MÄRKTE EUROPA/Neue Fed-Inflationspolitik belastet Börsen

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Mit leichten Abgaben haben sich Europas Aktienmärkten am Freitag aus der Handelswoche verabschiedet. Der deutliche Strategieschwenk der US-Notenbank musste vom Markt verdaut werden. Lediglich für Banken- und Versicherungswerte wurde er positiv interpretiert. Beim Dollar verstärkte die Änderung aber die Tendenz zur Abwertung, was europäische Produkte verteuert. Der exportlastige DAX gab darauf um 0,5 Prozent auf 13.033 Punkte nach. Für den Euro-Stoxx-50 ging es 0,5 Prozent auf 3.316 Zähler nach unten.


US-Notenbank will höhere Inflation zulassen


Im Marktfokus stand die Interpretation des Strategieschwenks der US-Notenbank. Sie hatte sich vom ehemals fixierten Inflationsziel verabschiedet. Künftig kann sie die expansive Geldpolitik fortsetzen, selbst wenn die Inflation über 2 Prozent steigen sollte. Nur "im Durchschnitt" soll sie noch unter dieser Marke liegen. Was als Durchschnitt hinzugezogen wird, kann aber völlig beliebig sein, einer mathematischen Regel wollte sich Fed-Chef Jerome Powell nicht unterwerfen.


"Die Auswirkungen der Schritte der US-Notenbank sind enorm", sagte Investmentstratege Russell Silberston vom Vermögensverwalter Ninety One. Sie dürfte die Zinsen künftig erst anheben, wenn der Schwellenwert tatsächlich überschritten werde. Dies bedeute eine höhere reale Inflation. Solange andere Zentralbanken diesem Schritt nicht folgten, werde es eine deutliche Dollar-Abwertung geben. Profiteure seien Aktien und Gold, die nur noch im Vergleich zu Tiefstzinsen bewertet werden. Die Aussicht auf steigende Metallpreise trieb den Rohstoffsektor bereits um 0,7 Prozent.


Finanzwerte profitieren von Fed


Gewinner der neuen Fed-Politik waren Finanzwerte: Der Bankensektor stellte in Europa mit 1,7 Prozent Plus den Tagessieger, der Branchenindex der Versicherer legte 0,6 Prozent zu. Die Branche profitierte von der Aussicht auf höhere Inflationsraten und damit einer Versteilerung der Zinskurve. Banken können dann kurzfristiges Geld billig aufnehmen und es langfristig zu höherem Zinssatz verleihen. Commerzbank stiegen um 2,7 Prozent, Münchener Rück um 1,7 Prozent. Unicredit in Mailand legten um 3,5 Prozent und BNP Paribas in Paris um 3,6 Prozent zu.


Delivery Hero klarer DAX-Verlierer


DAX-Neuling Delivery Hero setzten ihre Verluststrecke seit der Indexaufnahme fort und gaben um 0,9 Prozent nach. Hier hatte schon im Vorfeld die Aufnahmefantasie für kräftige Kursgewinne gesorgt. Bei Bayer drückte das sich Hinziehen der Vergleichsabschlüsse beim Unkrautvernichter Roundup in den USA auf die Stimmung, die Aktien gaben 2,7 Prozent nach. In einer Anhörung hatten Anwälte mehrerer Kläger deutlich gemacht, dass viele Vergleiche noch nicht finalisiert worden seien. Bayer selbst glaubt aber, dass die Vergleiche in den nächsten 30 Tagen abgeschlossen werden können.


Deutsche Börse gaben 0,8 Prozent nach wegen einer Klage gegen unter anderem die Tochter Clearstream in den USA. Hier belaste seit Jahren, dass Clearstream iranische Vermögenswerte halte, hieß es. Höhere optische Kursverluste wiesen Deutsche Post, Fresenius Medical Care, Jungheinrich und Lanxess auf. Grund waren aber nur die Dividendenauszahlungen.


Weiter auf Erholungskurs gingen viele Aktien aus dem arg gebeutelten Reise- und Veranstaltungsbereich. Fraport legten 1,8 Prozent zu und Event-Veranstalter CTS Eventim um 1,7 Prozent. Die Titel der Kreuzfahrtreederei Carnival stiegen um 3,5 Prozent und die der Kinokette Cineworld um 4,9 Prozent. Kräftig abwärts ging es im Sektor nur bei Norwegian Air. Sie brachen um 9,5 Prozent ein. Die Fluggesellschaft sah weiteren Kapitalbedarf.


Unter den Nebenwerten sprangen Fabasoft nach guten Quartalszahlen um 16,7 Prozent nach oben. Das österreichische Software-Unternehmen profitierte mit seinen Dienstleistungen vom Trend zur Heimarbeit. Außerdem gab es einen positven Analystenkommentar.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.316,47 -14,57 -0,4% -11,5%
Stoxx-50 2.978,37 -18,20 -0,6% -12,5%
Stoxx-600 368,80 -1,92 -0,5% -11,3%
XETRA-DAX 13.033,20 -63,16 -0,5% -1,6%
FTSE-100 London 5.963,57 -36,42 -0,6% -20,5%
CAC-40 Paris 5.002,94 -13,03 -0,3% -16,3%
AEX Amsterdam 556,80 -5,61 -1,0% -7,9%
ATHEX-20 Athen 1.517,65 +3,71 +0,2% -34,0%
BEL-20 Brüssel 3.378,60 +8,35 +0,2% -14,6%
BUX Budapest 34.842,51 -627,85 -1,8% -24,4%
OMXH-25 Helsinki 4.333,03 -5,85 -0,1% +2,6%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.241,56 -13,52 -1,1% -10,6%
OMXC-20 Kopenhagen 1.314,52 -11,63 -0,9% +15,7%
PSI 20 Lissabon 4.371,39 -28,41 -0,6% -16,7%
IBEX-35 Madrid 7.133,00 +42,30 +0,6% -25,3%
FTSE-MIB Mailand 19.841,01 -6,37 -0,0% -15,6%
RTS Moskau 1.265,62 +0,76 +0,1% -18,3%
OBX Oslo 758,24 -4,53 -0,6% -10,1%
PX Prag 908,09 +4,21 +0,5% -18,6%
OMXS-30 Stockholm 1.776,57 -17,40 -1,0% +0,3%
WIG-20 Warschau 1.829,79 -16,71 -0,9% -14,9%
ATX Wien 2.253,26 +24,78 +1,1% -29,2%
SMI Zürich 10.164,49 -75,97 -0,7% -4,3%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,41 -0,01 -0,65
US-Zehnjahresrendite 0,72 -0,03 -1,96

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 8:33 Do, 17:35 % YTD
EUR/USD 1,1903 +0,69% 1,1869 1,1819 +6,1%
EUR/JPY 125,33 -0,48% 126,07 125,44 +2,8%
EUR/CHF 1,0759 +0,13% 1,0752 1,0738 -0,9%
EUR/GBP 0,8923 -0,36% 0,8948 0,8965 +5,4%
USD/JPY 105,29 -1,18% 106,21 106,16 -3,2%
GBP/USD 1,3341 +1,06% 1,3265 1,3185 +0,7%
USD/CNH (Offshore) 6,8627 -0,35% 6,8663 6,8846 -1,5%
Bitcoin
BTC/USD 11.523,76 +2,14% 11.419,26 11.458,26 +59,8%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 43,03 43,04 -0,0% -0,01 -24,9%
Brent/ICE 45,08 45,09 -0,0% -0,01 -27,4%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.970,26 1.929,50 +2,1% +40,76 +29,9%
Silber (Spot) 27,59 27,08 +1,9% +0,52 +54,6%
Platin (Spot) 935,60 936,50 -0,1% -0,90 -3,1%
Kupfer-Future 3,00 2,97 +0,9% +0,03 +6,2%
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


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August 28, 2020 12:22 ET (16:22 GMT)

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