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Draghi bleibt vage · 27. April 2017

EZB: Leitzins bleibt bei null Prozent

Euro-Zeichen vor der EZB
Quelle: Onigiri Studio/Shutterstock
Es ist keine wirkliche Überraschung. Erwartungsgemäß haben die europäischen Zentralbanker den Leitzins nicht angerührt. Wer hoffte, Mario Draghi würde ein zumindest vages Ausstiegsszenario vorstellen, wurde enttäuscht.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
EZB-Chef Draghi machte schon zu Beginn der Pressekonferenz die Fronten klar: "Die Risiken für den Wachstumsausblick des Euroraums bewegen sich in Richtung einer stärkeren Ausgewogenheit, sie sind aber weiterhin überwiegend abwärts gerichtet und haben vor allem mit globalen Faktoren zu tun". Wer also hoffte, dass die EZB heute erste vage Ausstiegsszenarien vorstellen könnte, wurde gleich zu Beginn der Pressekonferenz enttäuscht. Dabei gab es durchaus Anzeichen, dass die EZB langsam aber sicher von ihrer „expansiven Rhetorik“ abrücken könnte. So stieg beispielsweise der aggregierte Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden sowie des nicht-verarbeitenden Gewerbes für die ersten drei Monate des Jahres um über drei Prozent. Der Index zur Wirtschaftsstimmung konnte immerhin noch um rund ein Prozent zulegen. Doch aus Sicht der Notenbanker kann die realwirtschaftliche Entwicklung mit der eigentlich positiven Stimmung nicht Schritt halten.

Draghi sieht positive Wachstumstendenzen

Trotzdem gab auch Mario Draghi zu, dass „die Daten, vor allem solche auf Umfragen basierende, unsere Zuversicht stützen, dass sich das Wirtschaftswachstum verstärken und verbreitern wird“. Dennoch gibt man sich im Frankfurter Euro-Tower nicht allzu euphorisch. Der volkswirtschaftliche Stab der EZB rechnet in diesem Jahr allenfalls mit einem Wachstum im Euroraum von 1,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft im Euroraum um 1,7 Prozent wachsen. Das wäre zwar durchaus in Ordnung. Aber eben auch nicht mehr.

EZB will über kurzfristige Inflationsschwankungen hinwegsehen

Das Thema Inflationsdruck wird von Draghi derzeit weiterhin eher nüchtern betrachtet. Dieser sei „weiterhin niedrig“ und dürfte auch mittelfristig „nur langsam“ zunehmen, so Draghi. Das Statistische Bundesamt geht aktuell für März von einer Inflationsrate von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus, nachdem die Inflationsrate im Februar sogar bei 2,2 Prozent lag. Für den Euroraum lag die Inflationsrate zuletzt bei 1,5 Prozent, nachdem auch diese im Februar einen Wert von 2,0 Prozent erreicht hatte. Doch Draghi betonte, dass über kurzfristige Inflationsschwankungen hinweggesehen werde, sofern diese den mittelfristigen Ausblick nicht nachhaltig eintrüben würden. Somit sei weiterhin eine starke geldpolitische Akkommodation notwendig, so dass sich ein dauerhafter und grundlegender Inflationsdruck aufbauen könne.

Kritik wird lauter

Die Kritik an der expansiven Geldpolitik wird währenddessen immer lauter. So kritisierte jüngst Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB im Handelsblatt: „Während der Nutzen dieser Geldpolitik nicht mehr steigt, nehmen die Risiken und Nebenwirkungen kontinuierlich zu je länger die EZB ihren Kurs fortsetzt“.