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Ölpreise geben weiter nach · 05. Mai 2017

Ölpreis: Die Gründe für den Preisverfall

Öl-Pumpe vor einem wolkigen Himmel
Quelle: ThomasLENNE/Shutterstock
Die Ölpreise fielen heute auf den tiefsten Stand seit vergangenem November. Dies ist insofern relevant, als dass zu diesem Zeitpunkt die OPEC ihre Förderbegrenzungen beschlossen hat. Sind diese Maßnahmen verpufft?

Aus Sicht der Experten der HSH Nordbank ist der aktuelle Preisdruck bei Öl vor allem auf technische Begebenheiten zurückzuführen. So sei der Ölpreis zuletzt unter wichtige technische Unterstützungen gefallen und notiere aktuell sogar unter den gleitenden Durchschnittswerten wie der 200- oder auch 21-Tage-Linie (siehe Graphik 1). Wenngleich aufgrund der anhaltend hohen Volatilität die kurzfristige Entwicklung für den Ölpreis aus technischer Sicht nur sehr schwer abschätzbar ist, scheint das aktuelle Abwärtsmomentum aus Sicht der Analysten von GodmodeTrader aktuell ein gewisses Risiko darzustellen. Zumindest sei ein weiterer Abverkauf in Richtung 45,00 US-Dollar durchaus möglich.

Quelle: Börse Stuttgart

Die fundamentale Situation beim Ölpreis

Die Eintrübung des technischen Gesamtbildes ist jedoch insbesondere auf die aktuellen fundamentalen Rahmenbedingungen zurückzuführen. Vor allem die jüngsten Daten zu den Fördermengen aus den USA haben die Preise zuletzt spürbar unter Druck gesetzt. Wie die US-Regierung am Mittwoch bekannt gab, stiegen die Förderquoten in den USA zuletzt um weitere 0,3 Prozent an. Zwar ist man immer noch ein gutes Stück von den alten Rekordförderquoten entfernt, allerdings liegt die Produktion mittlerweile schon wieder auf dem Niveau vom Sommer 2015. Experten halten es nicht für ausgeschlossen, dass die USA bereits im August die 10 Millionen Barrel-Schwelle bereits im August knacken könnten.
Vor diesem Hintergrund gingen die Meldung, wonach die Rohöllagerbestände in den USA zuletzt stärker als erwartet zurückgegangenen sind fast schon ein wenig unter. Die Ölpreise konnten hiervon nur sehr kurzfristig profitieren. Als zu dominant bewerten einige Marktteilnehmer offenbar die Gefahr eines anhaltenden Überangebots.

Was macht die OPEC?

Umso entscheidender dürfte in den kommenden Tagen die Frage sein, wie die OPEC auf die derzeitige Situation reagieren wird? Die im vergangenen November beschlossenen Förderbegrenzungen laufende Ende dieses Monats aus und bislang konnte sich die OPEC noch auf keine Ausweitung der Förderbegrenzungen einigen. Offenbar trifft diese Entscheidung auch nicht mehr die OPEC allein. Bereits in den vergangenen Monaten war insbesondere aus Saudi-Arabien immer wieder zu hören, dass derartige Förderbegrenzungen nur Sinn machen würden, wenn sich auch Nicht-OPEC-Mitglieder an diesen beteiligen. Vor allem Russland dürfte in dieser Frage eine zentrale Rolle spielen. Während man sich im Kreml noch halbwegs diplomatisch gibt, stellte der russische Ölkonzern Rosneft bereits vor einigen Wochen eine Ausweitung der Fördermengen im laufenden Jahr in Aussicht. Allerdings gibt man sich auch von offizieller russischer Seite zunehmend zurückhaltend. Auf eine Verlängerung der Förderbegrenzungen will man sich in Moskau derzeit nicht festlegen. Doch die Uhr tickt. Lang bleibt dem Öl-Kartell nicht mehr Zeit um sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen. Insofern dürfte die Unsicherheit auf dem Ölmarkt noch eine ganze Weile andauern. Die Gefahr, dass ab Juni jeder wieder seinen eigenen Weg einschlägt und um jeden Preis seine Marktanteile verteidigt, dürfte sich aus Sicht von Beobachtern nicht gerade preisstabilisierend auswirken.

Fazit

Aus technischer und fundamentaler Sicht, steuert der Ölpreis derzeit in schwierigem Fahrwasser. Vor diesem Hintergrund spricht viel dafür, dass die Ölpreise mittelfristig von einer gewissen Volatilität getrieben werden. In wie weit die OPEC überhaupt noch in der Lage ist für eine Entspannung zu sorgen, dürfte dabei nur eine der vielen ungeklärten Fragen der kommenden Wochen werden.