MÄRKTE EUROPA/"Wie gewonnen - so zerronnen"

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--Ein unerwartet schwaches US-Verbrauchervertrauen hat am Dienstag den Aufschwung an den europäischen Aktienmärkten abrupt beendet. Anschlussgewinne aus dem frühen Handel wurden mit einer Verkaufswelle im späten Geschäft überwiegend zunichte gemacht. Bei einer uneinheitlichen Branchen-Entwicklung gab der Euro-Stoxx-50 schließlich 0,1 Prozent auf 3.330 Punkte ab, der DAX verlor 5 Punkte auf 13.062.


"Ohne den Verbraucher bleibt die ganze konjunkturelle Erholung wacklig, der Börsenaufschwung könnte sich als Strohfeuer entpuppen", so Heino Ruland von Ruland Research. Der August-Index des Conference Board war entgegen den Erwartungen deutlich gefallen auf 84,8 von 91,7 - gerechnet worden war mit einem leichten Anstieg.


Im frühen Geschäft war der DAX mit Konjunkturhoffnungen das erste Mal seit gut vier Wochen über die Marke von 13.200 geklettert. Der wichtige Ifo-Konjunkturindex war auf den höchsten Stand seit Februar gestiegen - vor allem dank einer günstigen Entwicklung der Erwartungskomponente. Zur Kenntnis genommen wurde auch, dass der Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal mit einem Minus von 11,3 Prozent nicht ganz so brutal war wie die zunächst errechneten Minus 11,7 Prozent.


Nun schauen die Anleger auf das virtuelle Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole im weiteren Wochenverlauf. Hier wird US-Notenbank-Chef Jerome Powell das Ergebnis der Strategieprüfung vorstellen. "Letztendlich bleibt das Thema Pandemie aber bestimmend für die Märkte", so ein weiterer Händler.


Reise-Aktien auf Aufholjagd


Die stärksten Gewinner unter den Branchen stellten mit Impfstoff-Hoffnungen die stark zurückgebliebenen Reise- und Freizeitaktien mit einem Index-Plus von 1,5 Prozent. Der Stoxx-Index der Technologie-Akten folgte mit einem Anstieg um 0,8 Prozent. Schwach schlossen dagegen die Indizes der Öl- und Gasaktien, der Rohstofftitel und der Bauwerte.


Im DAX stiegen MTU um 2,2 Prozent, Händler sprachen von Nachholbedarf des zurückgebliebenen Titels. Sie verwiesen aber auch darauf, dass sich mit Impfstoffen auch die Lage in der Flugzeugbranche normalisieren sollte. Im MDAX zogen Lufthansa um 0,6 Prozent an. Wiederum im DAX stiegen Munich Re um 1 Prozent und Deutsche Post um 1,1 Prozent.


DAX-Neuling Delivey Hero ausgereizt - Zalando auf Allzeit-Hoch


Dagegen fielen Delivery Hero um 0,4 Prozent. "Mit dem Anstieg vor der DAX-Aufnahme erscheint das Potenzial erst einmal ausgereizt", sagte ein Händler. Covestro gaben um 1,4 Prozent nach und VW um 1,2 Prozent. Unter Druck gerieten auch Immobilien-Aktien: Deutsche Wohnen verloren 0,8 Prozent, im MDAX gaben Aroundtown 5,4 Prozent ab.


Im TecDAX legten Siltronic um 3 Prozent zu, die Analysten der Credit Suisse hatten den Titel auf Outperformer von Neutral hochgestuft. Im MDAX stiegen Zalando um 2,9 Prozent auf das neue Allzeithoch von 72,92 Euro.


In Paris und London ging es mit den Aktien von Air France-KLM, Easyjet und der British-Airways-Mutter IAG deutlich nach oben, ebenso mit den Titeln der Hotelkette Accor.


In Paris gewannen Schneider Electric 0,5 Prozent. Die britische Aveva Group stärkt ihre Position als Entwickler von Industriesoftware mit dem Zukauf der mehrheitlich Schneider gehörenden US-Firma Osisoft für 5 Milliarden Dollar. Aveva zogen um 7,2 Prozent an.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.329,71 -2,03 -0,1% -11,1%
Stoxx-50 2.996,51 -11,79 -0,4% -12,0%
Stoxx-600 369,75 -1,10 -0,3% -11,1%
XETRA-DAX 13.061,62 -4,92 -0,0% -1,4%
FTSE-100 London 6.037,01 -67,72 -1,1% -19,1%
CAC-40 Paris 5.008,27 +0,38 +0,0% -16,2%
AEX Amsterdam 559,81 -1,18 -0,2% -7,4%
ATHEX-20 Athen 1.508,75 -4,97 -0,3% -34,4%
BEL-20 Brüssel 3.369,52 +0,53 +0,0% -14,8%
BUX Budapest 35.593,67 -401,16 -1,1% -22,8%
OMXH-25 Helsinki 4.302,15 +16,54 +0,4% +1,9%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.236,29 -21,53 -1,7% -11,0%
OMXC-20 Kopenhagen 1.326,35 +3,00 +0,2% +16,8%
PSI 20 Lissabon 4.428,79 -47,07 -1,1% -16,0%
IBEX-35 Madrid 7.108,40 -0,70 -0,0% -25,6%
FTSE-MIB Mailand 20.030,05 -83,31 -0,4% -14,4%
RTS Moskau 1.267,16 -14,36 -1,1% -18,2%
OBX Oslo 769,21 -2,67 -0,3% -8,8%
PX Prag 909,05 +9,11 +1,0% -18,5%
OMXS-30 Stockholm 1.786,27 -2,13 -0,1% +0,8%
WIG-20 Warschau 1.821,29 -20,17 -1,1% -15,3%
ATX Wien 2.234,56 -12,65 -0,6% -28,7%
SMI Zürich 10.231,25 -77,14 -0,7% -3,6%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,43 0,06 -0,67
US-Zehnjahresrendite 0,70 0,04 -1,98

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:27 Mo, 17:39 % YTD
EUR/USD 1,1818 +0,24% 1,1811 1,1802 +5,4%
EUR/JPY 125,75 +0,64% 125,25 125,02 +3,2%
EUR/CHF 1,0742 -0,04% 1,0765 1,0752 -1,1%
EUR/GBP 0,8996 -0,30% 0,9017 0,9026 +6,3%
USD/JPY 106,40 +0,40% 106,03 105,93 -2,2%
GBP/USD 1,3137 +0,54% 1,3102 1,3076 -0,9%
USD/CNH (Offshore) 6,9105 -0,03% 6,9067 6,9138 -0,8%
Bitcoin
BTC/USD 11.419,51 -2,84% 11.626,01 11.739,76 +58,4%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 43,26 42,62 +1,5% 0,64 -24,5%
Brent/ICE 46,00 45,13 +1,9% 0,87 -25,9%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.919,54 1.933,38 -0,7% -13,83 +26,5%
Silber (Spot) 26,38 26,63 -0,9% -0,25 +47,8%
Platin (Spot) 931,25 919,00 +1,3% +12,25 -3,5%
Kupfer-Future 2,93 2,93 +0,2% +0,01 +4,0%
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August 25, 2020 12:10 ET (16:10 GMT)

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