 Athen 1.490,39 -35,24 -2,3% -35,1%
BEL-20 Bruessel 3.340,48 -65,14 -1,9% -15,6%
BUX Budapest 34.797,24 -119,77 -0,3% -24,5%
OMXH-25 Helsinki 4.016,32 -84,75 -2,1% -4,9%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.259,64 -12,58 -1,0% -9,3%
OMXC-20 Kopenhagen 1.296,12 -6,88 -0,5% +14,1%
PSI 20 Lissabon 4.395,60 -90,18 -2,1% -17,4%
IBEX-35 Madrid 6.996,60 -209,60 -2,9% -26,7%
FTSE-MIB Mailand 19.228,47 -652,10 -3,3% -15,4%
RTS Moskau 1.232,35 -33,66 -2,7% -20,4%
OBX Oslo 723,08 -20,94 -2,8% -14,3%
PX Prag 876,94 -27,16 -3,0% -21,4%
OMXS-30 Stockholm 1.720,28 -40,30 -2,3% -2,9%
WIG-20 Warschau 1.763,22 -61,31 -3,4% -18,0%
ATX Wien 2.146,90 -61,15 -2,8% -29,8%
SMI Zuerich 10.095,34 -177,47 -1,7% -4,9%
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July 30, 2020 12:25 ET (16:25 GMT)

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