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MÄRKTE USA/Kleine Verluste nach schwachem US-Arbeitsmarktbericht

06.10.2017 - 17:55 Uhr


NEW YORK (Dow Jones)--Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für September ist überraschend schwach ausgefallen. Erstmals seit sieben Jahren sind Stellen verloren gegangen. Die Wirbelstürme in Texas und Florida hatten damit noch größere Folgen für den Jobmarkt als angenommen. Zugleich legten aber die Stundenlöhne kräftig zu, während die Arbeitslosenquote sank. Es wurde ein Minus von 33.000 Stellen vermeldet, während Analysten mit einer Zunahme um 80.000 gerechnet hatten. Die Stundenlöhne erhöhten sich um 0,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote fiel auf 4,2 Prozent von zuvor 4,4 Prozent.

Der Aktienmarkt zeigt sich von den Daten weitgehend unbeeindruckt. Mit den Kursen geht es leicht nach unten. Prinzipiell ist der US-Arbeitsmarkt weiter in einer guten Verfassung, eine weitere Zinserhöhung im Dezember fast vollständig eingepreist. Im Vorfeld des verlängerten Wochenendes mit dem "Columbus Day" am Montag, an dem an den Anleihenmärkten kein Handel stattfindet, könnten die Anleger nach der jüngsten Rekordjagd zudem auch vereinzelt Gewinne bei Aktien mitnehmen. Immerhin hatte der S&P-500 am Vortag das sechste Schlussrekordhoch in Folge erzielt - die längste Serie seit 20 Jahren.

Der Dow-Jones-Index reduziert sich um 0,1 Prozent auf 22.753 Punkte. Für den S&P-500 geht es um 0,2 Prozent nach unten und der Nasdaq-Composite verliert 0,1 Prozent.

Aktuell wird eine weitere Zinserhöhung durch die Fed im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 93 Prozent eingepreist. Gestützt auch durch eine ganze Reihe von überzeugenden US-Daten im Verlauf der Woche. In der Vorwoche hatte der Wert noch bei 73 Prozent gelegen. Schon in der Vergangenheit hatten Stürme negative Auswirkungen auf den US-Arbeitsmarkt, merkt die Deutsche Bank an. Nach Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 habe es zwei Monate gedauert, bis der durchschnittliche Stellenaufbau wieder erreicht worden sei.

Dollar legt nach Arbeitsmarktdaten kurzzeitig zu

Der Dollar hat ins Minus gedreht, nachdem er im Gefolge der Daten zu den Stundenlöhnen noch zugelegt hatte. Am Devisenmarkt setze sich die Meinung durch, dass der Arbeitsmarkt nicht mehr so rund läuft. Dabei verweisen Händler zum einen darauf, dass das Stellenplus für Juli und August um 38.000 Stellen nach unten revidiert wurde, obwohl in diesem Zeitraum die Wirbelstürme die Zahlen noch nicht durcheinander gewirbelt hätten. Aber auch der September sei deutlich unter der Erwartung ausgefallen. Hinzu kamen skeptische Äußerungen von Raphael Bostic, Präsident der Federal Reserve Bank von Atlanta. Er macht trotz der historisch niedrigen Arbeitslosigkeit Probleme am US-Arbeitsmarkt aus. Dazu gehört aus seiner Sicht die Schwierigkeit, offene Stellen zu besetzen und die schon lange bestehenden Benachteiligungen von Minderheiten. Der Euro steht nun bei 1,1728, nachdem er im Tagestief auf 1,1670 gefallen war.

Der Goldpreis berappelt sich mit dem Dollar-Abschwung. Der schwächere Dollar macht Gold für Investoren aus anderen Währungsregionen attraktiver. Aktuell steigt der Goldpreis um 0,5 Prozent auf 1.275 Dollar je Feinunze. Zwischenzeitlich war er bis auf 1.261 Dollar gefallen.

Die Renditen am Anleihemarkt legen nach den Daten leicht zu. Die gestiegenen Stundenlöhne könnten die US-Notenbank in ihrer jüngsten Sichtweise stützen, im Dezember eine weitere Zinserhöhung vorzunehmen, heißt es zur Begründung. Die Rendite zehnjähriger US-Anleihen steigt um 1 Basispunkt auf 2,36 Prozent. Vor der Veröffentlichung lag die Rendite bei 2,37 Prozent.

Für die Ölpreise geht es nach dem Anstieg am Vortag steil nach unten. Es war der erste Anstieg seit drei Handelstagen. Die derzeit laufenden Gespräche zwischen der Opec und Russland über preisstützende Maßnahmen hätten noch keine greifbaren Ergebnisse gebracht, so ein Händler. Der saudische König Salman trifft sich gegenwärtig mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Beide sprechen dabei auch über mögliche Produktionskürzungen. Daneben ist der nächste Sturm im Anmarsch auf die US-Golfküste. "Nate" könnte sich dabei zu einem Hurrikan entwickeln und dann am Wochenende auf die Förderanlagen im Golf von Mexiko treffen. Wie bei Hurrikan "Harvey" im August, "liege der Fokus auf möglichen Schließungen von US-Raffinerien, was tendenziell positiv für die Benzinpreise wäre", so Analyst Richard Mallinson von Energy Aspects. Die Ölpreise dürften aufgrund einer kurzfristig sinkenden Nachfrage aber nachgeben. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fällt um 3,1 Prozent auf 49,20 Dollar. Für Brent geht es um 2,9 Prozent auf 55,32 Dollar abwärts.

Costco Wholesale trotz guter Zahlen unter Druck

Für die Aktie von Costco Wholesale geht es um 6,1 Prozent nach unten - und dies, obwohl Umsatz und Ergebnis im vierten Geschäftsquartal überraschend deutlich gestiegen sind. Einen Ausblick gab das Unternehmen jedoch nicht. Die Analysten von Morgan Stanley haben die Aktie zudem auf "Equalweight" von "Overweight" nach unten genommen. Die Papiere von Yum China tendieren kaum verändert. Das im vergangenen Jahr von Fastfood-Kettenbetreiber Yum Brands abgespaltene China-Geschäft will erstmals eine Dividende zahlen und stockt zudem das Volumen seiner Aktienrückkäufe auf.

Nach den jüngsten kräftigen Gewinnen geht es nun auch bei den Bankenwerten ruhiger zu. Die Aktie von Morgan Stanley hatte im frühen Geschäft aber noch die Marke von 50 Dollar übersprungen - erstmals seit 2008, vor der Finanzkrise. Seit Jahresbeginn haben die Papiere um 19 Prozent zugelegt. Die Bankenwerte profitieren seit einiger Zeit von den steigenden Zinsen in den USA, einer erwarteten Steuerreform und der Aussicht auf eine Deregulierung des Sektors. Vor diesem Hintergrund haben auch die Aktien von JP Morgan, Wells Fargo und Goldman Sachs ihre im Zuge der Finanzkrise erlittenen Verluste wieder aufgeholt. Lediglich Bank of America und die Citigroup liegen weiter im "roten Bereich".

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INDEX               zuletzt         +/- %         absolut      +/- % YTD 
DJIA              22.753,47         -0,10          -21,92          15,13 
S&P-500            2.545,92         -0,24           -6,15          13,72 
Nasdaq-Comp.       6.577,41         -0,12           -7,95          22,19 
Nasdaq-100         6.051,12         -0,10           -6,02          24,42 
 
US-Anleihen 
Laufzeit     Akt. Rendite  Bp zu Vortag  Rendite Vortag  +/-Bp YTD 
2 Jahre              1,52           2,9            1,49       31,4 
5 Jahre              1,96           1,8            1,95        4,0 
7 Jahre              2,19           0,6            2,18       -6,2 
10 Jahre             2,36           1,0            2,35       -8,6 
30 Jahre             2,90           0,4            2,89      -17,2 
 
DEVISEN             zuletzt         +/- %      Fr., 8:09h  Do, 17.17 Uhr   % YTD 
EUR/USD              1,1728        +0,25%          1,1699         1,1708  +11,5% 
EUR/JPY              132,25        +0,04%          132,19         131,94   +7,6% 
EUR/CHF              1,1469        +0,07%          1,1462         1,1461   +7,1% 
EUR/GBP              0,8982        +0,44%          0,8942         1,1210   +5,4% 
USD/JPY              112,78        -0,18%          112,98         112,69   -3,5% 
GBP/USD              1,3056        -0,21%          1,3084         1,3126   +5,8% 
 
ROHÖL               zuletzt     VT-Settl.           +/- %        +/- USD   % YTD 
WTI/Nymex             49,20         50,79           -3,1%          -1,59  -13,8% 
Brent/ICE             55,32            57           -2,9%          -1,68   -5,7% 
 
METALLE             zuletzt        Vortag           +/- %        +/- USD   % YTD 
Gold (Spot)        1.274,09      1.268,27           +0,5%          +5,82  +10,7% 
Silber (Spot)         16,82         16,60           +1,3%          +0,22   +5,6% 
Platin (Spot)        914,60        914,00           +0,1%          +0,60   +1,2% 
Kupfer-Future          3,02          3,05           -0,8%          -0,02  +19,7% 
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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October 06, 2017 11:55 ET (15:55 GMT)

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