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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 19. April 2017

Wahl-Roulette

Wahl-Roulette
Quelle: Mikko Lemola /Shutterstock
Nach den Wahlen ist vor den Wahlen im Superwahljahr 2017! Kaum ist die Parlamentswahl in den Niederlanden vorbei, blicken die Anleger gespannt nach Frankreich. Droht tatsächlich ein Frexit?

-zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger-
Als ob Wahlen die Börsianer bisher nicht genug beschäftigt hätten! Zunächst zitterten sie bei der Wahl in den Niederlanden, freuten sich bei der Landtagswahl im Saarland über die Verhinderung einer wirtschaftsfeindlichen Rot-Rot-Koalition und nahmen eher teilnahmslos das im Vorfeld erwartete und nicht wirklich überraschende, auf den Punkt gezirkelte Ja-Ergebnis zum Verfassungsreferendum in der Türkei hin. Nun gilt es noch die zwei Wochen Wahlperiode in Frankreich zu überstehen, bei der alle hoffen, dass der gemäßigte Kandidat Macron gewinnt und für stabile Verhältnisse sorgt. Danach, so meinte man, könnten die Investoren einen mehr oder weniger ruhigen Sommer verleben und sich auf die Bundestagswahl im September vorbereiten.

Neuwahlen in Großbritannien treiben Pfund an

Die Ministerpräsidentin des (noch) Vereinigten Königreiches Theresa May hat diesen Plänen nun vorläufig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vielleicht handelt es sich aber auch nur um eine Verschiebung der Sommerruhe, denn ihre konservative Partei hat einen so großen Umfragenvorsprung vor der desolaten Labour-Partei, dass alles andere als ein Sieg eine Überraschung wäre. Nun lässt diese Kehrtwende tief blicken, denn bis dato wollte May von Neuwahlen nichts wissen. Offensichtlich erwartet sie nun doch eine wesentlich kompliziertere Brexit-Verhandlungsphase und möchte sich dafür eine politische Legitimation holen. Das ziemlich veraltete Wahlsystem in England hilft ihr dabei, da nur der Gewinner eines Wahlkreises in das Parlament zieht und die restlichen, unterlegenen Stimmen wegfallen. Dennoch bleibt die Wahl spannend, da doch viele Bürger in Großbritannien aufgewacht sind und ihnen die Bedeutung des „Brexit“ inzwischen bewusst geworden ist. Das Pfund reagierte nach einer Schrecksekunde erst einmal positiv auf die Wahlankündigung. Der Aktienmarkt naturgemäß aufgrund der Währungsstärke negativ. Diese Auswirkungen werden sich aber schnell geben, denn ein klarer Sieg Mays verändert die aktuelle Brexit-Lage nicht und eine mögliche Schwächung ihrer Position würde Kompromisse in den Brexit-Verhandlungen erleichtern, was die Märkte eher beruhigen würde. Die Seitwärtsbewegung der europäischen Aktienmärkte wird also zumindest bis zur Präsidentschaftswahl in Frankreich anhalten. Von der Wahl in Großbritannien sind keine großen Auswirkungen auf die Anleger-Psychen zu erwarten.