Aktienanleihen

Was sind Aktienanleihen?

Eine Aktienanleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier, das mit einem deutlich über dem marktüblichen Zinsniveau liegenden Zinskupon ausgestattet ist und bei dem die Rückzahlung von der Kursentwicklung des zugrundeliegenden Basiswertes abhängig ist. Am Ende der Laufzeit hat der Emittent das Wahlrecht: Entweder die Rückzahlung des Nominalbetrages oder die Lieferung einer festgelegten Anzahl an Aktien des zugrunde liegenden Basiswerts. Liegt der Anleihe ein Index zugrunde, so erfolgt die Tilgung durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstandes entsprechend dem Bezugsverhältnis in Geld.

Wesentliche Ausstattungsmerkmale von Aktienanleihen

Wesentliche Ausstattungsmerkmale von Aktienanleihen

Basiswert

Die Anleihe bezieht sich auf einen oder mehrere Basiswerte. Der Wert einer Aktienanleihe leitet sich zu einem wesentlichen Teil aus der Bewegung dieses Basiswertes ab. Eine Aktienanleihe entwickelt sich niemals völlig unabhängig vom Basiswert, weshalb man hier auch von “Derivaten”, also “abgeleiteten Wertpapieren” spricht. Anleger sollten sich deshalb erst eine Aktienanleihe kaufen, wenn sie mit dem Basiswert, bspw. einer Aktie, vertraut sind und sich über ihre mögliche Entwicklung bis zur Fälligkeit der Aktienanleihe ein Bild gemacht haben.

Basiswerte für Aktienanleihen sind überwiegend Standardwerte wie bspw. die Deutsche Bank, Daimler und SAP. Ebenso können in- und ausländische Nebenwerte, sowie Indizes wie beispielsweise der DAX30 oder der Euro Stoxx 50 als Basiswert dienen.

Die Zinszahlung

Der Reiz einer Aktienanleihe liegt in ihrer, im Vergleich zu den üblichen Sätzen an den Geld- und Kapitalmärkten, höheren Verzinsung. Die Höhe des Kupons ist abhängig von der Volatilität des Basiswertes und der Laufzeit der Aktienanleihe, und liegt derzeit zwischen 4% und 25%. Die Zahlung der Zinsen erfolgt im Gegensatz zur Rückzahlung unabhängig vom Kurs des Basiswertes. Die Zinsen werden auf jeden Fall gezahlt. Zu welchem Termin die Zinszahlung erfolgt ist von Emittent zu Emittent unterschiedlich.

Die Zinszahlung erfolgt generell für die Zeit zwischen dem Kauf der Aktienanleihe und der Rückzahlung, bzw. dem Verkauf der Aktienanleihe. Der Zinsertrag errechnet sich aus dem jeweiligen Nennwert der Aktienanleihe. Dem Besitzer der Aktienanleihe steht für jeden Tag (Stückzinstag), den er im Besitz der Anleihe ist, der anteilige Zinsbetrag zu. Diesen bekommt er beim Verkauf der Anleihe vor dem eigentlichen Zinstermin vom Käufer vergütet. In diesem Zusammenhang spricht man von sogenannten “Stückzinsen”. Ohne die Stückzinsregelung würde ein Verkauf der Anleihe vor dem Zinstermin seinen Besitzer um den Zinsertrag bringen. Am Zinstermin erhält der Käufer den vollen Zinsbetrag.

Die Rückzahlung

Bei der Emission der Aktienanleihe wird ein Basispreis festgelegt, nach dem sich am Bewertungstag die Rückzahlung richtet. Schließt der zugrunde liegende Basiswert am Bewertungstag auf oder oberhalb des Basispreises, so erfolgt die Rückzahlung zum Nominalbetrag. Schließt der zugrunde liegende Basiswert am Bewertungstag unterhalb des Basispreises, so erfolgt die Rückzahlung in Aktien. Liegt der Anleihe ein Index zugrunde, so kann die Tilgung durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstandes entsprechend dem Bezugsverhältnis in Geld erfolgen.

Vorteile und Risiken

Welche Vorteile hat der Anleger?

Der große Vorteil für den Anleger besteht darin, in jedem Fall einen über den marktüblichen Konditionen liegenden Zinskupon zu beziehen. Die Verzinsung einer Aktienanleihe liegt je nach der Volatilität des zugrunde liegenden Basiswertes und der Laufzeit der Anleihe zwischen ca. 4% und 25%. Hierbei gilt in der Regel: Lässt man andere Parameter außen vor wirkt sich eine hohe Volatilität des Underlyings zum Zeitpunkt der Emission auf eine entsprechend hohe Verzinsung der Anleihe aus.

Wo liegt das Risiko für den Anleger?

Das Risiko des Anlegers besteht bei klassischen Aktienanleihen darin, statt des Nominalwertes der Anleihe den Basiswert bei einem aktuellen Kurs unterhalb des festgelegten Basispreises angedient zu bekommen. Dieses Risiko wird dem Anleger über die Auszahlung eines im Vergleich zum aktuellen Zinsniveau höheren Kupons vergütet.

Börsenhandel von Aktienanleihen

Der Handel von Aktienanleihen erfolgt i.d.R. börsentäglich zwischen 9.00 und 20.00 Uhr. Der anzulegende Nominalbetrag richtet sich dabei nach den Emissionsbedingungen. Einige Aktienanleihen sind ab EUR 1.000,—andere ab EUR 5.000,—handelbar. Für den Anleger eröffnet sich über den Handel an der Börse die Möglichkeit, über limitierte Kauf-, bzw. Verkaufsaufträge oder Stop – Loss /Stop – Buy-Aufträge bedarfsgerechte Handelsstrategien effizient umzusetzen.

Aktienanleihe-Typen

Aktienanleihen auf Aktien

Diesen Anleihen liegen Aktien als Basiswert zugrunde. Meist handelt es sich um deutsche Standardwerte. Diese weisen im Vergleich zu Anleihen auf Aktien im TecDAX ein zumeist niedrigeres Chance-Risikoprofil auf, das sich im vergleichsweise ebenfalls niedrigeren Zinscoupon widerspiegelt.

Aktienanleihen auf Indizes

Der Basiswert dieser Anleihen ist ein Index wie z.B. der DAX, der Dow Jones oder der Euro Stoxx 50. Die Entwicklung der Anleihe ist somit nicht nur von einer einzelnen Aktie sondern von einem ganzen Aktienkorb abhängig.

Besondere Ausstattungsmerkmale von Aktienanleihen

Chooser

Bei dieser Ausgestaltung handelt es sich um eine Aktienanleihe, der zwei Aktien als Basiswert zugrunde liegen (auch sog. Double Equity Linked Bonds, Doppel-Aktienanleihe).

Die Tilgung erfolgt zum Nennbetrag, wenn am Stichtag der Aktienkurs beider Aktien (Referenzaktien) ihren jeweiligen Basispreis nicht unterschreitet. Zur Aktienlieferung kommt es, wenn bei Fälligkeit mindestens eine der beiden Aktien unter ihrem Basispreis notiert. Liegen beide Aktien unter dem zugehörigen Basispreis wird die Aktie geliefert, deren Kurs den Basispreis prozentual stärker unterschreitet. Aufgrund des höheren Risikos sind die Anleihen im Vergleich zu klassischen Aktienanleihen mit einem höheren Kupon ausgestattet.

Knock-in

Hiervon gibt es zwei unterschiedliche Ausgestaltungen:

1. Produkte mit einer Knock-in Schwelle, die über dem Basispreis liegt

Wird im Referenzzeitraum diese Schwelle einmal erreicht bzw. überschritten, wird die Anleihe auf jeden Fall nominal getilgt, unabhängig davon, wie die zugrunde liegende Aktie am Verfallstag notiert. Sobald diese Schwelle also einmal erreicht wurde, hat der Investor die Garantie, keine Aktien angedient zu bekommen.

Nur wenn der Aktienkurs während der gesamten Laufzeit unterhalb der Knock-in Schwelle bleibt, verhält sich diese Anleihe wie eine klassische Aktienanleihe.

Diesen Vorteil zahlt der Investor mit einem im Vergleich zur klassischen Aktienanleihe etwas niedrigeren Coupon, der garantiert gezahlt wird, unabhängig davon, wie die Aktie am Verfallstag notiert.

Produkte mit dieser speziellen Ausgestaltung werden aktuell bspw. von der ING BHF Bank (Golden-Goal-Aktien-Anleihe) emittiert.

2. Produkte mit einer Kursschwelle die unter dem Basispreis liegt

Neben dem Basispreis ist bei diesen Anleihen eine weitere Kursschwelle eingebaut, die i.d.R. rund 20 bis 40% unterhalb des Aktienkurses zum Emissionszeitpunkt liegt. Dieser zweite Preis hat für den Anleger folgende Bedeutung: Im Gegensatz zur herkömmlichen Aktienanleihe wird diese auch dann nominal getilgt, wenn der Aktienkurs am Verfallstag unter dem Basispreis notiert. Das geschieht aber nur dann, wenn der Aktienkurs während der Laufzeit bzw. während des Bewertungszeitraums niemals auf oder unterhalb dieser zweiten Kursschwelle lag.

Die Tilgung der Anleihe erfolgt nur dann in Aktien, wenn die Aktie am Laufzeitende unter dem Basispreis schließt und der Kurs der Aktie während des Bewertungszeitraums mindestens einmal die Kursschwelle berührt oder unterschritten hat.

Im Vergleich zur klassischen Aktienanleihe hängt die Art der Rückzahlung bei diesen Anleihen somit nicht nur vom Kurs der Aktie am Bewertungstag, sondern auch von deren Kursentwicklung während der Laufzeit ab. Die Couponzahlung ist garantiert.

Produkte mit dieser Ausgestaltung werden aktuell bspw. von der Commerzbank (Aktienanleihe Plus Pro) und Sal. Oppenheim (PROTECT- Aktienanleihe) gehandelt.