MÄRKTE USA/Dow & Co kommen über Erholungsansatz nicht hinaus

(DJLL) Von DJ


Von Steffen Gosenheimer


NEW YORK (Dow Jones)--Nach dem Ausverkauf am Dienstag ist am Mittwoch ein erster Erholungsversuch an der Wall Street nach einem schwachen Schlussgeschäft weitgehend verpufft. Am Vortag hatten die Indizes die größten Tagesverluste seit Mai eingefahren, wofür vor allem Sorgen vor einer strafferen Geldpolitik verantwortlich waren.


Nach zwischenzeitlichen Gewinnen bis knapp 1 Prozent ging der Dow-Jones-Index mit einem Plus von 0,3 Prozent und 34.391 Punkten aus dem Tag. Der S&P-500 legte ähnlich zu, die Nasdaq-Indizes mit ihren zinsempfindlichen Technologie- und Wachstumswerten schlossen nur knapp behauptet.


An der Nyse wurden nach ersten Angaben 1.936 (Dienstag: 643) Kursgewinner und 1.376 (2.679) -verlierer gezählt. Unverändert schlossen 106 (84) Titel.


Marktteilnehmer sprachen nur von einer technischen Gegenbewegung, denn die Belastungsfaktoren seien nicht verschwunden - allen voran das Thema Inflation und Zinsen. Am Anleihemarkt kamen nach einer sechstägigen Aufwärtsbewegung die Renditen erstmals wieder etwas zurück, aber nur wenig - im Zehnjahresbereich um 1 Basispunkt auf 1,53 Prozent.


Marktexperte Mark Holman von Twentyfour Asset Management kommentierte, die Inflationsrisiken hätten derzeit die Oberhand gewonnen über Befürchtungen eines sich verlangsamenden Wirtschaftswachstums.


Im Blick standen daher Aussagen vom geldpolitischem Forum der EZB. US-Notenbankchef Powell wiederholte dort, dass die anhaltenden Lieferengpässe dazu führen könnten, dass die Inflation länger als erwartet auf ihrem derzeit erhöhten Niveau verharrt. Er bekräftigte aber zugleich seine Überzeugung, dass der Inflationsanstieg nur vorübergehend sei.


Im Hintergrund schwelte derweil weiter die Sorge um den US-Haushalt. Demokraten und Republikaner ringen weiter um einen Kompromiss, um eine Zahlungsunfähigkeit ab dem 18. Oktober zu verhindern. Mehrheitlich wird am Markt aber damit gerechnet, dass wie so oft in letzter Minute noch eine Einigung erzielt wird.


Dollar legt weiter zu


Der Dollar war weiter im Höhenflug. Der Dollar-Index gewann fast 0,7 Prozent und lag so hoch wie vor knapp einem Jahr. Der Euro fiel auf unter 1,16 Dollar und den niedrigsten Stand seit Sommer 2020. Der Greenback profitierte als sicherer Hafen laut Marktexperten vom aktuell wieder höheren Sicherheitsbedürfnis der Anleger und den Erwartungen einer strafferen Geldpolitik. "Das aktuelle Marktumfeld bietet die perfekte Kombination aus Faktoren, die den Dollar unterstützen", hieß es von den Analysten der ING.


Die Ölpreise zeigten sich zuletzt knapp 1 Prozent niedriger und steckten damit unerwartet gestiegene wöchentliche US-Ölvorräte relativ gut weg, wie auch den festeren Dollar, der das Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum verteuert. In den Wochen zuvor waren die US-Ölvorräte kontinuierlich gesunken. Marktteilnehmer verwiesen aber darauf, dass im Wochenvergleich die Nachfrage nach Benzin kräftig gestiegen sei.


Eine kräftige Gegenreaktion gab es bei den Gaspreisen, die nach einem Anstieg von 22 Prozent in den vergangenen vier Tagen knapp 7 Prozent einbüßten.


Weiter abwärts ging es mit dem Goldpreis. Er verlor 9 auf 1.725 Dollar. So billig war das Edelmetall zuletzt vor einem halben Jahr. Mit dem Anstieg der Anleiherenditen verliert das selbst keine Zinsen abwerfende Edelmetall als Geldanlage an Attraktivität.


Micron leiden unter schwachem Ausblick


Die Micron-Aktie büßte 2,0 Prozent ein. Zwar lagen die Zahlen des Chipherstellers für das vierte Quartal über den Markterwartungen, doch der Ausblick für das laufende erste Geschäftsquartal enttäuschte. Intel gaben um 0,9 Prozent nach, AMD um 1,2 und Nvidia um 0,9 Prozent. Der S&P-500-Index der Halbleiteraktien war mit einem Minus von 1,4 Prozent das Branchenschlusslicht.


Das Schwergewicht Boeing machte eine Satz um 3,2 Prozent nach oben und war damit allein für rund die Hälfte des Dow-Tagesgewinns verantwortlich. Händler verwiesen auf einen Reuters-Bericht, wonach ein führender Manager bei der Flugzeugmesse im chinesischen Zhuhai von gut verlaufenen Rezertifizierungsflügen des Problemfliegers 737 MAX gesprochen habe. Das schürte Spekulationen über mögliche Aufträge aus dem Reich der Mitte. Hinzu kam die Meldung eines Militärauftrags über 23,8 Milliarden Dollar.


Der Kurs des Einzelhändlers Dollar Tree schoss um gut 16 Prozent nach oben. Der Discounter hatte angekündigt, Produkte mit neuen Preispunkten oberhalb der etablierten 1-Dollar-Marke anzubieten, um so die Kundenbasis zu erweitern.


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INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
DJIA 34.390,72 +0,3% 90,73 +12,4%
S&P-500 4.359,46 +0,2% 6,83 +16,1%
Nasdaq-Comp. 14.512,44 -0,2% -34,24 +12,6%
Nasdaq-100 14.752,89 -0,1% -17,42 +14,5%

US-Anleihen
Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD
2 Jahre 0,29 -0,8 0,30 17,6
5 Jahre 1,00 -2,1 1,02 64,0
7 Jahre 1,33 -0,4 1,33 68,0
10 Jahre 1,53 -1,2 1,54 61,0
30 Jahre 2,08 -0,9 2,09 43,1

DEVISEN zuletzt +/- % Mi, 8:22 Uhr Di, 17:02 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1592 -0,8% 1,1681 1,1671 -5,1%
EUR/JPY 129,84 -0,3% 130,25 130,09 +3,0%
EUR/CHF 1,0842 -0,1% 1,0854 1,0841 +0,3%
EUR/GBP 0,8638 +0,1% 0,8625 0,8625 -3,3%
USD/JPY 112,00 +0,4% 111,46 111,44 +8,4%
GBP/USD 1,3421 -0,9% 1,3552 1,3534 -1,8%
USD/CNH (Offshore) 6,4790 +0,1% 6,4679 6,4621 -0,4%
Bitcoin
BTC/USD 41.161,26 -1,7% 42.201,75 41.474,26 +41,7%


ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 74,62 75,29 -0,9% -0,67 +56,0%
Brent/ICE 78,26 79,09 -1,0% -0,83 +53,8%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.725,29 1.733,95 -0,5% -8,66 -9,1%
Silber (Spot) 21,54 22,48 -4,2% -0,94 -18,4%
Platin (Spot) 954,05 971,70 -1,8% -17,65 -10,9%
Kupfer-Future 4,17 4,25 -1,8% -0,08 +18,3%
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September 29, 2021 16:14 ET (20:14 GMT)

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