MÄRKTE EUROPA/Anleger vorsichtig während Notenbanken pausieren

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Aktienmärkte tendieren am Donnerstagnachmittag leichter. Während Risikoassets wie Aktien lange Zeit von der expansiven Geldpolitik profitierten, legen die Notenbanken mit Blick auf die jüngst nicht mehr zielwirksame Zinspolitik hier erst einmal eine Pause ein. Die Zinsen werden damit zwar noch lange niedrig bleiben, was gut für die Unternehmen ist, positive Impulse der Notenbanken sind aber erst einmal nicht in Sicht.


Die Fed hatte am Vorabend wie erwartet das Zinsniveau und den Umfang der Anleihekäufe bestätigt. Für die Zinsstrategen der DZ Bank bleibt die US-Geldpolitik in den kommenden Jahren ultra-expansiv. Die neue Forward Guidance sei ein kraftvolles und mächtiges Konzept, die Zinserwartungen der Marktteilnehmer auf einem niedrigen Niveau bis zum Sankt Nimmerleinstag zu verankern. Die US-Notenbank werde nun in eine "Wait-and-See Strategie" übergehen, zudem werde die nächste Zinsentscheidung erst nach der US-Präsidentschaftswahl auf der Agenda stehen. Dies hat auch Fed-Chef Jerome Powell bestätigt, wodurch die Fed-Sitzung von einigen Marktteilnehmern insgesamt als leicht falkenhaft interpretiert wurde.


Der DAX verliert am Nachmittag 0,7 Prozent auf 13.156 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 geht es um 0,9 Prozent auf 3.306 Punkte nach unten. Nach der Sitzung der Fed zog der Dollar zunächst an, der Euro fiel am Donnerstag mit 1,1738 Dollar im Gegenzug auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Inzwischen hat er sich auf 1,18 zum Dollar wieder erholt.


Autowerte mit schwachen Absatzzahlen unter Druck


Abwärts geht es mit dem europäischen Automobil-Sektor, der um 0,9 Prozent nachgibt. "Der Autoabsatz ist sehr schwach", sagt ein Händler. Im August zeigten die Zahlen in Europa ein Minus von 17,6 Prozent, im Juli seien es lediglich minus 3,7 Prozent gewesen. Die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen geben zwischen 0,1 und 1,1 Prozent nach, in Paris fallen Peugeot um 1,7 Prozent.


Für die Aktie von Delivery Hero geht es gegen den Trend 2,2 Prozent nach oben. Das Unternehmen übernimmt das Geschäft der Lieferplattform Glovo in Lateinamerika für bis zu 230 Millionen Euro. Damit stärke Delivery Hero seine Marktstellung in Argentinien, Panama und der Dominikanischen Republik weiter, so die Citi-Analysten: "Delivery Hero war bereits die Nummer Eins in diesen Ländern und baut seine Marktposition damit noch einmal aus." Zudem dürfte sich der Zukauf positiv auf die Entwicklung der EBITDA-Marge in Lateinamerika auswirken.


Unibail-Rodamco-Westfield mit KE und Dividendenbegrenzung leichter


Für die Aktie von Unibail-Rodamco-Westfield geht um 9,1 Prozent nach unten. Kurzfristig belastend ist zum einen, dass der Gewerbeimmobilienkonzern eine Kapitalerhöhung (KE) in Höhe von 3,5 Milliarden Euro plant. Aber auch die Aussicht, dass bei der Ausschüttung eingespart werden soll, kommt bei den Aktionären nicht gut an. Die Analysten von Berenberg stufen eine Kapitalerhöhung als sinnvoll ein. Das Unternehmen plane darüber hinaus den Verkauf von Aktiva von 4 Milliarden Euro und eine Senkung der Investitionen zur Stärkung der Bilanz und zum Abbau der Verschuldung. Weitere Immobilienunternehmen im Einzelhandelsbereich in Europa könnten folgen, so die Analysten.


BBVA verlieren 1,1 Prozent. "Die Aktie leidet unter anderem unter ihrem Türkei-Engagement", so ein Händler. Am Mittwoch war sie auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren gefallen. BBVA halte fast 50 Prozent an der drittgrößten türkischen Bank Garanti. Am Freitag werden BBVA zudem zum Schlusskurs aus dem Euro-Stoxx-50 absteigen, auch das spricht für weiteren Verkaufsdruck. Der Bankensektor gehört mit einem Abschlag von 1,8 Prozent den größten Verlierern, auch mit Blick auf noch lange niedrige Zinsen.


Bei Grenke geht es um 27 Prozent nach oben, das Leasingunternehmen hat eine Stellungnahmen zu den jüngsten Shortseller-Attacken auf das Unternehmen angekündigt. Grenke habe eine Taskforce einberufen, die sich mit der detaillierten Widerlegung der Researchfirma Viceroy gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe befasst habe.


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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 3.311,14 -0,83 -27,70 -11,59
Stoxx-50 2.993,47 -0,77 -23,10 -12,04
DAX 13.175,73 -0,60 -79,64 -0,55
MDAX 27.568,81 -0,44 -123,18 -2,63
TecDAX 3.098,93 -0,59 -18,30 2,79
SDAX 12.510,72 -0,07 -8,33 -0,01
FTSE 6.054,77 -0,39 -23,71 -19,41
CAC 5.038,81 -0,70 -35,61 -15,71

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,50 -0,02 -0,74
US-Zehnjahresrendite 0,66 -0,03 -2,02

DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8:04 Uhr Fr, 17:15 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1813 -0,02% 1,1851 1,1836 +5,3%
EUR/JPY 123,61 -0,32% 125,69 125,68 +1,4%
EUR/CHF 1,0745 -0,02% 1,0767 1,0760 -1,0%
EUR/GBP 0,9152 +0,44% 0,9241 0,9251 +8,1%
USD/JPY 104,68 -0,28% 106,08 106,18 -3,8%
GBP/USD 1,2908 -0,47% 1,2824 1,2793 -2,6%
USD/CNH (Offshore) 6,7662 +0,28% 6,8292 6,8353 -2,9%
Bitcoin
BTC/USD 10.811,51 -1,84% 10.354,76 10.323,38 +50,0%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 40,06 40,16 -0,2% -0,10 -30,1%
Brent/ICE 41,98 42,22 -0,6% -0,24 -31,9%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.940,70 1.963,20 -1,1% -22,50 +27,9%
Silber (Spot) 26,55 27,33 -2,8% -0,77 +48,8%
Platin (Spot) 936,25 974,00 -3,9% -37,75 -3,0%
Kupfer-Future 3,05 3,06 -0,4% -0,01 +7,9%
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September 17, 2020 09:56 ET (13:56 GMT)

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