MÄRKTE USA/Rekordjagd folgt eiskalte Dusche: US-Börsen stürzen ab

(DJLL) Von DJ


Von Steffen Gosenheimer


NEW YORK (Dow Jones)--Ausgeprägte Gewinnmitnahmen insbesondere im Technologiesektor haben den US-Börsenindizes am Donnerstag herbe Verluste beschert. Warnungen vor zu hoch gelaufenen Bewertungen, einer abnehmenden Breite des Aufschwungs und dem schwierigen Börsenmonat September waren zwar schon länger zu hören, wurden aber in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen waren einige Indizes von Rekord zu Rekord geeilt. Nun gab es eine erste scharfe Gegenbewegung.


Der Dow-Jones-Index sackte um 2,8 Prozent oder 808 Punkte ab auf 28.293. Der S&P-500-Index büßte 3,5 Prozent ein, die technologielastigen Nasdaq-Indizes traf es am härtesten, sie knickten um bis zu 5,2 Prozent ein. Dass die Einbußen nicht noch höher ausfielen, war einer Gegenbewegung von den Tagestiefs in den letzten Handelsminuten zu verdanken.


An der Nyse gab es 559 (Mittwoch: 1.959) Kursgewinner und 2.468 (1.030 -verlierer. Unverändert schlossen 48 (82) Aktien.


Seit Juni fast ohne Wackler nach oben


"Technologieaktien und auch der Gesamtmarkt haben seit Juni nicht einen wirklich schlechten Tag gehabt, deswegen ist das nur eine gesunde Verschnaufpause. Es ging noch nie immer nur in einer Linie nach oben. An der langfristigen strukturellen Unterstützung für Technologie hat sich aber nichts geändert und auch nichts an der Unterstützung für Aktien", kommentierte Esty Dwek, Marktstratege bei Natixis Investment Managers.


Neben Gewinnmitnahmen versuchten einige Akteure weitere Auslöser für die Gegenbewegung zu finden. Zu hören war beispielsweise von Zweifeln, ob sich die streitenden Parteien im Kongress noch auf weitere, dringend benötigte Stützungsmaßnahmen in der Pandemie verständigen werden. Laut Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, gibt es noch immer "ernsthafte Differenzen".


In den vergangenen Monaten habe die Wirtschaft sich ziemlich stark erholt, diese Entwicklung sei aber zuletzt ins Stocken geraten, sagte Ökonom Andrew Hunter von Capital Economics. "Wenn sich der Mangel an weiterer fiskalischer Hilfe auf die Nachfrage auswirkt, werden wir das demnächst auch an einem Rückfall des ISM-Index ablesen können", sagte er.


Daneben läuft der Präsidentschaftswahlkampf auf Hochtouren. Die Wahl rücke näher und der Handelsstreit zwischen den USA und China sei ebenfalls nicht beigelegt, sagte Altaf Kassam, Investmentstratege bei State Street Global Advisors. Das sei mit großer Unsicherheit verbunden. Auch nach seiner Meinung ist eine Verschnaufpause nach dem guten Lauf der Aktien nur normal.


Auf Konjunkturseite überraschten die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe positiv, weil sie unerwartet deutlich gesunken sind. Der Rückgang sei aber nur auf eine neue, erstmals angewendete Erhebungsmethode zurückzuführen, bereinigt habe sich die Lage nicht verbessert, hieß es.


Die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft wuchs unterdessen im zweiten Quartal überraschend deutlich, wie aus der Zweitlesung hervorging. Und auch der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor fiel in der Zweitlesung besser aus als gedacht.


FAANG-Aktien mit Verlusten bis 6 Prozent


Der S&P-500-Subindex Technologie-Hardware verlor 7,2 Prozent, der Subindex der Halbleiteraktien 6,2 Prozent. Technologieaktien gelten allgemein als Gewinner der Corona-Krise, unter anderem wegen der Trends zu Homeoffice und Online-Käufen. Deswegen kannten sie in den vergangene Wochen fast nur eine Richtung. Nun wurden Gewinne mitgenommen.


Davon blieben auch die populären sogenannten FAANG-Aktien nicht verschont. Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google büßten zwischen knapp 4 und 8 Prozent bei der Apple-Aktie ein. Microsoft kamen um 6,2 Prozent zurück.


Bei Tesla, die nach dem Aktiensplit Anfang der Woche auf ein Rekordhoch knapp über 502 Dollar gestiegen waren, setzten sich die Gewinnmitnahmen bereits den dritten Tag in Folge fort. Der Kurs fiel um 9,0 Prozent auf 407 Dollar. Das Papier litt auch unter der Ankündigung des Autobauers, sich Kapital zu beschaffen, indem er von Zeit zu Zeit eigene Aktien auf den Markt wirft. Daneben hat ein Großaktionär seinen Anteil an Tesla heruntergefahren.


Ciena stürzten um über 24 Prozent ab. Der Anbieter von Netzwerksystemen und Software übertraf mit Umsatz und Gewinn die Erwartungen zwar, rechnet aber damit, dass die Corona-Krise noch über mehrere Quartale Auftragslage und Umsatz negativ beeinflussen wird.


Dollar verteidigt Gewinne


Am Devisenmarkt tat sich wenig. Der Dollar verteidigte weitgehend die kräftigen Gewinne der Vortage, die ein besser als gedacht ausgefallener Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende US-Gewerbe ausgelöst hatte.


Weiter auf dem Weg nach unten waren die Ölpreise. Das Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um ein halbes Prozent, Brent gab etwas stärker nach. Der am Mittwoch gemeldete deutliche Rückgang der US-Ölvorräte sei allein den Hurrikans Laura und Marco geschuldet gewesen und somit ein Einmaleffekt, merkten die Analysten der Commerzbank an. Die Lagerbestände seien trotz der dadurch bedingten vorübergehenden Förderausfälle noch vergleichsweise hoch. Sie lägen 14 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.


Gold wurde ebenfalls verkauft. Neben dem jüngst festeren Dollar verwiesen Marktteilnehmer auf ermutigende Konjunkturdaten und die Hoffnung auf einen Impfstoff. Dadurch verliert das Edelmetall als sicherer Hafen an Zulauf. Der Preis für die Feinunze sank um 11 auf 1.930 Dollar.


Am Anleihemarkt tat sich angesichts der kräftigen Verluste bei Aktien überraschend wenig. Von einer möglichen Flucht in den sicheren Anleihehafen war wenig zu sehen. Die Zehnjahresrendite verringerte sich um rund 2 Basispunkte auf 0,63 Prozent.


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INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
DJIA 28.292,73 -2,78 -807,77 -0,86
S&P-500 3.455,06 -3,51 -125,78 6,94
Nasdaq-Comp. 11.458,10 -4,96 -598,34 27,70
Nasdaq-100 11.771,37 -5,23 -649,18 34,79

US-Anleihen
Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD
2 Jahre 0,13 -0,4 0,14 -106,9
5 Jahre 0,24 -0,5 0,25 -168,2
7 Jahre 0,43 -1,5 0,45 -181,5
10 Jahre 0,63 -1,6 0,65 -181,5
30 Jahre 1,36 -2,1 1,38 -171,0

DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8:11 Mi, 17:35 % YTD
EUR/USD 1,1858 +0,03% 1,1801 1,1836 +5,7%
EUR/JPY 125,86 +0,01% 125,44 125,60 +3,2%
EUR/CHF 1,0780 -0,17% 1,0777 1,0779 -0,7%
EUR/GBP 0,8930 +0,58% 0,8876 0,8895 +5,5%
USD/JPY 106,14 -0,02% 106,27 106,12 -2,4%
GBP/USD 1,3279 -0,55% 1,3297 1,3305 +0,2%
USD/CNH (Offshore) 6,8483 +0,21% 6,8456 6,8339 -1,7%
Bitcoin
BTC/USD 10.712,68 -5,88% 11.369,26 11.346,76 +48,6%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 41,34 41,51 -0,4% -0,17 -27,8%
Brent/ICE 43,97 44,43 -1,0% -0,46 -28,7%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.931,95 1.942,80 -0,6% -10,86 +27,3%
Silber (Spot) 26,63 27,53 -3,2% -0,89 +49,2%
Platin (Spot) 893,73 909,60 -1,7% -15,88 -7,4%
Kupfer-Future 2,95 3,00 -1,7% -0,05 +4,7%
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September 03, 2020 16:09 ET (20:09 GMT)

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