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Die Hoffnung ruht auf Donald Trump · 13. April 2017

US-Berichtssaison: US-Banken taumeln

Straßenschild mit der Aufschrift Wall Street
Quelle: Stuart Monk/Shutterstock
Es geht schon wieder los. Die US-Berichtssaison für das erste Quartal nimmt schon wieder Fahrt auf. Im Fokus stehen heute die Banken. Zwar ziehen erste dunkle Wolken am Horizont auf, doch es gibt ja noch Donald Trump.

MÄRKTE & MACHER 12:11min, 05. April 2017, 17:42 Uhr
-Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo werden heute Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres vorlegen. Die Erwartungen an die Finanzinstitute sind jedoch erstaunlicherweise nicht allzu hoch. Vor allem das Kreditgeschäft schwächelt und das Fusionskarussell dreht sich ebenfalls nicht in der erhofften Geschwindigkeit. Wenn es im Kerngeschäft nicht läuft, konnten das viele US-Institute zuletzt durch Handelsgewinn wettmachen. Insbesondere JP Morgan verdiente vergangenen Sommer im Rentenhandel noch geradezu prächtig. Doch mittlerweile wirft auch das Anleihengeschäft offenbar nicht mehr ausreichend Gewinne ab. „Bei den US-Anleihen scheint aktuell ein wenig der Deckel drauf“, so Bastian Galuschka von GodmodeTrader gegenüber Börse Stuttgart TV. Trotz eher durchwachsener Vorgaben erwarten Analysten für die sechs größten US-Banken dennoch einen Gewinnanstieg von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass das erste Quartal 2016 fast schon verheerend schlecht war.

US-Banken drohen erste Rückschläge

Für viele US-Banken droht also der erste, wirklich herbe, Rückschlag seit der US-Wahl. Kaum ein Sektor hat von der Wahl Donald Trumps dermaßen profitiert wie der US-Bankensektor. Zwar hat die Dynamik in den vergangenen Wochen spürbar nachgelassen, doch beispielsweise für JP Morgan steht immer noch ein Kursplus auf Jahressicht von mehr als 50 Prozent zu Buche. Vor der US-Wahl notierten die Anteilsscheine von JP Morgan an der Börse Stuttgart kurzzeitig noch bei 61,10 Euro. Anfang März war man schon bei 88,14 Euro angekommen. Ganz ähnlich sieht es bei der Citigroup aus. Auch hier konnten die Anteilsscheine auf Jahressicht und auf Eurobasis um mehr als 50 Prozent zulegen. Well Fargo kommt in den vergangenen Monaten immerhin noch auf ein Kursplus von fast 20 Prozent. In der Hoffnung auf eine von Donald Trump lancierte De-Regulierung des Finanzsektors, kombiniert mit einem kreditgetriebenen Investitionsboom haben Bankaktien seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten zeitweise so stark zugelegt wie in keinem anderen Sektor.

Banken-Sektor scheint charttechnisch angezählt

Zudem scheint der US-Bankensektor auch aus technischer Sicht angezählt. Der Dow Jones US-Banks Index, sozusagen die Benchmark für den Sektor insgesamt, kämpft seit Tagen um Halt. Eine entscheidende technische Unterstützung steht mehr und mehr auf äußerst wackeligen Beinen, meint auch Bastian Galuschka von GodmodeTrader: „Sollten wir in den nächsten Tage erneute Schwächen sehen und sollte der Index in Richtung 390 Punkten fallen, so besteht die große Gefahr, dass sich eine Umkehrstruktur ausbildet. Dann wäre es – zumindest kurzfristig – vorbei mit der Herrlichkeit im US-Bankensektor“, so der Finanzmarktanalyst bereits vor gut einer Woche bei Börse Stuttgart TV. Ganz aktuell notiert der Index bei gut 393 Zählern.

Donald Trump will De-Regulierung forcieren

Doch es gibt ja auch noch Donald Trump. Im Wahlkampf noch der große Bankenkritiker, avanciert der US-Präsident mittlerweile zum großen Unterstützer der Branche. So versprach Trump zu Beginn des Monats massive Änderungen im Hinblick auf die bestehende Bankenregulierung. Vor allem der sogenannte Dodd-Frank-Act soll grundlegend überarbeitet werden. Ein entsprechender Präsidenten-Erlass liegt bereits vor. Man arbeite, so Trump, an einem „sehr großen Schnitt“. "Wir werden Dinge tun, die sehr gut für die Bankenbranche sind, damit die Banken Kredite an Leute geben können, die sie benötigen", so Trump weiter. Angesichts solcher Aussichten werden eher pessimistische charttechnische Analysen oder auch ein vielleicht eher durchwachsenes erstes Quartal 2017 ganz schnell verkraftbar.