MÄRKTE EUROPA/Abwärts mit Corona-Sorgen - Reisektor schwach

(DJLL) Von DJ


FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Aktienmärkte haben am Freitag nachgegeben. Der DAX handelte 0,7 Prozent tiefer bei 13.116 Punkten, der Euro-Stoxx-50 verlor 1 Prozent auf 3.284 Punkten. Im Fokus stand der große Verfall am Terminmarkt, der aber nicht für größere Turbulenzen sorgte. Dafür rückte die Corona-Pandemie mit den steigenden Fallzahlen wieder stärker in den Fokus, an der Börse wurden daher die Aktien der Reiseunternehmen standen unter Druck.


Covestro-Aktie mit möglichem Apollo-Gebot sehr fest


Für die Aktie von Covestro ging es 5 Prozent nach oben. Kurstreiber war eine Kreise-Meldung von Bloomberg, die von einem Kaufinteresse des Private-Equity-Unternehmens Apollo berichtete. "Bisher hat Private-Equity auf Grund der Marktkapitalisierung einen Bogen um DAX-Unternehmen gemacht", so ein Marktteilnehmer. Die im Raum stehenden 10 Milliarden Dollar böten eine gute Prämie. Die Experten von Independent Research indes sehen die Prämie eher als mager an.


Für die Analysten der Citi besteht die Anziehungskraft von Covestro darin, dass das Unternehmen trotz des zyklischen Geschäfts in der Lage sei, Barmittel zu generieren. Dies sei zuletzt durch die Investitionspläne verdeckt worden. Das mögliche Interesse an Covestro könnte Auswirkungen auf die Bewertung des gesamten Sektors der diversifizierten Chemikalien in Europa haben. Von einem Covestro-Sprecher hieß es zu dem Bloomberg-Bericht, dass das Unternehmen in einem laufenden Dialog mit Marktteilnehmern stehe. "Derzeit befinden wir uns nicht in einer Übernahmediskussion mit Apollo."


Reisesektor schwach mit Sorge um zweiten Lockdown in Großbritannien


Für die Aktien aus dem Reisesektor ging es europaweit nach unten. Belastend wirkte nach Aussage aus dem Handel die Nachricht, dass Großbritannien vor einem möglichen zweiten Lockdown steht. Auf Grund steigender Infektionszahlen könnte es Medienberichten zufolge im Oktober zu einem zweiwöchigen Lockdown kommen, und dies in der Ferienzeit. Marktstratege Neil Wilson von Markets.com stellt sich die Frage, ob die Regierung dem wissenschaftlichen Rat folgen wird oder nicht. Die Zahl der Fälle in Großbritannien sei sicherlich gestiegen, aber die Zahl der täglich durchgeführten Tests exponentiell höher als noch im März und April. Für die britischen Aktien der British-Airways-Mutter IAG ging es um knapp 15 Prozent nach unten und Easyjet verloren gut 9 Prozent. Aber auch eine Lufthansa gab 5 Prozent ab, Fraport handelten 5,2 Prozent leichter. Der Sektor-Index war mit einem Abschlag von 3,5 Prozent der größte Verlierer.


Grenke mit Stellungnahme etwas erholt


Weiter im Fokus blieb auch die Grenke-Aktie, die nach einem nervösen Auf und Ab 6,6 Prozent im Minus schloss. Der Leasinganbieter hat die von dem Short-Seller Viceroy Research vorgebrachten Betrugsvorwürfe abermals zurückgewiesen. "Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet", teilte der MDAX-Konzern nach einer genauen Prüfung des 64-seitigen Berichts von Viceroy mit. Ein Sondergutachten von KPMG soll letzte Zweifel ausräumen. Die Aktie reagierte volatil auf die Aussagen. "Das Thema wird uns wohl nach lange beschäftigen", sagte ein Marktteilnehmer.


Die Ratingagentur S&P hat Grenke derweil auf ihre Beobachtungsliste für eine mögliche Abstufung gesetzt. Die Analysten sagten, sie seien derzeit nicht in der Lage, die Stichhaltigkeit der Vorwürfe zu beurteilen. "Wir sind uns jedoch bewusst, dass die Anschuldigungen, ob sie wahr sind oder nicht, das Potenzial haben, Grenkes kurzfristige Aktivitäten zu stören. Dazu gehören mögliche Auswirkungen auf seinen Ruf, seine Geschäfte und seine Liquiditäts- und Finanzierungslage", teilte S&P mit.


Rocket Internet mit Verlust im Halbjahr kurz vor Delisting


Rocket Internet hat im ersten Halbjahr einen Verlust eingefahren. Grund war unter anderem ein negativer Beitrag von Beteiligungsunternehmen sowie ein wesentlich geringeres Finanzergebnis als im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte. Nach Steuern ergab sich in den ersten sechs Monaten ein Verlust von 11,6 Millionen Euro nach einem Gewinn von 547,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für die Aktie lieferten die Zahlen keinen Impuls, vielmehr notierte sie mit 18,72 Euro knapp über dem Delisting-Preis von 18,57 Euro.


Massiv unter Druck stand die Aktie von MAN, sie brach um 15,4 Prozent ein. Hier belastete die Nachricht, dass der erwartete Squeeze-Out durch Traton nicht mehr in diesem Jahr durchgeführt werden soll. "Hier haben einige Investoren auf eine Squeeze-Out-Prämie gesetzt", so ein Marktteilnehmer. Die Traton-Aktie gab 0,2 Prozent ab.


Die London Stock Exchange (LSE) spricht mit der Euronext exklusiv über einen Verkauf der Borsa Italiana. Hier hatte auch die Deutsche Börse Interesse bekundet. Die LSE hatte Ende Juli erklärt, Gespräche über den Verkauf der Plattform MTS oder des Börsenbetreibers im Ganzen begonnen zu haben. Damit sollen die Bedingungen der Europäischen Kommission für den Erwerb des Datenanbieters Refinitiv erfüllt werden. Die Euronext-Aktie stieg um 4,3 Prozent, die Titel der LSE legten um 1,3 Prozent zu. Die Papiere der Deutschen Börse gewannen 0,2 Prozent.


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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 3.283,69 -32,88 -1,0% -12,3%
Stoxx-50 2.978,59 -19,79 -0,7% -12,5%
Stoxx-600 368,78 -2,45 -0,7% -11,3%
XETRA-DAX 13.116,25 -91,87 -0,7% -1,0%
FTSE-100 London 6.007,05 -42,87 -0,7% -19,8%
CAC-40 Paris 4.978,18 -61,32 -1,2% -16,7%
AEX Amsterdam 550,85 -1,63 -0,3% -8,9%
ATHEX-20 Athen 1.577,32 -12,42 -0,8% -31,4%
BEL-20 Bruessel 3.375,86 -14,32 -0,4% -14,7%
BUX Budapest 33.591,51 -295,28 -0,9% -27,1%
OMXH-25 Helsinki 4.403,65 +3,69 +0,1% +4,3%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.239,98 -0,78 -0,1% -10,7%
OMXC-20 Kopenhagen 1.345,45 -0,43 -0,0% +18,5%
PSI 20 Lissabon 4.286,76 -34,33 -0,8% -18,4%
IBEX-35 Madrid 6.929,80 -156,40 -2,2% -27,4%
FTSE-MIB Mailand 19.524,94 -214,79 -1,1% -16,0%
RTS Moskau 1.228,64 -14,65 -1,2% -20,7%
OBX Oslo 756,59 -0,21 -0,0% -10,3%
PX Prag 873,66 -9,97 -1,1% -21,7%
OMXS-30 Stockholm 1.835,36 +1,62 +0,1% +3,6%
WIG-20 Warschau 1.731,76 -13,97 -0,8% -19,5%
ATX Wien 2.206,24 -36,71 -1,6% -28,7%
SMI Zuerich 10.539,17 +19,84 +0,2% -0,7%
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Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com


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September 18, 2020 11:57 ET (15:57 GMT)

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