Stellungnahme zu MiFID II/MiFIR

Offene Fragen und Problemfelder führen in der Praxis zu erheblichen Mehraufwänden bei Emittenten, Banken und Handelsplätzen– ohne Mehrwert für den Anleger zu erzeugen

Das MiFID II/MiFIR Fazit der Börse Stuttgart fällt gemischt aus: Der „Go-Live“ der Neuregelungen verlief gegeben das äußerst umfangreiche Regelwerk operativ reibungslos. Das Ziel des Gesetzgebers, durch die Stärkung des regulatorischen Rahmens wieder mehr Privatanleger von einem Engagement im Kapitalmarkt zu überzeugen, wurde nicht erreicht. Einige sinnvolle Regelungen werden im komplexen Wechselspiel zwischen Marktteilnehmern ausgehebelt. Dem Gedanken der Proportionalität in der Regelsetzung für Börsen muss mehr Rechnung getragen werden. Die Leitplanken für die digitale Welt sollten zügig gesetzt werden.

Die Börse Stuttgart begrüßt die vorgesehene Überprüfung der MiFID II Vorschriften. Die fristgerechte Umsetzung der neuen regulatorischen Anforderungen war bei allen Beteiligten mit großem Aufwand verbunden. Für die konstruktive und engagierte Begleitung dieses Prozesses durch das Bundesministerium der Finanzen, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
und die Börsenaufsichtsbehörden (BAB) der Länder bedankt sich die Börse Stuttgart ausdrücklich. Zugleich werden weitere Anstrengungen erforderlich sein, um ein Level Playing Field der Börsen gegenüber dem bilateralen Handel zu schaffen und die Besonderheiten des deutschen Finanzplatzes im Rahmen der europäischen Finanzmarktregulierung angemessen zu berücksichtigen.

Im Folgenden beschreiben wir unsere Erfahrungen und den Änderungsbedarf im Hinblick auf die MiFID II. Dabei führen wir Aspekte aus der gemeinsamen Stellungnahme der deutschen Börsen mit auf, detaillieren diese und fügen weitere Erfahrungen hinzu. Der Fokus bei einer Überarbeitung sollte auf solchen Maßnahmen liegen, die eine schnelle Abhilfe versprechen und keine erneuten
umfangreicheren Implementierungskosten zur Folge haben. Weitere Maßnahmen sollten mit einer mittel- bis langfristigen Perspektive – nach ausreichender Konsultation mit den Marktteilnehmern – adressiert werden. Die Stellungnahme der Börse Stuttgart bezieht sich auf das europäische Regelwerk insgesamt, d.h. insbesondere auf die erlassenen Level 1 und Level 2 Regeln.

Handelsplatz ist nicht gleich Handelsplatz – Unterschiedliche Markt- und Geschäftsmodelle müssen bei der Regelsetzung stärker berücksichtigt werden

MiFID II definiert weitreichende Regeln, um potenziellen Risiken aus dem verstärkten Einsatz von Technologie zu begegnen. Im Fokus stehen besonders der algorithmische und als Unterkategorie der hochfrequente Handel. Je nach Ausrichtung der Markt- und Geschäftsmodelle einzelner Handelsplätze werden die Bedürfnisse dieser spezialisierten Händler bedient oder andere Kundengruppen wie z.B. Privatanleger in den Mittelpunkt gerückt. Diese Tatsache spiegelt sich u.a. in den im Einsatz befindlichen Handelssystemen wider: Die Spanne reicht von klassischen Limitorderbüchern mit automatisierten Matching von Orders bis hin zu hybriden Marktmodellen mit menschlicher Interaktion bei der Orderausführung wie an der Börse Stuttgart. Auch die Bedeutung eines Handelsplatzes, z.B. gemessen an dessen Handelsumsatz, sollte ein Kriterium für die Risikobewertung sein. Vor diesem Hintergrund sollte der Gedanke der Proportionalität in der Regulierung von Börsen mehr
Rechnung getragen werden. Möglichkeiten eine stärkere Differenzierung einzelner MiFID II Regelungen vorzunehmen, sollte offen geprüft werden. Klar ist allerdings: Es gilt weiter die Grundregel „Gleiche Geschäfte – gleiche Regeln“.

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