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Merkel feiert sich als Retterin der CDU

07.12.2018 - 12:14 Uhr


Von Christian Grimm

BERLIN/HAMBURG (Dow Jones)--In ihrer Abschiedsrede als Vorsitzende der CDU hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel als Retterin der Partei nach der Spendenaffäre gefeiert. "Eine Schicksalsstunde der Christlichen Demokratischen Union Deutschlands haben wir vor 18 Jahren erlebt", sagte Merkel beim Parteitag in Hamburg. Seinerzeit hatte Merkel den Vorsitz an sich gebracht, nachdem Wolfgang Schäuble wegen des Spendenskandals zurücktreten musste. Die CDU, so Merkel, habe damals "politisch, moralisch und nicht zu vergessen finanziell vor dem Aus" gestanden.

Mit ihrer Rückkehr zur Sache sei es aber gelungen, die Partei "mit kühlem Kopf" wieder aufzurichten und schließlich das Kanzleramt von der SPD zurückzuerobern. "Unsere CDU ist heute eine andere ... und das ist gut so", sagte Merkel.

"Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren und auch nicht als Parteivorsitzende, wahrlich nicht", betonte Merkel erneut. Ihr Amt gebe sie mit "Dankbarkeit" ab. Die scheidende CDU-Chefin beendete ihre Rede mit den Worten: "Es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre. Herzlichen Dank." Danach folgten minutenlanger Applaus und stehende Ovationen der Delegierten. .

Zuvor hatte die 64-Jährige ihre CDU für nach der Wahl ihres Nachfolgers zur Geschlossenheit aufgerufen. Sie wünsche sich, dass die Partei aus dem Parteitag "gut gerüstet, motiviert und geschlossen" herausgehe, hatte sie zum Auftakt erklärt.

Ende einer Ära

Merkel führt die Partei seit 18 Jahren und wird nun einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin Platz machen. Als prominenteste Kandidaten stellen sich den 1.001 Delegierten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der frühere Fraktionschef Friedrich Merz und die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Spahns Kandidatur gilt als chancenlos, weshalb Merz und Kramp-Karrenbauer das Rennen unter sich ausmachen dürften. Der Gewinner hat gute Chancen, Merkels Erbe auch im Kanzleramt anzutreten. Mit dem Ergebnis wird am späten Nachmittag gerechnet.

Bei den Wählern kommt Kramp-Karrenbauer deutlich besser an. 41 Prozent sprechen sich für die 56-Jährige aus, nur 28 Prozent für Merz, wie aus dem neuen Wahltrend für RTL und N-TV vom Freitag hervorgeht. Spahn kommt nur auf fünf Prozent. Im Vergleich zur Vorwoche konnte Kramp-Karrenbauer ihren Vorsprung um einen Prozentpunkt ausbauen.

Der Dreikampf um die Spitze der CDU und die Belebung der Debatte zahlt auf das Wählervertrauen ein. Die Christdemokraten können im jüngsten ARD-Deutschlandtrend vier Punkte zulegen und erreichen 30 Prozent.

Kramp-Karrenbauer ist die Wunschkandidatin Merkels. Ihre Anhänger setzen darauf, dass sie den Kurs der Mitte fortsetzt. Merz gilt als Hoffnungsträger der Konservativen und des wirtschaftsliberalen Flügels.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

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