HDE: Einzelhandel wird trotz Corona 2020 ein Umsatzplus sehen

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Von Andrea Thomas


BERLIN (Dow Jones)--Der deutsche Einzelhandel wird trotz der Corona-Krise in diesem Jahr voraussichtlich hauptsächlich wegen des starken Online-Handels ein Umsatzplus von 1,5 Prozent verzeichnen. In seiner neuesten Prognose für 2020 erwartet der Handelsverband Deutschland (HDE) ein Anstieg des Umsatzvolumens auf 552 Milliarden Euro. Im Juli hatte der Verband noch ein Umsatzminus von 4 Prozent für das Gesamtjahr erwartet. Der HDE erklärte am Dienstag, dass die Erlöse im Jahr 2020 preisbereinigt das Vorjahresniveau erreichen werden.


Der Online-Handel dürfte laut HDE in diesem Jahr seinen Umsatz um rund 15 Prozent auf 68 Milliarden Euro steigern. Auch der Lebensmitteleinzelhandel, der Bau- und Heimwerkerhandel sowie der Einzelhandel mit Fahrrädern hätten im bisherigen Jahresverlauf steigende Umsätze zu verzeichnen. Nach der Absenkung der Mehrwertsteuer war auch seit Jahresmitte "ein deutlicher Erholungsprozess im Einzelhandel" zu beobachten, der sich nach Angaben vom HDE bis heute fortsetzt.


Der stationäre Handel hingegen stagniert insgesamt. Deutlich schlechter sieht es in Branchen aus, die vom zwischenzeitlichen Lockdown zur Eindämmung der Pandemie betroffen waren. Dieser Handelsbereich wird in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatzeinbruch von 11 Prozent auf rund 21 Milliarden Euro verzeichnen, so die Prognose.


Viele Unternehmen in ihrer Existenz gefährdet


"Die Lage ist vor allem bei vielen Bekleidungshändlern in den Stadtzentren weiterhin kritisch. Das solide Umsatzwachstum von 1,5 Prozent für den gesamten Handel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einzelnen Branchen nach wie vor viele Unternehmen und Arbeitsplätze in ihrer Existenz gefährdet sind", erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.


Eine aktuelle HDE-Umfrage unter 1.000 Händlern aller Branchen, Standorte und Unternehmensgrößen zeigt, dass für das erste Halbjahr 2020 mehr als 90 Prozent der Bekleidungshändler eine Verschlechterung der Geschäftslage feststellen. Im Elektronikhandel liegt dieser Anteil bei 45 Prozent.


Die Herausforderung sei insbesondere an den innerstädtischen Standorten groß, so der HDE. Mehr als drei Viertel der Händler in den Hauptgeschäftslagen der Stadtzentren beurteilen ihre Geschäftslage in den ersten sechs Monaten des Jahres schlechter als im Vorjahr.


"Angesichts der Umsatzrückgänge können viele Händler ihre Mieten nicht in voller Höhe bezahlen. Vor allem große institutionelle Vermieter kommen dem Handel dabei oft nicht ausreichend entgegen", beklagte Genth.


Anpassung des Mietvertrags wegen Corona nötig


Als Konsequenz forderte er ein stärkeres Entgegenkommen der Vermieter sowie eine entsprechende Anpassungen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Es müsse klargestellt werden, dass die in der Corona-Pandemie angeordneten staatlichen Maßnahmen ein Grund zur Anpassung des Mietvertrags wegen Störung der Geschäftsgrundlage sei.


Auch forderte der HDE erneut einen Innenstadtfonds und einem staatlichen Förderprogramm zur Digitalisierung des mittelständischen Einzelhandels. Damit soll der "vielerorts weiter voranschreitenden Niedergang der Innenstädte" aufgehalten werden, so der HDE.


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September 22, 2020 04:32 ET (08:32 GMT)

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