MÄRKTE EUROPA/Kleiner Rücksetzer - Zinsen bleiben lange niedrig

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag leichter geschlossen. Während die Aktien lange Zeit von der expansiven Geldpolitik profitierten, legen die Notenbanken mit Blick auf die jüngst nicht mehr zielwirksame Zinspolitik hier erst einmal eine Pause ein. Die Zinsen werden damit zwar noch lange niedrig bleiben, was gut für die Unternehmen ist. Positive Impulse der Notenbanken sind aber erst einmal nicht in Sicht.


Die Fed hatte am Vorabend wie erwartet das Zinsniveau und den Umfang der Anleihekäufe bestätigt. Für die Zinsstrategen der DZ Bank bleibt die US-Geldpolitik in den kommenden Jahren ultra-expansiv. Die neue Forward Guidance sei ein kraftvolles und mächtiges Konzept, die Zinserwartungen der Marktteilnehmer auf einem niedrigen Niveau bis zum Sankt Nimmerleinstag zu verankern. Die US-Notenbank werde nun in eine "Wait-and-See Strategie" übergehen, zudem werde die nächste Zinsentscheidung erst nach der US-Präsidentschaftswahl auf der Agenda stehen. Dies hat auch Fed-Chef Jerome Powell bestätigt, wodurch die Fed-Sitzung von einigen Marktteilnehmern insgesamt als leicht falkenhaft interpretiert wurde. Der DAX verlor 0,4 Prozent auf 13.208 Punkte. Für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,7 Prozent auf 3.317 Punkte nach unten.


Auch die Bank of England tagte - Negativzinsen nicht ausgeschlossen


Das britische Pfund kam unter Druck, nachdem die Bank of England (BoE) ihre Geldpolitik zwar unverändert belassen hat, aber für zusätzliche Maßnahmen bereit steht. Der Konjunkturausblick fiel zurückhaltend aus. Dem Pfund setzt aber die Ankündigung möglicher Negativzinsen zu, sofern die Inflation und Wirtschaftsentwicklung dies erlaubten. Die BoE sagte ferner, dass der jüngste Anstieg der Corona-Fällen in Großbritannien die Wirtschaftsaktivität wieder bremsen könne. Es bestehe das Risiko einer längeren Periode anhaltend erhöhter Arbeitslosigkeit.


Delivery Hero kauft zu


Für die Aktie von Delivery Hero ging es um 2,2 Prozent nach oben. Das Unternehmen übernimmt das Geschäft der Lieferplattform Glovo in Lateinamerika für bis zu 230 Millionen Euro. Damit stärke Delivery Hero seine Marktstellung in Argentinien, Panama und der Dominikanischen Republik weiter, so die Citi-Analysten: "Delivery Hero war bereits die Nummer Eins in diesen Ländern und baut seine Marktposition damit noch einmal aus." Zudem dürfte sich der Zukauf positiv auf die Entwicklung der EBITDA-Marge in Lateinamerika auswirken.


Weiterhin sehr volatil handelte die Aktie von Grenke, nach dem Absturz der vergangenen Tage legte sie um 33 Prozent zu. Im späten Handel kamen die mit Spannung erwarteten Aussagen von Wolfgang Grenke, Gründer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Grenke. Er nahm der Stellung zum Themenkomplex des Franchisesystems als einem der von Viceroy Research erhobenen Vorwürfe gegen ihn persönlich und das Unternehmen.


Die Aktie von Fraport schloss 5,9 Prozent im Plus, nachdem die Analysten von Berenberg ihr Votum auf Kaufen hochnahmen.


Unibail-Rodamco-Westfield mit KE und Dividendenbegrenzung leichter


Für die Aktie von Unibail-Rodamco-Westfield ging um 10 Prozent nach unten. Kurzfristig belastend ist zum einen, dass der Gewerbeimmobilienkonzern eine Kapitalerhöhung (KE) in Höhe von 3,5 Milliarden Euro plant. Aber auch die Aussicht, dass bei der Ausschüttung eingespart werden soll, kommt bei den Aktionären nicht gut an. Die Analysten von Berenberg stufen eine Kapitalerhöhung als sinnvoll ein. Das Unternehmen plane darüber hinaus den Verkauf von Aktiva von 4 Milliarden Euro und eine Senkung der Investitionen zur Stärkung der Bilanz und zum Abbau der Verschuldung. Weitere Immobilienunternehmen im Einzelhandelsbereich in Europa könnten folgen, so die Analysten.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.316,57 -22,27 -0,7% -11,4%
Stoxx-50 2.998,38 -18,19 -0,6% -11,9%
Stoxx-600 371,23 -1,90 -0,5% -10,7%
XETRA-DAX 13.208,12 -47,25 -0,4% -0,3%
FTSE-100 London 6.049,92 -28,56 -0,5% -19,4%
CAC-40 Paris 5.039,50 -34,92 -0,7% -15,7%
AEX Amsterdam 552,48 -5,95 -1,1% -8,6%
ATHEX-20 Athen 1.589,74 +4,20 +0,3% -30,8%
BEL-20 Bruessel 3.390,18 -2,72 -0,1% -14,3%
BUX Budapest 33.886,79 -260,80 -0,8% -26,5%
OMXH-25 Helsinki 4.399,96 +2,21 +0,1% +4,2%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.240,76 +4,67 +0,4% -10,6%
OMXC-20 Kopenhagen 1.345,88 +5,76 +0,4% +18,5%
PSI 20 Lissabon 4.293,62 -6,86 -0,2% -17,8%
IBEX-35 Madrid 7.086,20 -24,60 -0,3% -25,8%
FTSE-MIB Mailand 19.739,73 -224,26 -1,1% -15,1%
RTS Moskau 1.243,29 -8,57 -0,7% -19,7%
OBX Oslo 756,80 -0,48 -0,1% -10,3%
PX Prag 883,63 -9,91 -1,1% -20,8%
OMXS-30 Stockholm 1.833,75 -4,52 -0,2% +3,5%
WIG-20 Warschau 1.745,73 +7,63 +0,4% -18,8%
ATX Wien 2.242,95 -15,88 -0,7% -28,3%
SMI Zuerich 10.519,33 -32,71 -0,3% -0,9%
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September 17, 2020 12:08 ET (16:08 GMT)

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