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MÄRKTE EUROPA/"Irma" baut ab und Börse Gewinne aus

11.09.2017 - 12:47 Uhr


Von Manuel Priego Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Entspannung rund um den Wirbelsturm "Irma" sowie Nordkorea stützen Europas Börsen am Montagmittag. Der Hurrikan hat deutlich an Kraft verloren und ist auf die Kategorie 1 abgestuft worden. Auch hat er einen günstigeren geographischen Verlauf genommen hat als im Vorfeld gedacht. Damit dürften die von ihm verursachten Schäden geringer ausfallen als befürchtet. Zugleich werden die Anleger wieder mutiger, weil es zu keinem neuen Raketentest in Nordkorea gekommen ist. Zum Jahrestag der Staatsgründung Nordkoreas am Samstag war ein erneuter Raketenstart und damit eine weitere Provokation befürchtet worden.

Der DAX gewinnt 1,1 Prozent auf 12.437 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 rückt 1,2 Prozent auf 3.488 Zähler vor. An der Börse Madrid geht es mit den Kursen sogar um 1,6 Prozent nach oben. Die Großdemonstrationen im Vorfeld des katalanischen Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober scheint die Anleger nicht zu verschrecken. Das spanische Verfassungsgericht hat das von der katalanischen Regierung initiierte Referendum bereits für verfassungswidrig erklärt. Dennoch wollen die Verantwortlichen daran festhalten. Die spanische Justiz ermittelt in der Zwischenzeit gegen eine Reihe von Mitgliedern der katalanischen Regierung.

Am Devisenmarkt verbilligt sich der Euro leicht auf 1,2015 Dollar, was die Kurse an den Börsen zusätzlich stützt. Allerdings wird eine steigende Einheitswährung von vielen Anlegern nicht mehr als Grund gesehen, warum es mit den Notierungen an den Aktienmärkten nicht weiter nach oben gehen soll. Vielmehr sei der steigende Euro ein Zeichen für die wirtschaftliche Gesundung der Eurozone. Aktienstrategen gehen zunehmend davon aus, dass das zusätzliche Wachstum die Euro-Stärke ausgleichen wird. Daneben werden die hiesigen Börsen mit einem steigenden Euro für nicht-europäische Anleger noch attraktiver.

Rückversicherer klare Tagessieger

Versicherer und Rückversicherer führen die Gewinnerliste an. Der Branchenindex steigt um 2,3 Prozent. Einerseits hat "Irma" an Kraft verloren und möglicherweise geringere Schäden angerichtet als befürchtet, andererseits dürfte die Wirbelstürme "Harvey" und "Irma" dafür sorgen, dass die Prämien der Rückversicherer bei der kommenden Erneuerungsrunde anziehen. Für die Vertragserneuerungsrunde zum 1. Januar 2018 geht beispielsweise Hannover Rück trotz des Überangebots von stabilen Preisen und Konditionen aus, wie das Unternehmen anlässlich des Branchentreffens in Monte Carlo mitteilte.

Die Analysten von Baader-Helvea haben außerdem die Verkaufsempfehlung für Hannover Rück gestrichen und den Titel auf "Halten" hochgestuft. Hannover Rück legen um 4,5 Prozent zu, Munich Re um 4,1 Prozent. Für Swiss Re geht es um 4,3 Prozent nach oben und Scor steigen um 3,8 Prozent.

Die Pharmabranche steht im Blick des Markts mit neuen Studienergebnissen und einer Konferenz bei Morgan Stanley in New York. Deutlich nach oben geht es mit Astrazeneca, nachdem der Konzern zwei positive Studienergebnisse für Lungenkrebsmedikamente veröffentlicht hat. Astrazeneca gewinnen 2 Prozent. Bei Roche hat dagegen nach einem Augenmedikament nun auch ein Hautkrebsmedikament gefloppt. Der Kurs fällt um 1,6 Prozent. Novartis wiederum hat Erfolge bei einem Hautkrebsmedikament gemeldet, der Kurs steigt um 0,2 Prozent.

IAA in Frankfurt beginnt

Der Automobilsektor sorgt mit der beginnenden Automesse IAA für Gesprächsstoff, auch wenn die Aktien der Autohersteller zu Wochenbeginn eine Ruhepause einlegen. Die Anbieter integrierter Systeme für die Elektromobilität und für das autonome Fahren könnten zu den Gewinnern der IAA werden, heißt es. Die Bedeutung der Zulieferer nehme deutlich zu, sagt ein Händler. Bereits stark im Markt vertreten seien Infineon, Valeo und Continental. VW gewinnen 0,4 Prozent und BMW notieren unverändert.

Daimler geraten dagegen im Handelsverlauf unter Druck und verlieren 1,5 Prozent. "Die Aussagen vom Kapitalmarkttag von Mercedes-Benz ernüchtern etwas", sagt ein Händler. Zum einen sei zur Aufspaltung nichts Neues gekommen, nachdem die Spekulationen dazu den Kurs in der vergangenen Woche stark angetrieben hatten. "Nach der Euphorie der vergangenen Woche haben nun Gewinnmitnahmen eingesetzt", so der Händler. Daneben könnte die Umstellung auf Elektromobiliät je nach Tempo die Margen belasten.

Paragon schießen um 4,2 Prozent weiter nach oben. Das Unternehmen hat den Börsengang der Elektromobilitätstochter Voltabox für den Herbst ins Auge gefasst. "Entsprechende Spekulationen haben den Kurs schon stark getrieben - um gut 30 Prozent seit Anfang August", sagt ein Händler. Der Aufwärtstrend der Aktie sei aber stark und intakt. Paragon erhofft sich von dem Schritt einen Wachstumsschub für das Unternehmen, das Batteriesysteme auf Lithium-Ionen-Basis entwickelt und herstellt.

China sagt Bitcoin-Börsen den Kampf an

Die chinesische Regierung plant offenbar, wichtige Handelsplattformen für Cyberwährungen im Land schließen zu lassen. Das würde für das einst rasant wachsende Geschäft mit dem Handel von virtuellen Kryptowährungen in China einen herben Schlag bedeuten. Mit der Sache vertraute Personen sagten, die Zentralbank Chinas habe Anweisungen erarbeitet, wonach die Krypto-Börsen keine Dienstleistungen mehr im Bereich der Cyberwährungen anbieten dürfen.

Dieser Schritt sei die Folge einer monatelangen Prüfung seitens der Regierung. Erst in der vergangenen Woche hatte Peking die auf dem Blockchain-Verfahren beruhende Finanzierungsform der "Initial Coin Offerings (ICO)" in dem Land verbieten lassen. Im frühen Handel verliert die hochspekulative und extrem schwankungsanfällige Aktie der Bitcoin Group 10 Prozent. Die virtuelle Währung Bitcoin notiert zu Wochenbeginn wenig verändert.

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INDEX               zuletzt         +/- %         absolut  +/- % YTD 
Euro-Stoxx-50      3.487,54          1,16           39,85       5,99 
Stoxx-50           3.083,93          0,83           25,48       2,44 
DAX               12.437,26          1,08          133,28       8,33 
MDAX              25.200,06          1,19          295,58      13,57 
TecDAX             2.353,87          0,98           22,73      29,92 
SDAX              11.629,50          0,68           78,93      22,17 
FTSE               7.418,18          0,55           40,58       3,85 
CAC                5.171,98          1,14           58,50       6,37 
Bund-Future         162,79%                         -0,27       1,68 
 
DEVISEN             zuletzt         +/- %        Mo, 8:51  Fr, 17:26   % YTD 
EUR/USD              1,2012        +0,05%          1,2006     1,2030  +14,2% 
EUR/JPY              130,33        +0,01%          130,31     129,69   +6,0% 
EUR/CHF              1,1402        -0,07%          1,1411     1,1389   +6,5% 
EUR/GBP              0,9097        -0,06%          0,9102     1,0963   +6,7% 
USD/JPY              108,51        -0,02%          108,54     107,79   -7,2% 
GBP/USD              1,3204        +0,10%          1,3191     1,3190   +7,0% 
 
ROHÖL               zuletzt     VT-Settl.           +/- %    +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex             47,77         47,48           +0,6%       0,29  -16,2% 
Brent/ICE             53,50         53,78           -0,5%      -0,28   -8,9% 
 
METALLE             zuletzt        Vortag           +/- %    +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)        1.338,03      1.346,70           -0,6%      -8,68  +16,2% 
Silber (Spot)         17,87         17,97           -0,6%      -0,10  +12,2% 
Platin (Spot)      1.004,70      1.008,40           -0,4%      -3,70  +11,2% 
Kupfer-Future          3,06          3,02           +1,3%      +0,04  +21,4% 
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Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

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September 11, 2017 06:47 ET (10:47 GMT)

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