MÄRKTE EUROPA/DAX etwas erholt - weiterhin große Ausschläge

(DJLL) Von DJ


Von Herbert Rude


FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Aktienmärkten können sich die Kurse am Dienstagnachmittag etwas erholen. Der DAX gewinnt 0,9 Prozent auf 15.151 Punkte, der Euro-Stoxx-50 legt um 0,9 Prozent auf 4.090 Punkte zu. Gekennzeichnet ist die Entwicklung im DAX weiterhin von schnellen und auch immer noch relativ großen Tendenzwechseln zwischen der 15.000er und der 15.200er Marke. Etwas gestützt wird die Stimmung vom ifo-Geschäftsklima-Index, der entgegen den Erwartungen deutlich zugelegt hat auf 95,7 von 94,7 im Dezember. Die Deutsche Bank meint, das Szenario eines kräftigen Aufschwungs bleibe damit intakt.


Trotzdem bleiben die Marktteilnehmer nach dem Absturz der vergangenen Tage nervös. Denn zu verdanken ist die Stabilisierung unter anderem der Hoffnung auf eine Entspannung der Ukraine-Krise. Sollte sich diese aber trotz der angesetzten Gespräche wieder verschärfen, könnten die europäischen Energiepreise stark steigen und so die Aktienkurse wieder drücken.


Hohe Kursausschläge vor Fed-Sitzungen nicht ungewöhnlich


Daneben steht die Sitzung der US-Notenbank im Blick. Einige Marktteilnehmer meinen mit Blick auf den jüngsten Kursrutsch sogar, er sei das übliche Verhalten der Börse vor einer US-Notenbanksitzung: Der Markt signalisiere der Fed damit, was passieren könnte, wenn sie bei ihren Zinserhöhungen, oder schlimmer noch einer Bilanzverkürzung, zu harsch vorgehen sollte. Da der Schwenk der US-Geldpolitik an den Märkten bereits eingepreist wurde, dürften die von der Fed-Entscheidung am Mittwoch ausgehenden Impuls überschaubar ausfallen.


Unklar ist sich der Markt derzeit über den Pfad der künftigen Zinserhöhungen. "Wir sind in einem Wait-and-See-Modus, was der unkomfortabelste Platz von allen ist", so Lindsey Bell, Chef-Strategin von Ally Invest. Angesichts der explodierenden Inflation mussten die Börsen ihre Zinserwartungen schon mehrfach verschärfen: Während im Sommer vergangenen Jahres lediglich mit einer Zinsanhebung in 2022 gerechnet wurde, wurden zwischenzeitlich sogar fünf Schritte um jeweils 0,25 Prozent an den Märkten eingepreist, sogar über einen "großen" März-Schritt um 50 Basispunkte war spekuliert worden. Das scheint nach den jüngsten Marktturbulenzen vom Tisch zu sein, die US-Geldmarkt-Futures deuten nun wieder auf 4 Schritte a 25 Basispunkte hin.


Berichtssaison eher positiv


Im DAX steigen Fresenius Medical Care bei großen Umsätzen um 7,5 Prozent und Siemens Energy um 3,4 Prozent. Auf der anderen Seite geben Delivery Hero 3,7 Prozent ab und Hellofresh 1,8 Prozent. Im MDAX steigen Commerzbank um 3,3 Prozent auf 7,35 Euro, nachdem Morgan Stanley das Kursziel auf 9,10 Euro erhöht hat von 8,90 Euro.


In Europa legen die Stoxx-Branchenindizes der Banken und der Telekom-Konzerne mit Pluszeichen von mehr als 2 Prozent am stärksten zu. Der Index der Technologie-Aktien schließt sich der Rally nicht an und gibt um weitere 0,4 Prozent nach.


In Europa stützt auch die Berichtssaison die Stimmung. Nach IBM am Montagabend hat am Morgen auch Ericsson unerwartet starke Zahlen zu Umsatz und Gewinn vorgelegt. Zudem wird im Handel die Bruttomarge gelobt, die auf 43,5 Prozent anstieg. Der Markt feiert die Zahlen mit einem Aktienplus von 7,7 Prozent.


Lufthansa stehen im Blick mit möglichem Kaufinteresse in Italien. Die Airline und die Reederei MSC haben ihr Interesse an der Mehrheit der ITA Airways offiziell bekundet. Marktteilnehmer fürchten jedoch erneuten Kapitalbedarf, um den Zukauf zu stemmen, die Lufthansa-Aktien ziehen um 1,9 Prozent an.


Bei Remy Cointreau in Paris geht es 2,1 Prozent tiefer trotz guter Zahlen zum dritten Quartal. Gelobt wurde das organische Umsatzwachstum, es ist mit 21 Prozent über der Marktschätzung von 15,1 Prozent ausgefallen.


Aus der Schweiz kommen gute Nachrichten vom Uhrenhersteller Swatch. Er ist im vergangenen Jahr stark gewachsen und traut sich auch 2022 eine rasche Expansion zu. Der operative Gewinn sprang über die Marke von 1 Milliarde Franken. Auch für 2022 ist man optimistisch und erwartet ein zweistelliges Wachstum. Der Kurs gibt trotzdem um 3,4 Prozent nach.


Die Credit Suisse rechnet im Schlussquartal 2021 dagegen wegen hohen Rückstellungen nur mit einem in etwa ausgeglichenen Ergebnis vor Steuern. Im vierten Quartal seien für Rechtsstreitigkeiten 500 Millionen Franken zurückgestellt worden, die aber teilweise durch Gewinne von Immobilienverkäufen von 225 Millionen Franken ausgeglichen werden. Bei den Aktien geht es 1,9 Prozent abwärts.


Die Aktie von Home24 knickt um 10 Prozent ein. Der Online-Möbelhändler hat am Vorabend gemeldet, für das Jahr 2021 seine Umsatzprognose knapp verfehlt zu haben. Das währungsbereinigte Umsatzwachstum von 27 Prozent lag demnach knapp unter dem prognostizierten Anstieg um 28 bis 32 Prozent.


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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 4.066,48 +0,3% 12,12 -5,4%
Stoxx-50 3.667,59 +0,6% 21,51 -4,0%
DAX 15.074,17 +0,4% 63,04 -5,1%
MDAX 32.341,94 +0,3% 102,11 -7,9%
TecDAX 3.353,98 +0,3% 9,87 -14,4%
SDAX 14.500,13 +0,3% 36,27 -11,7%
FTSE 7.345,22 +0,7% 48,07 -1,2%
CAC 6.827,85 +0,6% 40,06 -4,6%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,10 +0,01 +0,08
US-Zehnjahresrendite 1,74 -0,03 +0,23

DEVISEN zuletzt +/- % Di,8:18 Mo, 17:30 % YTD
EUR/USD 1,1281 -0,4% 1,1310 1,1311 -0,8%
EUR/JPY 128,43 -0,5% 128,71 128,83 -1,9%
EUR/CHF 1,0355 -0,0% 1,0366 1,0350 -0,2%
EUR/GBP 0,8373 -0,3% 0,8391 0,8407 -0,4%
USD/JPY 113,85 -0,1% 113,79 113,90 -1,1%
GBP/USD 1,3472 -0,1% 1,3477 1,3452 -0,4%
USD/CNH (Offshore) 6,3361 +0,0% 6,3364 6,3377 -0,3%
Bitcoin
BTC/USD 36.647,26 +0,6% 35.740,04 34.549,88 -20,7%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 83,81 83,31 +0,6% 0,50 +11,9%
Brent/ICE 87,08 86,27 +0,9% 0,81 +11,7%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.852,28 1.843,04 +0,5% +9,24 +1,2%
Silber (Spot) 23,93 23,97 -0,2% -0,04 +2,6%
Platin (Spot) 1.026,30 1.031,17 -0,5% -4,87 +5,8%
Kupfer-Future 4,43 4,41 +0,5% +0,02 -0,7%
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January 25, 2022 10:02 ET (15:02 GMT)

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