MÄRKTE USA/Rezessionsängste drücken Wall Street auf Jahrestiefs

(DJLL) Von DJ


NEW YORK (Dow Jones)--Der Inflationsschock vom Wochenschluss hat am Montag an der Wall Street nachgewirkt und die Kurse auf Jahrestief gedrückt. Der Dow-Jones-Index büßte weitere 2,8 Prozent auf 30.517 ein, S&P-500 und Nasdaq-Composite rauschten um 3,9 bzw. 4,7 Prozent talwärts. An der New Yorker Börse wurden 187 (Freitag: 558) Kursgewinner gezählt, ihnen standen 3.169 (2.743) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 78 (92) Titel. Steigende Marktzinsen belasteten vor allem die technologielastige Nasdaq, der marktbreite S&P-500 wechselte in den Bärenmarktmodus.


Stärker als erwartet gestiegene Verbraucherpreise hatten zuletzt Hoffnungen zerschlagen, die Teuerung könnte ihren Höhepunkt erreicht haben. Gleichzeitig nährten sie Befürchtungen, dass die US-Notenbank die geldpolitischen Zügel noch energischer anziehen könnte, um die Inflation zu bekämpfen. Letztlich werde aber wohl erst eine Rezession die Inflation ausbremsen, so Warnungen am Markt.


"Allein die Tatsache, dass die Erwartungen (der Inflation) übertroffen wurden, hat die Nerven der Anleger noch mehr strapaziert und gezeigt, wie schwierig es ist, die Inflation unter Kontrolle zu halten", sagte Investmentstrategin Susannah Streeter von Hargreaves Lansdown.


Fed muss liefern


Genaueres über das weitere Vorgehen der Federal Reserve werden die Anleger erst im Anschluss an die Zinssitzung der Notenbank am Mittwoch erfahren. Am Markt kursierten Spekulationen über eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte statt um die zuletzt von der Fed signalisierten 50. "Das Sentiment hat sich dramatisch verändert", fasste Peter Garnry, Head of Equity Strategy bei der Saxo Bank, die Lage zusammen. Die Marktteilnehmer hätten begriffen, "dass wir eine galoppierende Lebensmittelkrise haben", ausgelöst durch den russischen Überfall auf die Ukraine. China könnte derweil in den kommenden Monaten immer wieder neue Lockdowns verhängen, wodurch sich Lieferkettenstörungen verstärkten. Garnry hält eine Rezession für nunmehr sehr wahrscheinlich - als "einzige Option, um Nachfrage und Inflation abzuwürgen".


Am Anleihemarkt droht inverse Zinsstrukturkurve


Am Anleihemarkt zogen die Renditen erneut steil an. Der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Titel hatte sich stark verringert. Es droht eine inverse Zinskurve, die als Vorbote einer Rezession gilt. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen erreichte indes das höchste Niveau seit Frühjahr 2011. Die LBBW merkte an, dass die US-Benchmarkrendite erstmals seit Jahrzehnten über den Höchststand des vorherigen Zinszyklus geklettert sei. Es wüchsen die Anzeichen, dass der langfristige Zinsabwärtstrend selbst Geschichte sei, so Rentenanalyst Elmar Völker.


Die Verunsicherung trieb Anleger weiter in den als Fluchtwährung in Krisenzeiten beliebten Dollar - auch getrieben durch die gestiegenen Marktzinsen. Der Dollarindex schoss um weitere 1 Prozent empor. Kryptowährungen wurden derweil heftig abverkauft. Die Krypo-Kredit-Platform Celsius Networks sah sich wegen des Kursverfalls gezwungen, Abhebungen und Überweisungen auszusetzen.


Die Ölpreise wurden zunächst belastet von Spekulationen über eine nachlassende Nachfrage angesichts der drohenden Rezession, aber auch durch neuerliche Lockdowns in China. Zudem verteuert der festere Dollar den Rohstoff für Käufer aus dem Nichtdollarraum. Darüber hinaus wurde spekuliert, US-Präsident Joe Biden könnte in Saudi-Arabien darauf dringen, dass das Erdölkartell Opec mehr fördert und so die Preise drückt. Doch sorgten Berichte über eine drastische Förderreduzierung in Libyen für eine Erholung der Erdölpreise.


Auf dem Goldpreis lasteten neben dem stärkeren Dollar die gestiegenen Marktzinsen. Sie verringern die Attraktivität des zinslos gehaltenen Edelmetalls. Dazu machten Meldungen über gewaltige Goldfunde in Uganda am Markt die Runde.


Coinbase folgen Krypto-Währungen nach unten


Im Zuge des Ausverkaufs bei Krypto-Währungen brach die Aktie der Krypto-Handelsplattform Coinbase um 11,4 Prozent ein. Die Tesla-Aktie konnte sich der negativen Stimmung nicht entziehen und verlor 7,1 Prozent. Im nachbörslichen Handel am Freitag hatten die Titel noch von den Details zum anstehenden Aktiensplit profitiert.


Skeptisch blickten Anleger auch auf die Mittelfristziele der New York Times (-11,6%). Klar besser als der Markt hielten sich Choice Hotels International (-0,1%), nachdem das Unternehmen den Kauf der Radisson Hotel Group Americas für 675 Millionen Dollar angekündigt hatte.


Die Aktien von Revlon brachen um weitere 42,9 Prozent ein, nachdem die Titel am Vortag um 53 Prozent abgesackt waren. Ursächlich war ein Bericht des Wall Street Journal (WSJ), wonach der Kosmetikhersteller Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen wolle.


===
INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
DJIA 30.516,94 -2,8% -875,85 -16,0%
S&P-500 3.749,69 -3,9% -151,17 -21,3%
Nasdaq-Comp. 10.809,23 -4,7% -530,80 -30,9%
Nasdaq-100 11.288,32 -4,6% -544,50 -30,8%

US-Anleihen
Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD
2 Jahre 3,35 +28,1 3,07 261,6
5 Jahre 3,49 +22,7 3,27 223,3
7 Jahre 3,48 +23,9 3,24 203,8
10 Jahre 3,38 +22,4 3,16 187,5
30 Jahre 3,37 +17,5 3,19 146,9

DEVISEN zuletzt +/- % Mo, 8:16 Uhr Fr, 17:33 Uhr % YTD
EUR/USD 1,0408 -1,0% 1,0481 1,0518 -8,5%
EUR/JPY 139,84 -1,1% 141,11 141,12 +6,9%
EUR/CHF 1,0395 +0,1% 1,0367 1,0401 +0,2%
EUR/GBP 0,8584 +0,5% 0,8549 0,8538 +2,2%
USD/JPY 134,37 -0,0% 134,66 134,14 +16,7%
GBP/USD 1,2125 -1,6% 1,2261 1,2319 -10,4%
USD/CNH (Offshore) 6,7853 +0,8% 6,7552 6,7308 +6,8%
Bitcoin
BTC/USD 23.355,00 -14,6% 25.426,65 29.341,32 -49,5%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 120,89 120,67 +0,2% 0,22 +66,1%
Brent/ICE 121,86 122,01 -0,1% -0,15 +61,5%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.823,23 1.871,40 -2,6% -48,18 -0,3%
Silber (Spot) 21,16 21,89 -3,4% -0,74 -9,2%
Platin (Spot) 934,50 977,07 -4,4% -42,57 -3,7%
Kupfer-Future 4,20 4,29 -2,2% -0,10 -5,5%
===


Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com


DJG/DJN/flf


(END) Dow Jones Newswires


June 13, 2022 16:08 ET (20:08 GMT)

Copyright (c) 2022 Dow Jones & Company, Inc.