Finanznachrichten

MÄRKTE EUROPA/Anleihemärkte sorgen weiter für Unruhe

30.06.2017 - 18:07 Uhr


Von Manuel Priego-Thimmel

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Hoffnung auf eine Erholung an Europas Börsen hat sich am Freitag nicht erfüllt. Für anhaltende Unruhe sorgten die jüngsten Verwerfungen an den Anleihemärkten. Auslöser war die falkenhaft interpretierte Rede von EZB-Präsident Mario Draghi vom Dienstag. Draghi hatte die Bereitschaft der EZB zur Anpassung der Geldpolitik an die anhaltende Konjunkturerholung angedeutet und ebenso die Erwartung, dass sich die gute Konjunktur auch in einer höheren Inflation niederschlagen werde. Der DAX schloss mit einem Abschlag von 0,7 Prozent bei 12.325 Punkten, der Euro-Stoxx-50 gab 0,8 Prozent auf 3.442 Punkte nach.

Unterdessen ist die Kernteuerungsrate im Euroraum im Juni etwas stärker als erwartet gestiegen, was die Einschätzung Draghis zu unterstützen scheint. Die Preise sind im Kern auf 1,1 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten 1,0 Prozent erwartet. Die Commerzbank glaubt allerdings, dass der Preisanstieg nicht der Beginn der von der EZB erhofften Aufwärtsbewegung ist. Denn noch gebe es keine Anzeichen für einen deutlich stärkeren Lohnanstieg. Dennoch ging es mit der Rendite von Bundesanleihen am Freitag weiter leicht auf 47 Basispunkte nach oben. Der Euro zeigte sich zum Börsenschluss wenig bewegt bei 1,1412 Dollar.

Bayer überrascht mit Gewinnwarnung

Auf Unternehmensseite stand die Gewinnwarnung von Bayer im Blick. Ein schwaches Geschäft in Brasilien werde den Gewinn des Geschäftsbereichs Crop Science bis zu 400 Millionen Euro niedriger ausfallen lassen. Dadurch werde auch die Konzernprognose bei Umsatz und Gewinn fallen, hieß es. Die DZ Bank sprach von einem Vertrauensverlust. Zudem treffe es die Pflanzenschutz-Sparte Crop Science kurz vor Ende des Fusionsprozesses mit Monsanto, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Bayer büßten 4,1 Prozent ein.

Adidas legten hingegen um 2,1 Prozent zu nach sehr gut ausgefallenen Zahlen des Konkurrenten Nike. Als gut auch für Adidas bezeichneten Händler, dass das Nike-Geschäft vor allem in China und Westeuropa gut gelaufen ist. Die Zuwachsraten des Konkurrenten in China belegen nach Einschätzung von Warburg, wie anhaltend gesund die Nachfrage auf diesen Märkten ausfalle.

Gut ausgefallene Zahlen von Micron stützten neben einer allgemeinen Erholung den Chipsektor. Micron hat von einer höher als erwarteten Nachfrage aus dem Cloud- und Mobilgeschäft berichtet. STMicro legten um 0,5 Prozent zu, Infineon um 0,7 Prozent. Der Stoxx-Technologie-Index lag unter den Branchen-Indizes mit einem Plus von 0,4 Prozent mit an der Spitze. Er hatte am Vortag aber auch mit am stärksten nachgegeben. Der deutsche Technologieindex TecDAX stieg um 0,7 Prozent.

Unter Druck stand die Aktie des schwedischen Bremsenherstellers Haldex. Hatte zuletzt Knorr-Bremse angekündigt, die Annahmefrist für sein Übernahmeangebot für Haldex erneut verlängern zu wollen, glauben die Schweden offenbar nicht mehr an eine Übernahme. Nach deren Auffassung ist die Wahrscheinlichkeit einer wettbewerbsrechtlichen Freigabe so niedrig, dass man Knorr-Bremse nicht weiter unterstützen werde. Der Haldex-Kurs fiel um 7,2 Prozent zurück auf 106,00 Kronen. Knorr-Bremse hatte 125 Kronen je Aktie geboten.

Delivery Hero liefert - Noratis nicht

Erfolgreich gestaltete sich das Börsendebüt von Delivery Hero. Der erste Kurs der Aktie wurde mit 26,90 Euro festgestellt. Gegenüber dem Ausgabepreis an Erstzeichner von 25,50 Euro entsprach das einem Plus von 5,4 Prozent. Der Börsengang hatte sich schon im Vorfeld reger Nachfrage erfreut, so dass der Vermittler von Essensbestellungen den Angebotspreis auf das obere Ende der Preisspanne von 22,00 bis 25,50 Euro hatte legen können. Delivery Hero gingen mit 27,80 Euro aus dem Handel.

Rocket Internet profitierten aber nicht von dem guten Delivery-Börsendebüt. Einer der Gründe war der schwache Börsenstart von Blue Apron. Blue Apron ist ein Mitbewerber von HelloFresh, einer Beteiligung von Rocket Internet. Wie Warburg anmerkte, legt der Blue-Apron-IPO-Preis von 10 Dollar einen Wert von 1,56 Milliarden Euro für die HelloFresh-Beteiligung von Rocket nahe. Der Buchwert von HelloFresh wurde zuletzt aber noch bei 2,09 Milliarden Euro ausgewiesen. Rocket Internet gaben um 2,2 Prozent nach.

Keinen guten Börsenstart erwischten auch Noratis. Wurden die Aktien des Entwicklers von Bestandswohnungen bereits am unteren Ende der Angebotsspanne ausgegeben, lag der erste Kurs mit 18,75 Euro auf exakt diesem Niveau. Die Aktien schlossen allerdings mit 16,79 Euro weit unter dem Emissionspreis.

=== 
Index                   Schluss-  Entwicklung   Entwicklung  Entwicklung 
                           stand      absolut          in %         seit 
                                                            Jahresbeginn 
Euro-Stoxx-50           3.441,88       -29,45         -0,8%        +4,6% 
Stoxx-50                3.122,17       -20,30         -0,6%        +3,7% 
Stoxx-600                 379,37        -1,29         -0,3%        +5,0% 
XETRA-DAX              12.325,12       -91,07         -0,7%        +7,4% 
FTSE-100 London         7.312,72       -37,60         -0,5%        +2,4% 
CAC-40 Paris            5.120,68       -33,66         -0,7%        +5,3% 
AEX Amsterdam             507,15        -1,38         -0,3%        +5,0% 
ATHEX-20 Athen          2.153,01        +7,98         +0,4%       +23,7% 
BEL-20 Brüssel          3.793,62        -2,94         -0,1%        +5,2% 
BUX Budapest           35.205,42       +75,15         +0,2%       +10,0% 
OMXH-25 Helsinki        3.940,76        -1,79         -0,0%        +7,1% 
ISE NAT. 30 Istanbul  123.307,67      +232,34         +0,2%       +29,1% 
OMXC-20 Kopenhagen        988,14        +5,98         +0,6%       +11,8% 
PSI 20 Lissabon         5.141,43       +11,53         +0,2%       +10,1% 
IBEX-35 Madrid         10.444,50       -86,60         -0,8%       +11,7% 
FTSE-MIB Mailand       20.584,23      -120,42         -0,6%        +7,0% 
RTS Moskau              1.002,65        +2,20         +0,2%       -13,0% 
OBX Oslo                  625,42        +3,42         +0,5%        +1,2% 
PX-GLOB  Prag           1.288,13        +4,97         +0,4%        +7,5% 
OMXS-30 Stockholm       1.602,53       -10,69         -0,7%        +5,6% 
WIG-20 Warschau         2.299,80       -29,46         -1,3%       +18,1% 
ATX Wien                3.106,66       +17,82         +0,6%       +18,7% 
SMI Zürich              8.906,89       -37,15         -0,4%        +8,4% 
 
DEVISEN         zuletzt      +/- %  Fr, 8:50  Do, 17.15 Uhr   % YTD 
EUR/USD          1,1416     -0,11%    1,1428         1,1426   +8,5% 
EUR/JPY          128,31     +0,22%    128,03         128,53   +4,4% 
EUR/CHF          1,0940     +0,00%    1,0940         1,0933   +2,1% 
EUR/GBP          0,8784     +0,03%    0,8781         1,1364   +3,1% 
USD/JPY          112,40     +0,33%    112,03         112,48   -3,9% 
GBP/USD          1,2994     -0,15%    1,3014         1,2984   +5,3% 
 
ROHÖL           zuletzt  VT-Settl.     +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex         45,53      44,93     +1,3%           0,60  -20,0% 
Brent/ICE         47,82      47,42     +0,8%           0,40  -18,6% 
 
METALLE         zuletzt     Vortag     +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)    1.243,26   1.245,70     -0,2%          -2,44   +8,0% 
Silber (Spot)     16,66      16,63     +0,2%          +0,03   +4,6% 
Platin (Spot)    922,55     922,00     +0,1%          +0,55   +2,1% 
Kupfer-Future      2,69       2,68     +0,3%          +0,01   +6,9% 
===

Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/mpt/ros

(END) Dow Jones Newswires

June 30, 2017 12:07 ET (16:07 GMT)

© 2017 Dow Jones & Company, Inc.

Weiterführende Inhalte

Weiterführende Inhalte