Finanznachrichten

MÄRKTE EUROPA/Anleger lassen Vorsicht walten und nehmen Gewinne mit

06.10.2017 - 18:10 Uhr


Von Thomas Leppert

FRANKFURT (Dow Jones)--An den europäischen Börsen wurden die Investoren vor dem Wochenende etwas vorsichtiger. Händler berichteten von kleineren Gewinnmitnahmen, die Kaufbereitschaft war dagegen zurückhaltend. Unter den Anlegern herrschte weiterhin Ungewissheit, ob sich der Konflikt zwischen Spanien und der Provinz Katalonien entspannt oder die Lage über das Wochenende eskalieren wird. Mit einem Abschlag von 0,3 Prozent schloss die Börse in Madrid bei 10.186 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 gab ebenfalls um 0,3 Prozent auf 3.603 Punkte nach.

Der deutsche Leitindex DAX ging 0,1 Prozent leichter bei 12.956 Punkten aus der Woche. Das neue Rekordhoch von 12.994 Zählern liegt nur knapp unter der "big figure" von 13.000 Punkten. Diese Hürde gilt es kommende Woche zu nehmen.

Der wichtigste Termin des Tages war der US-Arbeitsmarktbericht, der es in sich hatte. Die Hurrikans in Texas und Florida wirbelten den Arbeitsmarkt kräftig durcheinander, im September gingen erstmals seit sieben Jahren wieder Stellen verloren. Zugleich legten allerdings die Stundenlöhne kräftig zu und die Arbeitslosenquote sank. Damit lieferten die Daten sowohl für die Dollar-Bullen wie Bären Argumente, am Ende profitierte der Euro und legte auf 1,1734 Dollar leicht zu.

Abspaltung Kataloniens von Spanien unwahrscheinlich

Als mittelfristig unwahrscheinlich stuft die europäische Ratingagentur Scope eine Abspaltung Kataloniens von Spanien ein. Ungeachtet einer potentiellen, einseitigen Unabhängigkeitserklärung stünden vielfältige juristische, institutionelle, wirtschaftliche und finanzielle Hürden einer tatsächlichen Abspaltung entgegen. Zudem fehlt es Katalonien nach Ansicht der Scope-Analysten an ausreichend internationaler Unterstützung, um erfolgversprechende Verhandlungen mit Madrid zu erzwingen. Kurzfristig sieht Scope geringe Aussichten auf eine Verhandlungslösung. Das langfristig wahrscheinlichste Ergebnis seien größere Autonomierechte für Katalonien.

Niederlande preschen bei Steuernsenkung vor

Positiv beurteilten Marktteilnehmer einen Bericht zu geplanten Steuersenkungen in den Niederlanden. Laut der Zeitung "Het Financieele Dagblad" will die neue niederländische Regierung die Körperschaftsteuer auf 21 von 25 Prozent senken. "Damit schwappt die US-Steuerpolitik nun auf Europa über", sagte ein Marktteilnehmer. Für die europäischen Unternehmen bedeute das mehr Gewinn. Zunächst sollte vor allem die Börse in Amsterdam profitieren. Andere europäische Staaten dürften aber nachziehen. Eine Hausse löst dies allerdings nicht aus, die Börse in Amsterdam schloss 0,6 Prozent im Minus.

Bayer und Sanofi mit Aufschlägen

Bayer hat eine Phase-III-Studie zur Behandlung bestimmter Schlaganfallpatienten mit Xarelto wegen Erfolglosigkeit abgebrochen, was an der Börse zunächst negativ gewertet wurde. Trotz des Rückschlags hält Bayer aber an ihrer Umsatzprognose für das Bestsellermedikament fest. Xarelto steuerte zuletzt knapp 3 Milliarden Euro zum Jahresumsatz von Bayer bei. Für die Aktie ging es um 0,5 Prozent nach oben.

Sanofi stiegen um 0,7 Prozent. "Die Nachfrage nach dem Generika-Geschäft entwickelt sich gut", sagte ein Händler. Sanofi habe laut Berichten sechs Interessenten für die zum Verkauf stehende Sparte. Dazu gehörten Blackstone, CVC, BC Partners, Carlyle, Cinven und Advent, heißt es mit Blick auf einen Bericht des "Figaro". Der Bereich sei etwa 3 Milliarden Euro wert. Außerdem habe Sanofi einen Erfolg im Patentstreit gegen Amgen erzielt.

Die Commerzbank-Aktie schloss 0,6 Prozent im Minus. Händler verwiesen auf Aussagen der Bundesregierung, wonach ein Verkauf der Bundesbeteiligung derzeit nicht in Frage komme. Dem irischen Baustoffkonzern CRH droht bei einem geplanten Zukauf in den USA ein Bietergefecht. Die Aktie zeigte sich in London mit einem Abschlag von 1,3 Prozent schwach.

Easyjet büßten nach einem Zwischenbericht 1,6 Prozent ein. Der britische Billigflieger erreichte zwar das obere Ende der angepeilten Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2016/17, Analysten zeigen sich aber besorgt über den Ausblick. Renault legten um 0,5 Prozent zu, nachdem der Automobilkonzern einen Strategieplan für die kommenden Jahre vorgelegt hat. Daimler profitierten von neuen Absatzzahlen des Automobilkonzerns. Der Konzern sprach von einem Rekordquartal. Die Titel stiegen um 0,4 Prozent, der Automobilsektor schloss unverändert.

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Index                   Schluss-  Entwicklung   Entwicklung  Entwicklung 
                           stand      absolut          in %         seit 
                                                            Jahresbeginn 
Euro-Stoxx-50           3.603,32       -10,22         -0,3%        +9,5% 
Stoxx-50                3.189,97        -9,62         -0,3%        +6,0% 
Stoxx-600                 389,47        -1,56         -0,4%        +7,8% 
XETRA-DAX              12.955,94       -12,11         -0,1%       +12,9% 
FTSE-100 London         7.522,87       +14,88         +0,2%        +5,3% 
CAC-40 Paris            5.359,90       -19,30         -0,4%       +10,2% 
AEX Amsterdam             539,90        -2,97         -0,5%       +11,7% 
ATHEX-20 Athen          1.948,02        +3,67         +0,2%       +11,9% 
BEL-20 Brüssel          4.047,37       -16,81         -0,4%       +12,2% 
BUX Budapest           37.941,82       +65,35         +0,2%       +18,6% 
OMXH-25 Helsinki        4.028,09       -14,68         -0,4%        +9,5% 
ISE NAT. 30 Istanbul  127.495,63      -218,84         -0,2%       +33,5% 
OMXC-20 Kopenhagen      1.035,79        -3,21         -0,3%       +17,2% 
PSI 20 Lissabon         5.427,76       -32,49         -0,6%       +15,3% 
IBEX-35 Madrid         10.185,50       -29,20         -0,3%        +8,9% 
FTSE-MIB Mailand       22.392,52      -173,51         -0,8%       +16,4% 
RTS Moskau              1.133,75       -10,30         -0,9%        -1,6% 
OBX Oslo                  714,02        -5,39         -0,7%       +15,6% 
PX-GLOB  Prag           1.389,24        +0,88         +0,1%       +15,9% 
OMXS-30 Stockholm       1.646,28        -6,87         -0,4%        +8,5% 
WIG-20 Warschau         2.479,46       +16,01         +0,6%       +27,3% 
ATX Wien                3.324,41       -21,09         -0,6%       +27,0% 
SMI Zürich              9.252,12       -10,54         -0,1%       +12,6% 
 
DEVISEN         zuletzt      +/- %  Fr., 8:09h  Do, 17.17 Uhr   % YTD 
EUR/USD          1,1734     +0,30%      1,1699         1,1708  +11,6% 
EUR/JPY          132,22     +0,02%      132,19         131,94   +7,6% 
EUR/CHF          1,1476     +0,12%      1,1462         1,1461   +7,1% 
EUR/GBP          0,8985     +0,48%      0,8942         1,1210   +5,4% 
USD/JPY          112,68     -0,27%      112,98         112,69   -3,6% 
GBP/USD          1,3061     -0,17%      1,3084         1,3126   +5,9% 
 
ROHÖL           zuletzt  VT-Settl.       +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex         49,32      50,79       -2,9%          -1,47  -13,6% 
Brent/ICE         55,42         57       -2,8%          -1,58   -5,5% 
 
METALLE         zuletzt     Vortag       +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)    1.274,85   1.268,27       +0,5%          +6,58  +10,7% 
Silber (Spot)     16,84      16,60       +1,5%          +0,25   +5,8% 
Platin (Spot)    915,70     914,00       +0,2%          +1,70   +1,3% 
Kupfer-Future      3,02       3,05       -0,8%          -0,02  +19,7% 
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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October 06, 2017 12:10 ET (16:10 GMT)

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