MÄRKTE EUROPA/Etwas leichter - Vorlagen aus China belasten

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--Europas Börsen zeigen sich am Dienstagnachmittag weiterhin überwiegend etwas leichter. Der DAX fällt um 0,6 Prozent auf 15.532 Punkte, der Euro-Stoxx-50 gibt um 0,7 Prozent auf 4.073 Punkte nach. "Der anhaltende Druck auf die Börsen in Fernost belastet auch die Stimmung auf dem Frankfurter Börsenparkett", heißt es beim Brokerhaus Axi. Besonders die chinesischen Börsen haben ihre Talfahrt am Morgen noch einmal beschleunigt.


Die Machthaber in Peking erhöhen ihren Druck vor allem auf die Technologiekonzerne, was die Investoren laut Axi verunsichert. Daneben halten sich die Anleger aber auch vor der geldpolitischen Entscheidung der US-Notenbank am Mittwoch zurück. Dort dürfte besonders auf die Aussagen zur Inflation geschaut werden. Die Anleger interessieren sich vor allem für Hinweise, wann die Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm zurückfahren wird.


Mit der Festlegung eines entsprechenden Zeitplans der US-Notenbank rechnet Michael Blumenroth, Kapitalmarktstratege der Deutschen Bank, aber noch nicht. Der US-Arbeitsmarkt sei mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 5,9 Prozent noch ein gutes Stück von der Vollbeschäftigung entfernt, während die konjunkturelle Unsicherheit angesichts der grassierenden Delta-Variante des Coronavirus zugenommen habe. Die Eurozone werde einer geldpolitische Wende in den USA ohnehin erst mit erheblicher Verzögerung folgen, heißt es am Markt.


In Europa verlieren die Stoxx-Indizes der vom chinesischen Markt vergleichsweise stark abhängigen Auto-Aktien und der rohstoffnahen Basic Resources jeweils 1,3 Prozent. Genauso deutlich gibt der Stoxx-Index der Banken ab: "Die Entwicklung in China mit der zunehmenden Regulierung der Technologie dämpft die Konjunktur", so ein Marktteilnehmer. Das wiederum lasse wenig Fantasie für eine Versteilerung der zuletzt schon wieder stark verflachten Zinskurven, und das drücke auf die Ertragserwartungen für die Banken.


Gut halten sich Pharma-, Chemie- und Nahrungsmittel-Aktien, ihre Branchenindizes können sich knapp behaupten. Der Index der Reise- und Freizeit-Aktien notiert gut behauptet, hier ziehen Tui um 4 Prozent an. Tui spricht von einem guten Beginn der Sommersaison und hat eine Kreditlinie mit den Banken verlängert.


Im DAX erholen sich SAP um 1,9 Prozent, Merck steigen um 0,3 Prozent. Auf der anderen Seite verlieren BMW 2,3 Prozent und Bayer 2 Prozent.


LVMH mit besseren Zahlen


"Beim EBIT hat LVMH die Markterwartung um 10 Prozent übertroffen", so ein Aktienhändler zu den Zahlen zum zweiten Quartal. Die Analysten blasen ins gleiche Horn, so erwartet die Citi, dass der Konsens beim EBIT um 10 bis 15 Prozent nach oben genommen werden müsse. Die starken Ergebnisse von LVMH im Bereich Fashion & Leather und die positive Überraschung im Bereich Watches & Jewelry lieferten eine Überraschung. Nach den zuletzt guten Zahlen von Richemont, Swatch, Burberry und Hugo Boss sollte der Sektor wieder verstärkt in den Blick der Investoren geraten. LVMH steigen am Nachmittag um 0,8 Prozent.


Michelin hat nach Aussage der Jefferies-Analysten ein starkes erstes Halbjahr abgeliefert. Dabei profitierte der französische Reifenhersteller sowohl vom besseren Volumen als auch von dem Preismix. Aber auch der Cashflow habe sich in einem saisonal schwachen Halbjahr mit 350 Millionen Euro überraschend stark präsentiert. Der Konsens der Analysten liege deutlicher unter dem Ausblick, so dass es hier zu Anpassungen kommen sollte. Am Nachmittag präsentiert sich die Michelin-Aktie 0,4 Prozent fester.


Nach einem überzeugenden ersten Halbjahr gehen die Analysten der Citi davon aus, dass Lagardere auf das Jahr gesehen die Markterwartung erreichen, wenn nicht übertreffen werde. Dabei profitierte der französische Medienkonzern im ersten Halbjahr von guten Umsätzen in den Geschäftsbereichen Verlagswesen und Reiseeinzelhandel. Lagardere gewinnen an der Pariser Börse fast 9 Prozent.


Die Zahlen von Logitech werden zu Gewinnmitnahmen genutzt: Zwar legte der operative Gewinn um 143 Prozent auf 203 Millionen Dollar zu, bereinigt lag er bei 235 Millionen Dollar und damit doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Konsens wurde damit leicht übertroffen, ist aus dem Handel zu hören. Für die Logitech-Aktie geht es aber um 8 Prozent nach unten.


Dürr und Kion heben den Ausblick an


Bei Dürr (+9,6%) läuft es momentan rund, der positive Impuls kommt auch von der guten Auftragslage bei Homag. Neben den Einsparungen durch umfassende Kapazitätsanpassungen und Strukturverbesserungen ist das dynamische Wachstum bei Homag der wesentliche Treiber für die Entwicklung. Der Anlagen- und Maschinenbauer aus dem MDAX rechnet nunmehr mit 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro Umsatz und einer EBIT-Marge von 5,0 bis 6,0 Prozent, damit liege die Zielspanne beim Umsatz um 150 Millionen Euro höher als bisher und das Renditeziel um 80 Basispunkte.


Kion hat am Vorabend den Ausblick angehoben, was für die Analysten der Citigroup überraschend kam. Die Anhebung der Prognose für 2021 im niedrigen einstelligen Bereich werde als ermutigend angesehen, da Kion als "gefährdet" mit Blick auf die Inflation der Stahlinputkosten eingestuft worden sei. Die kleine implizite Anhebung des Ausblicks deute nun darauf hin, dass auch in der zweiten Jahreshälfte keine wesentlichen Auswirkungen gesehen würden. Zudem wurde die Prognose für den Auftragseingang des Konzerns angehoben. Der Kurs fällt aber mit dem Markt um 1,3 Prozent.


Jungheinrich profitieren mit einem Plus von 2,4 Prozent von einer Kaufempfehlung durch Berenberg. Zeitweise hatten sie allerdings schon deutlich stärker im Plus gestanden.


Analysten laufen Morphosys-Baisse hinterher


Bei Morphosys setzt sich die Baisse fort. Der Kurs stürzt nach der jüngsten Umsatzwarnung um weitere 9 Prozent ab auf 45,46 Euro. Die Fundamentalanalysten laufen dem Kurs weiterhin hinterher: So haben die Commerzbank-Analysten die Aktie am Morgen auf Halten herabgestuft und das Kursziel auf 59 Euro von 105 Euro heruntergenommen.


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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 4.073,28 -0,7% -29,31 +14,7%
Stoxx-50 3.530,71 -0,5% -17,41 +13,6%
DAX 15.531,59 -0,6% -87,39 +13,2%
MDAX 34.967,05 -0,3% -121,50 +13,5%
TecDAX 3.635,58 -0,2% -8,84 +13,2%
SDAX 16.318,86 -0,6% -100,84 +10,5%
FTSE 6.994,09 -0,4% -31,34 +8,7%
CAC 6.545,65 -0,5% -32,95 +17,9%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,44 -0,02 +0,13
US-Zehnjahresrendite 1,24 -0,06 +0,32

DEVISEN zuletzt +/- % Di, 8:18 Uhr Mo, 17:25 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1812 +0,1% 1,1795 1,1810 -3,3%
EUR/JPY 129,83 -0,4% 129,98 130,27 +3,0%
EUR/CHF 1,0807 -0,0% 1,0808 1,0818 -0,0%
EUR/GBP 0,8549 +0,1% 0,8539 0,8544 -4,3%
USD/JPY 109,91 -0,4% 110,21 110,30 +6,4%
GBP/USD 1,3820 -0,0% 1,3812 1,3823 +1,1%
USD/CNH (Offshore) 6,5141 +0,5% 6,4843 6,4847 +0,2%
Bitcoin
BTC/USD 38.527,26 +3,8% 37.213,26 38.369,47 +32,6%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 71,91 71,91 0% 0,00 +49,2%
Brent/ICE 74,57 74,50 +0,1% 0,07 +45,9%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.800,93 1.797,53 +0,2% +3,41 -5,1%
Silber (Spot) 25,05 25,18 -0,5% -0,13 -5,1%
Platin (Spot) 1.061,00 1.068,50 -0,7% -7,50 -0,9%
Kupfer-Future 4,57 4,59 -0,3% -0,01 +29,6%
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July 27, 2021 09:59 ET (13:59 GMT)

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