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Aktien Frankfurt: Dax sackt wegen Nordkorea und Euro unter 12 000 Punkte

29.08.2017 - 15:15 Uhr


FRANKFURT (dpa-AFX) - Der weiter erstarkende Euro und ein neuerlicher nordkoreanischer Raketentest haben den Dax am Dienstag in die Knie gezwungen. Schon am Morgen rutschte der deutsche Leitindex unter die viel beachtete Marke von 12 000 Punkten und weitete seine Verluste danach noch aus.

Am Nachmittag lag er 1,90 Prozent im Minus bei 11 893,10 Punkten - das entsprach dem niedrigsten Stand seit März und würde auf diesem Niveau den größten Tagesverlust seit rund elf Monaten bedeuten. Der Dax fiel damit auch deutlich unter seine sogenannte 200-Tage-Linie, einem viel beachteten Indikator für den längerfristigen Trend. Dies verstärkte den Abwärtstrend noch.

Für den MDax <DE0008467416, den Index der mittelgroßen deutschen Unternehmen, ging es am Dienstag um 1,47 Prozent auf 24 279,73 Punkte bergab; der Technologiewerte-Index TecDax gab um 1,77 Prozent auf 2215,60 Zähler nach. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte um 1,34 Prozent auf 3375,23 Punkte ab.

NORDKOREANISCHER RAKETENTEST VERUNSICHERT - EURO ÜBER 1,20 DOLLAR

Ein Auslöser des Kursrutschs war Nordkoreas jüngster Raketentest: Pjöngjang feuerte am Dienstagmorgen (Ortszeit) erneut eine ballistische Rakete ab, die dieses Mal über Japan flog, wie der Generalstab der südkoreanischen Armee mitteilte. Damit wurde nach Angaben des Senders NHK eine neue Eskalationsstufe erreicht, da erstmals eine Rakete Nordkoreas ohne Ankündigung über Japan hinweg geflogen sei.

An den asiatischen Börsen reagierten die Anleger mit Aktienverkäufen, wenngleich sich die Lage im späten Handel merklich entspannte. Auch die Wall Street wird im Minus erwartet. Gleichzeitig kletterte der Goldpreis auf den höchsten Stand seit November 2016. Auch die als sichere Häfen geltenden Währungen Yen und Franken legten zu.

Der Euro kletterte derweil erstmals seit zweieinhalb Jahren über 1,20 US-Dollar und kostete zuletzt 1,2032 Dollar - am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,1925 Dollar festgelegt. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Gewinne zum Dollar nun auf knapp 15 Prozent. Ein starker Euro kann die Exporte hiesiger Unternehmen in Länder außerhalb des Währungsraums erschweren. Das drückt auf die Aktienkurse.

PROSIEBEN LEIDET UNTER WERBEMARKT - SHORTATTACKE GG. THYSSENKRUPP

Schlecht erging es im Dax vor allem ProSiebenSat.1 : Die Papiere des Medienkonzerns sackten um 12,99 Prozent auf 28,44 Euro ab und notierten damit so niedrig wie zuletzt im Oktober 2014. Zwischenzeitlich kosteten die Papiere so wenig wie Mitte 2013. Dem Medienkonzern macht ein schwacher TV-Markt zu schaffen. Im MDax verlor die Aktie des Konkurrenten RTL 6,35 Prozent, für die Aktie des Werbevermarkters Ströer ging es um 5,61 Prozent nach unten.

Thyssenkrupp-Titel gehörten mit minus 3,09 Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern. Nach dem Zahlungsabwickler Wirecard und Ströer sei nun auch der Stahl- und Industriekonzern Ziel einer Short-Attacke geworden, hieß es am Markt. Dabei profitieren Spekulanten von fallenden Kursen.

ADVA BRECHEN EIN - BEIERSDORF UND IMMOBILIENTITEL BEHAUPTEN SICH

Zudem stand der Kurseinbruch bei Adva Optical im Fokus. Nachdem der Telekomausrüster wegen einer unerwartet schwachen Auftragslage seine Gewinn- und Umsatzerwartungen an das laufende Quartal gesenkt und Stellenstreichungen angekündigt hatte, büßten die Aktien am TecDax-Ende 23,88 Prozent auf 4,589 Euro ein - das war der tiefste Stand seit April 2015. Ein Börsenhändler sprach von einem "absoluten Desaster" für das Unternehmen.

Dagegen zogen die Anteilsscheine von MDax-Spitzenreiter Rational um 3,64 Prozent auf 547,15 Euro an und erreichten einen Rekordstand. Berenberg-Analyst Sebastian Künne hält das Potenzial des Herstellers von Großküchengeräten in China für massiv unterschätzt und rät zum Kauf der Aktie.

BEIERSDORF PROFITIERT VON ANALYSTENLOB

Dem Konsumgüterhersteller Beiersdorf gab eine Kaufempfehlung des Bankhauses Lampe Halt: Die Titel verloren als Dax-Spitzenreiter lediglich 0,32 Prozent, was für einen der vorderen Plätze im Dax reichte.

Immobilienwerte wie Vonovia, TAG Immobilien und Deutsche Wohnen konnten sich im schwachen Marktumfeld ebenfalls vergleichsweise gut behaupten. Immobilien gelten neben Aktien als eine der wenigen renditeträchtigen Investitionsmöglichkeiten im derzeitigen Niedrigzins-Umfeld.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,15 Prozent am Vortag auf 0,10 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,28 Prozent auf 142,11 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,44 Prozent auf 165,48 Punkte./gl/das

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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