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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 06. April 2017

Mit Volldampf zurück in die Vergangenheit

Verkehrschilder mit der Aufschrift
Quelle: rnl/Shutterstock
Es scheint Schule zu machen. Solidarität mit den vernachlässigten Arbeiterschaften hat schon Donald Trump in sein Präsidentenamt gespült, nun verlegt die SPD in NRW ihren Wahlkampfauftakt in den „Zollverein“, eine ehemalige Zeche.

- zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger -
Der Zollverein ist ein bewunderungswürdiges Museum und allemal einen Besuch mit der ganzen Familie wert. Aber wenige Tage nach den medienwirksamen Bildern eines US-Präsidenten, der sein Land aus den Klimaverpflichtungen herausnimmt, die sein Vorgänger Obama mit der Welt ausgehandelt hat, und sich medienwirksam mit Kohlearbeitern präsentiert, ist das ein merkwürdiges Zeichen. Auch wenn sich die Bundes-SPD das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ auf die Wahlkampffahnen geschrieben hat, zeigt diese Ortswahl doch eine Rückwärtsgewandtheit, die zum Nachdenken anregt.

Digitalisierung ist unumkehrbar

Sowohl in den USA als auch in Deutschland und Europa sind es inzwischen andere Wirtschaftszweige und Branchen, die für Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und Steueraufkommen sorgen. In einer digitalisierten Welt, in der sich zunehmend erneuerbare Energien durchsetzen und regelmäßig technologische Fortschritte erzielt werden, dreht der US-Präsident das Klima-Rad zurück und ignoriert nicht nur die messbaren Klimaveränderungen weltweit, sondern auch die Klimaprobleme in seinem Land (z. B. ausgeprägte Dürrephasen).

Konkurrenz schläft nicht

Derweil schläft die Konkurrenz in den aufstrebenden Schwellenländern nicht. Immerhin blicken die Europäer derzeit nach wie vor auf eine prosperierende Wirtschaft. Die Euroland-Industrie boomt, der Einkaufsmanagerindex erreicht ein 6-Jahres-Hoch. Weltweit dürfte das Wachstum in 2017 bei rund 3,60 % liegen, was vor allem auf die starken Zuwachsraten der Schwellenländer zurückzuführen ist, die mit ca. 4,70 % wachsen werden und inzwischen einen Gesamtanteil von knapp 60 % am Weltwirtschaftswachstum aufweisen. Solange dies so bleibt, scheinen die Aktienmärkte gut unterstützt. Inwieweit diese positive Entwicklung von potentiell protektionistischen Maßnahmen der neuen US-Administration gestört werden wird, bleibt abzuwarten. Seriösen Studien zufolge dürften jedoch die USA mit am meisten unter einem Handelskrieg leiden. Donald Trump wäre dann von seinem Ziel, weitere Arbeitsplätze in der Industrie zu schaffen, weiter weg denn je.