Knock-Out-Produkte

So funktionieren Knock-Out-Produkte

So funktionieren Knock-Out-Produkte

Knock-out-Produkte sind der Oberbegriff für Hebelzertifikate, die je nach Emittent „Wave“, „Mini-Future“, Classic/Unlimited/BEST oder Smart Turbos“ oder einfach nur „Turbos“ heißen.

Die Funktionsweise dieser Kategorie verbriefter Derivate ist dabei weitgehend identisch. Die emittentenspezifischen Details und Einzelheiten sollten Anleger allerdings den jeweiligen Emissionsbedingungen der Produkte entnehmen.

Grundlagen

Grundsätzlich kann mit Knock-out-Produkten sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse sämtlicher Basiswerte, wie z.B. Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungen, spekuliert werden. Knock-out-Produkte, die von steigenden Kursen profitieren tragen i.d.R. den Namenszusatz „Call“, „Long“ oder „Bull“. Knock-outs, die dagegen auf fallende Kurse setzen, sind mit den Worten „Put“, „Short“ oder „Bear“ gekennzeichnet.

Knock-out-Produkte verfügen über eine Hebelwirkung auf die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Basiswertes. Der Hebel entsteht wie bei Optionsscheinen durch einen im Vergleich zum Direktinvestment geringeren Kapitaleinsatz. Der Vorteil von Knock-out-Produkten gegenüber herkömmlichen Optionsscheinen ist die nahezu lineare Partizipation (unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses) an der Wertentwicklung des jeweiligen Basiswertes.

Die Wertentwicklung von Knock-out-Produkten hängt im Wesentlichen von der Kursbewegung des Basiswertes ab. Der Einfluss der Volatilität auf die Preisentwicklung der Knock-outs ist im Gegensatz zu Optionsscheinen i.d.R. bei vielen Papieren vernachlässigbar.

Knock-out-Barriere

Knock-out-Produkte verfallen, sobald die definierte Knock-out-Barriere vom Basiswert berührt oder durchbrochen wird. Diese Kursbarrieren können sowohl dem Basispreis der Knock-out-Produkte entsprechen als auch dem Basispreis vorgelagert sein. In diesem Fall werden diese Schwellen auch als so genannte Stop-Loss bezeichnet.

Knock-out-Produkte können zu den Zeiten verfallen, in denen der zugrunde liegende Basiswert gehandelt wird. Somit können Knock-outs auf deutsche Aktien i.d.R. zwischen 09.00 und 17.30 Uhr und Knock-out-Papiere auf amerikanische Aktien und US-Indizes in der Zeit zwischen 15.30 und 22.00 Uhr ausknocken. Aufgrund des 24-stündigen Währungshandels können z.B. Euro-Dollar-Knock-out-Produkte sogar rund um die Uhr verfallen. Turbos auf den X-DAX können allerdings auch zwischen 8.00 und 22.00 Uhr verfallen, da man beim X-DAX die vor- und nachbörslichen Entwicklungen des DAX mit berücksichtigt. Im Einzelfall werden die Bedingungen des Emittenten zugrunde gelegt.

Von steigenden Kursen profitieren: „Call“, „Long“ oder „Bull“

Knock-out-Produkte, die auf steigende Kurse eines Basiswertes setzen, tragen in aller Regel zum Produkttyp den Namenszusatz „Call“, „Long“ oder „Bull“. Basiswerte können beispielsweise Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen oder ähnliches sein. Ein Knock-out-Call vollzieht die Kursbewegungen des Basiswertes, etwa einer Aktie, annähernd 1:1 nach. Allerdings entsteht durch den geringeren Kapitaleinsatz im Vergleich zu einem direkten Kauf des Basiswertes eine Hebelwirkung. Bei einem Turbo-Call bezahlt der Anleger nämlich nur den Inneren Wert, also die Differenz zwischen aktuellem Kurs und dem Basispreis, sowie die anfallenden Finanzierungskosten für diese Position. Der Basispreis wird auch als Basis, Basiskurs oder Finanzierungslevel bezeichnet.

Dadurch, dass der Anleger beim Knock-out-Call nur den Inneren Wert bezahlt, vergibt der Emittent indirekt einen Wertpapierkredit bis zur Höhe des Basispreises. Die Kosten für den Kredit bilden dann die Finanzierungszinsen. Der Anleger muss nun diese Zinsen bezahlen und bekommt dagegen die Erträge aus dem Basiswert (zum Beispiel Dividenden) angerechnet. Die Differenz sind dann die Finanzierungskosten, die neben der Emittentenmarge anfallen. Die Finanzierungskosten werden bei begrenzt laufenden Papieren in Form eines Aufgeldes (wird auch als Zeitwert bezeichnet) zum Inneren Wert hinzugerechnet.

Von fallenden Kursen profitieren: „Put“, „Short“ oder „Bear“

Knock-out-Produkte, die auf fallende Kurse eines Basiswertes setzen, sind meistens mit dem Namenszusatz „Put“, „Short“ oder „Bear“ gekennzeichnet. Ihre Funktionsweise ist analog zu der oben beschriebenen Variante, die von steigenden Kursen profitiert. Basiswerte können ebenfalls Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen oder ähnliches sein. Ein Knock-out-Put vollzieht die Kursbewegungen des Basiswertes, eins zu eins nach, verfügt dabei aber über einen Hebel auf den Basiswert. Dieser Hebel wirkt sich aber nur dann positiv für den Besitzer eines Knock-out-Puts aus, wenn der Kurs des jeweiligen Basiswertes sinkt. Steigt entgegen den Erwartungen des Käufers der Kurs des Basiswertes, erleidet der Käufer Verluste. Diese fallen aufgrund des geringen Kapitaleinsatzes ebenfalls prozentual höher aus als beim Direktinvestment in den Basiswert. Steigt der Kurs des Basiswertes auf oder über die Knock-out-Schwelle des Knock-out-Puts, verfällt der Schein augenblicklich. Von einem erneuten Kursrückgang des Basiswertes kann der Anleger nun nicht mehr profitieren.

Knock-out-Produkte sind mit einem Bezugsverhältnis ausgestattet. Ein Bezugsverhältnis von 10:1 (0,1) besagt, dass ein Knock-out-Put jeweils ein Zehntel seines Basiswertes abbildet.

Während Anleger bei einem Knock-out-Bull-Papier einen Wertpapierkredit aufnehmen, vergeben sie bei einem Short-Papier indirekt einen Kredit an den Emittenten. Dafür erhalten sie Zinsen, müssen aber die Erträge aus dem Basiswert, wie etwa Dividenden, abtreten. Da i.d.R. die Zinsen über den Dividendenrenditen liegen, entsteht bei Knock-out-Bear-Papieren häufig ein Abgeld. Da Emittenten allerdings noch eine Marge verlangen, kann der Zinsvorteil geschmälert werden oder sogar ganz ausfallen.

Grundsätzlich sollten Anleger beim Umgang mit Knock-out-Produkten folgende Faktoren beachten:

  • Knock-out-Papiere sind spekulative, meist für kurzfristige Investments gedachte Produkte, die dem Risiko des Totalverlustes ausgesetzt sind.
  • Die Kenntnis des Anlegers über die Funktionsweise und Ausgestaltung des Produktes aufgrund der großen Vielfalt der angebotenen Produkte ist sehr wichtig.
  • Die Knock-out-Barriere beeinflusst das Risiko eines Knock-out-Produktes. Denn grundsätzlich gilt: Notiert der Basiswert weit entfernt von Knock-out-Barriere und Basiskurs, so sind Hebel- und Knock-out-Risiko und damit auch das prozentuale Verlustrisiko geringer. Anleger können auch Limits setzen: die Absicherung über eine Stop-Loss-Order sollte allerdings nicht zu knapp an der Knock-out-Barriere platziert werden.
  • Der Anleger sollte das Marktgeschehen aktiv verfolgen.
  • Je größer der Hebel bei einem Produkt ist, desto höher ist auch das Risiko.