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Deshalb ist der ZEW-Index so wichtig · 11. April 2017

ZEW-Konjunkturerwartungen

ZEW-Schild vor einem Eingang
Quelle: ZEW/Presse
Frühindikatoren für die Konjunkturlage spielen auf den Kapitalmärkten eine wichtige Rolle. Dabei wird auch den ZEW-Konjunkturerwartungen große Aufmerksamkeit geschenkt. Aus gutem Grund.

-Sina Raich, Börse Stuttgart News Redaktion-
Die ZEW-Konjunkturerwartungen gelten als wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Sie werden seit 1991 vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in seinem monatlich durchgeführten Finanzmarkttest erhoben.

Verfahren

An der ZEW-Umfrage beteiligen sich rund 300 ausgewählte Finanzexperten, darunter Volkswirte und Analysten aus Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen. Die Teilnehmer werden zu ihrer Erwartung bezüglich der Entwicklung wichtiger Finanzmarktindikatoren wie Zinsen, Inflationsrate, Wechselkurse und Börsenindizes befragt. Darüber hinaus werden sie um eine Einschätzung der aktuellen Konjunkturlage in den wichtigsten Industriestaaten gebeten. Neben Deutschland stehen die Finanzmärkte in den Vereinigten Staaten, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien sowie der Eurozone insgesamt unter Betrachtung.

Auswertung

Die Antworten der Befragten werden jeweils durch qualitative Tendenzeinschätzungen bezüglich der Veränderungsrichtung gegeben. Das bedeutet, die Experten beurteilen lediglich, ob sich aus ihrer Sicht beispielsweise die Konjunktur in den kommenden sechs Monaten verbessert (+), verschlechtert (-) oder gleich bleibt (=) oder ob die Zinsen ansteigen (+), fallen (-) oder konstant bleiben (=). Aus der Differenz der positiven und negativen Urteile ergibt sich dann der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen. Als Einheit wird ein Zahlenraum von -100 bis +100 verwendet. Positive Werte bedeuten dabei eine positive Stimmung und ein Ansteigen der Konjunktur, negative Werte drücken eine Unsicherheit auf den Märkten und eine fallende Nachfrage aus. Zur Veranschaulichung: Erwarten beispielsweise 30 Prozent der Befragten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und 40 Prozent eine Verschlechterung, so liegt der Indikator bei minus zehn Punkten.

Prognose

Der Vorteil der ZEW-Zahlen liegt in ihrer monatlichen Erhebung, wodurch sie schneller verfügbar sind als die quartalsweise veröffentlichten Statistiken. Jedoch unterliegen sie hohen Schwankungen und die Zahl der Befragten ist vergleichsweise gering.
Der ZEW-Index gilt, mit einem etwa einmonatigen Vorlauf, als richtungsweisend für den prominenteren ifo-Geschäftsklimaindex. Während die Teilnehmer der ifo-Umfrage eine größere Detailkenntnis der Entwicklung ihres eigenen Unternehmens sowie der Branche haben, zeigen die Befragten der ZEW-Erhebung eine höhere Erfahrung in der Prognose der Gesamtkonjunktur.