Optionsscheine vielseitig nutzen

Optionsscheine vielseitig nutzen – Absicherung gegen fallende Kurse

Optionsscheine vielseitig nutzen – Absicherung gegen fallende Kurse

Anleger können ihr Depot mit Put-Optionsscheinen gegen fallende Kurse im Basiswert absichern. Einerseits ist die Absicherung auf den Fälligkeitszeitpunkt möglich, die dann als statische Absicherung bezeichnet wird. Andererseits sind Anleger mit Hilfe des Deltas in der Lage, ihr Depot dynamisch abzusichern. Damit bleiben Anleger auch während der Laufzeit des Papiers geschützt.

Statische Absicherung

Voraussetzung für eine erfolgreiche Absicherung ist, dass sich das Depot und der Basiswert gleichen. Um beispielsweise ein Aktiendepot aus deutschen DAX-Titeln gegen fallende Kurse zu schützen, bietet sich ein DAX-Put-Optionsschein an. Mit Put-Optionsscheinen auf Aktien können Anleger aber auch Kursverluste einzelner Titel absichern.

Ein Beispiel: Angenommen, Depot und Basiswert (z.B. der DAX-Index) sind identisch und ein Anleger möchte auf dem aktuellen Niveau des Basiswertes sein Depot über die nächsten 6 Monate absichern. Dazu erwirbt er einen Put-Optionsschein mit einer Laufzeit von 6 Monaten und einem Basispreis in Höhe des aktuellen DAX-Stands, beispielsweise 5000 Punkte. Fällt der Basiswert am Laufzeitende unterhalb des Basispreises, gewinnt der Put – abzüglich der Optionsprämie – den Betrag, den das Depot verliert.

Steigt dagegen der Kurs des Basiswertes und gewinnt damit das Depot an Wert, verfällt der Put wertlos und der Depotinhaber partizipiert – abzüglich der gezahlten Prämie – an den Kurssteigerungen. Die Absicherung mit Put-Optionsscheinen gleicht also einer Versicherung. Im Schadensfall bei sinkenden Kursen greift die Versicherung – der Put gewinnt. Bei Kursanstiegen im Basiswert bleibt der Versicherungsfall dagegen aus, aber die Versicherungsprämie (Optionsprämie) ist verloren.

Wie viele Put-Optionsscheine werden zur Absicherung benötigt?

Die Anzahl der Puts für die statische Absicherung errechnet sich durch folgende Formel:

Anzahl Put-Optionsscheine für einen statischen Hedge = Depotwert / (Stand des Basiswertes / Bezugsverhältnis)

Für ein 10.000 Euro DAX-Depot benötigt ein Anleger 200 Put-Optionsscheine (Bezugsverhältnis 100:1) bei einem DAX-Stand von 5000 Punkten:

10.000 / (5000 / 100) = 200

Angenommen, der Put kostet 2 Euro. Dann kostet die statische Absicherung 400 Euro, also rund 4% des Depotwerts.

Bei der statischen Absicherung sind Anleger ab dem gewählten Basispreis abgesichert. Um die Kosten einer Absicherung zu senken, können Anleger einen tieferen Put-Basispreis wählen. Allerdings sind sie dann erst bei tieferen Kursen, die unter dem aktuellen Kurs des Basiswertes liegen, vor einem Kursrückgang im Basiswert geschützt. Bis zum Basispreis gehen Anleger wie bei einer Versicherung eine Selbstbeteiligung im Schadensfall bei fallenden Kursen ein.

Der Nachteil der statischen Absicherung ist, dass sie auf den Verfallstag des Puts ausgerichtet ist. Was macht aber ein Anleger, der seinen Hedge vor dem Ende der Laufzeit auflösen möchte? In diesem Fall ist eine dynamische Absicherung vorteilhafter.

Dynamische Absicherung

Mit der dynamischen Absicherung kann eine Position in einem Basiswert während der Laufzeit komplett geschützt werden. Das Delta, das die Sensitivität des Puts zum Basiswert während der Laufzeit anzeigt, hilft diesen dynamischen Schutz aufzubauen.

Ein Beispiel: Wir haben in Anlehnung unseres statischen Absicherungsbeispiels 200 Put-Optionsscheine mit einem Basispreis von 5000 Punkten zu einem Optionspreis von 2 Euro erworben (Bezugsverhältnis: 100:1). Der DAX steht bei 5000 Punkten. Das Put-Delta liegt bei -0,5. Das heißt, der DAX-Put macht nur die Hälfte der Kursbewegung des Index während der Laufzeit mit. Fällt der DAX nun innerhalb von 3 Monaten um 10,00% auf 4500 Punkte, gleicht der Put (ceteris paribus) nur die Hälfte dieser Kursbewegung aus. Es entsteht also eine Unterdeckung. Daher muss die Formel zur Berechnung der Anzahl der Puts um das Delta ergänzt werden:

Anzahl Put-Optionsscheine für einen dynamischen Hedge = Depotwert / (Stand des Basiswertes / Bezugsverhältnis x Delta).

Die Anzahl der Puts ist nun doppelt so hoch wie beim statischen Hedge:

10.000 / (5000 / 100 × 0,5) = 400 Put-Optionsscheine

Da der Put nur zur Hälfte die Kursbewegungen des Basiswertes nachvollzieht, muss folgerichtig die doppelte Anzahl an Put-Optionsscheinen erworben werden. Die Absicherungskosten sind daher ebenfalls doppelt so hoch wie beim statischen Hedge. Dafür hat der Anleger beim dynamischen Hedge die Flexibilität während der Laufzeit die Absicherung aufzulösen ohne eine Unterdeckung zu erleiden. Dazu gehört aber auch eine ständige Beobachtung der Hedge-Position, die gegebenenfalls von Zeit zu Zeit angepasst werden muss.