PRESSESPIEGEL/Unternehmen

(DJLL) Von DJ


Die wirtschaftsrelevanten Themen aus den Medien, zusammengestellt von Dow Jones Newswires.


SIEMENS - Siemens-Chef Joe Kaeser fürchtet, dass angesichts des Betrugsfalls bei Wirecard Anleger künftig sehr zurückhaltend mit Investitionen in Aktien sein werden. "Ich mache mir große Sorgen um die Aktienkultur in Deutschland, denn die könnte Schaden nehmen", sagte er. Viele Kleinanleger seien von Wirecard kalt erwischt worden. "Mit großem Aufwand werben wir für mehr Investitionen in Aktien, gerade auch in der Niedrigzinsphase, und dann kommt so etwas", sagte Kaeser. Siemens selbst hatte vor etwa zwölf Jahren mit einem tief greifenden Korruptionsskandal für Aufsehen gesorgt, auch hier hatten Prüfer und Aufsicht lange nichts gemerkt. Kaeser betonte aber, beide Fälle seien kaum vergleichbar. Neue Regelungen angesichts des Wirecard-Falls hält der Siemens-Chef nicht für notwendig. (SZ S. 1, 17)


WIRECARD - Der Fall Wirecard droht zu so einem Fiasko zu werden - nicht nur für den Abschlussprüfer EY, sondern für die ganze Branche. In der Bundesregierung und in Brüssel werden Konsequenzen diskutiert: etwa höhere Haftungsbeträge über die bestehende Grenze von 4 Millionen Euro hinaus oder verpflichtende Joint Audits, bei denen zwei Anbieter einen Jahresabschluss prüfen. In EU-Kreisen heißt es, die Kommission prüfe eine Reform der europäischen Regeln für Wirtschaftsprüfer und bereite dazu eine Studie vor. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellt die Vereinbarkeit von Prüfung und Beratung unter dem Dach einer Gesellschaft gar generell infrage. Grüne und Liberale im EU-Parlament fordern die Trennung, Wissenschaftler flankieren: "Der Fall Wirecard sollte Anlass dazu sein, eine noch klarere Trennung von Prüfungsaufgaben und Beratung vorzunehmen", mahnt Corporate-Governance-Experte und BWL-Professor Michael Wolff. (Handelsblatt S. 4)


WIRECARD - Der tiefe Fall von Wirecard zeigt, wie schlecht die Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern in der Geldwäschebekämpfung funktioniert. Offenbar profitierte das Unternehmen von einer Gesetzeslücke. (SZ S. 19)


COMMERZBANK - Die Führungskrise der Commerzbank verschärft sich. Am Mittwoch ist der 20-köpfige Aufsichtsrat der zweitgrößten deutschen Privatbank nach einer außerordentlichen Sitzung ohne Fortschritte in der Nachfolgeregelung für das scheidende Führungsduo aus Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann und Vorstandschef Martin Zielke auseinandergegangen. In einer vier Sätze umfassenden Mitteilung informierte die Bank am Abend lediglich über "die einvernehmliche Aufhebung von Bestellung und Anstellungsvertrag des Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke". Der Manager werde bis zur Berufung eines Nachfolgers die Geschäfte weiterführen und spätestens zum Jahresende aus dem Amt scheiden. (Börsen-Zeitung S. 3/FAZ S. 22/Welt S. 9)


PHOENIX - Der Pharmagroßhändler Phoenix entwickelt mit führenden Unternehmen der Branche ein digitales Gesundheitsportal, über das Verbraucher ihren kompletten Bedarf an Arzneimitteln und Gesundheitsleistungen koordinieren können. Ärzte, Heilberufe und Krankenkassen sollen ebenfalls eingebunden werden. Damit wollen sich die Anbieter auch auf das mögliche Szenario vorbereiten, dass internationale Großkonzerne wie Amazon oder Alibaba in den attraktiven deutschen Gesundheitsmarkt einsteigen. Der steht für jährlich mehr als 390 Milliarden Euro Umsatz. (Handelsblatt S. 20)


LEONI - Noch bevor die Corona-Krise zu Fabrikschließungen in der Autoindustrie geführt hat, steckte der Kabel- und Bordnetzspezialist Leoni in ernsten Schwierigkeiten. Nur ein Betriebsmittelkredit über 330 Millionen Euro, verbürgt von Bund und Ländern, sicherte die Zahlungsfähigkeit. Inzwischen hat Leoni das Schlimmste überstanden, ein Sanierungsprogramm läuft auf vollen Touren, und der Vorstandsvorsitzende Aldo Kamper zieht die Schlussfolgerung, dass in der Krise Autohersteller und -zulieferer gespürt haben, wie eng sie miteinander verbunden sind. "Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass die Lieferketten halten". (FAZ S. 21)


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July 09, 2020 00:05 ET (04:05 GMT)

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