Finanznachrichten

Studie: Mafia wäscht Milliarden mit Immobilien in Deutschland

07.12.2018 - 11:27 Uhr


Von Christian Grimm

BERLIN (Dow Jones)--Einer Untersuchung der Antikorruptionsorganisation Transparency International zufolge ist Deutschland ein Paradies für Schwarzgeld. Jedes Jahr waschen demnach Schwerkriminelle hierzulande mehrere Milliarden Euro durch den Kauf von Immobilien. "Für uns ist klar: Es gibt ein massives Problem mit Geldwäsche bei Immobilien in Deutschland", sagte Transparency-Deutschland-Chefin Edda Müller in Berlin.

Die bestehenden Gesetze stünden in keinem Verhältnis zu den globalen Finanzströmen, denen sich das organisierte Verbrechen wie die Mafia bedienten.

Zwar müssen Notare, Immobilienmakler und Anwälte verdächtige Fälle bei den Behörden anzeigen, aber die "entscheidenden Akteure melden praktisch keine Fälle", beklagte Müller. Das vergangenes Jahr eingeführte Transparenz-Register habe noch zu viele Schlupflöcher. Transparency verweist auf eine umfangreiche Untersuchung der Universität Halle-Wittenberg aus dem Jahr 2015, die von einem Geldwäsche-Volumen über Immobilien in Deutschland von 1,3 bis 4,3 Milliarden Euro über zwei Jahre ausgeht.

Geld über Ländergrenzen verschoben

Die Täter nutzen laut Transparency zum Beispiel das aus Drogenhandel und Prostitution gewonnene Geld zwar auch zum Barankauf von Wohnungen und Häusern, um es zu säubern, verfügen aber auch über das Wissen, das Schwarzgeld durch mehrfaches Verschieben über Ländergrenzen in legales Vermögen zu verwandeln.

Um gegen das organisierte Verbrechen effektiver vorgehen zu können, verlangen die Antikorruptionskämpfer, die zuständige Zentralstelle des Zolls zu stärken und generell bei den Behörden mehr Ermittler einzusetzen. Die Schweigepflicht für Notare und Anwälte müsse bei typischen Verdachtsfällen aufgehoben werden. Außerdem könnten Kriminelle abgeschreckt werden, in dem das Grundbuch öffentlich gemacht würde.

Eine andere Studie im Auftrag der Grünen ist parallel dazu zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland rund 100 Milliarden Euro pro Jahr durch Korruption verloren gehen. In der gesamten EU belaufen sich die Kosten der Korruption demnach auf mehr als 900 Milliarden Euro.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

DJG/chg/smh

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December 07, 2018 05:27 ET (10:27 GMT)

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