Finanznachrichten

MARKT-AUSBLCK/Der Boden für neue DAX-Rekorde ist bereitet

29.09.2017 - 11:09 Uhr


Von Herbert Rude

FRANKFURT (Dow Jones)--Das Beste kommt zum Schluss! Dieses Motto trifft in ganz besonders starkem Maß auf die Börsen zu. So erschöpft sich eine Hausse häufig in einer Aufwärtswelle, die keine nennenswerten Rücksetzer mehr kennt und deshalb als Fahnenstange bezeichnet wird. Aber auch das Schlussquartal eines Kalenderjahres wird dem Motto gerecht, da in der Jahresendrally für gewöhnlich noch einmal deutliche Gewinne anfallen.

Nun ist zwar weder das Ende der Hausse in Sicht noch steht das Jahresende direkt bevor, doch das Schlussquartal beginnt nun und damit die saisonal stärkere Phase an den Börsen. In diese startet besonders der deutsche Aktienmarkt mit Schwung, weil er wesentlich besser aus dem für gewöhnlich schwierigen September herausgekommen ist als das zu erwarten war. Das Plus von knapp 700 Punkten oder knapp 6 Prozent drehte auch die Performance des dritten Quartals auf positiv.

SDAX, MDAX und TecDAX liegen nun alle wieder auf Hausse-Kurs, mit neuen Rekordständen oder - wie der TecDAX - den höchsten Ständen seit fast 17 Jahren. Und die Chancen sind gut, dass sich auch der DAX in die Rekordjagd einreiht. Das Allzeithoch bei gut 12.950 Punkten dürfte nur das nächste Ziel des Aufschwungs sein. "Der Boden für neue Rekorde ist bereitet", sagt auch Jochen Stanzl von CMC Markets.

"Der deutsche Aktienmarkt ist günstig bewertet", heißt es bei der Credit Suisse. Gegenüber den anderen kontinentaleuropäischen Börsen weise der deutsche Markt im Vergleich der Kurs-Gewinn-Verhältnisse einen Bewertungsabschlag von 14 Prozent auf. Das Haus hat den deutschen Markt nun auf "Overweight" genommen, und das nur 2 Prozent unter dem DAX-Rekordstand.

   Oktober in der Regel stark

Der Oktober ist für gewöhnlich ein guter Aktienmonat, auch an der Wall Street. In diesem Jahr hat der Dow schon sowohl im August als auch im September zugelegt: "eine seltene Konstellation", sagt Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. "In der Regel folgt darauf ein überdurchschnittlicher Oktober und November", sagt er. Und er ergänzt, die Oktober-Gewinne fielen aus statistischer Sicht vor allem in der ersten Monatshälfte an.

Die erste Wochenhälfte wird auf der Makroseite von den Einkaufsmanagerindizes (ISM) geprägt. In der zweiten Wochenhälfte tritt dann der US-Arbeitsmarkt in den Vordergrund, am Mittwoch mit dem Arbeitsmarktbericht von ADP und am Freitag mit dem großen offiziellen September-Bericht. Erwartet wird nur noch ein Plus von 70.000 Stellen nach 156.000 im August, unter anderem, weil die Hurrikane die Dynamik gebremst haben sollen. In Deutschland könnten am Freitag auch die Industrie-Auftragseingänge für Impulse sorgen.

   Mifid II zehrt an Kapazitäten

Viele Marktteilnehmer beschäftigen sich derzeit nur untergeordnet mit den Aktienkursen, weil die Vorbereitung auf die Finanzmarktrichtlinie Mifid II (Markets in Financial Instruments) ihnen dazu nur noch wenig Zeit lässt. Der Markt lebt bekanntlich von Liquidität und Transparenz. Der Berufsverband der Investment Professionals in Deutschland (DVFA) kritisiert, dass Mifid II die Informationstransparenz stark verschlechtert. Einem minimalen Zugewinn an Kosteninformation stehe ein erhebliches Defizit an Kapitalmarktinformation gegenüber. Verlierer seien, vor allem, aber nicht nur, die Privatanleger.

Diese dürften noch mehr in börsengehandelte Fonds (ETFs) gedrängt werden als bisher, mit allen negativen Folgen für die Kapitalmaßnahmen der Emittenten. Zudem öffne der bevorstehende Mangel an Informationstransparenz aber vermutlich Gerüchten und Spekulationen Tür und Tor. Das Ziel eines besseren Verbraucherschutzes durch Mifid II werde sich wohl schnell als Mär erweisen.

Die Kritik der DVFA scheint berechtigt. Sie hat nur einen Haken - sie kommt wohl ein bis zwei Jahre zu spät.

DJG/hru/gos

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