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Was steckt hinter dieser Börsenweisheit? · 11. Mai 2017

Sell in May

Mai
Quelle: Emily_Hwang/Shutterstock
„Sell in May and go away. But remember to come back in September.“ Diese beliebte Börsenweisheit bedeutet übersetzt, dass Anleger im Mai ihre Aktienbestände verkaufen sollten. Im September sollten sie aber nicht vergessen zurückzukehren.

- von Sina Raich, Börse Stuttgart TV Newsredaktion -
Die „Sell in May“-Weisheit basiert auf der Annahme, dass die Kurse zu Beginn des Jahres bis in den Mai steigen, um dann in den darauffolgenden Sommermonaten in eine Gegenbewegung starten. Erst im Herbst, wenn die Jahresendrallye bevorsteht, sollten Anleger wieder an den Aktienmärkten einsteigen. Man spricht hierbei auch von börsenstarken und börsenschwachen Monaten. Die Monate Oktober bis April werden als börsenstark bezeichnet, da hier in der Vergangenheit öfters eine positive Entwicklung zu beobachten war. Fallende Kurse konnte man dagegen in den Monaten von Mai bis September beobachten.

Wie kommt es zu diesen Entwicklungen?

Es gibt verschiedene Theorien, wie es zu diesen immer wieder anfallenden, ähnlichen Entwicklungen an den Märkten kommt. Zum einen gehören die börsenschwachen Sommermonate aufgrund der Urlaubszeit und des heißen Wetters zu den weniger arbeitsintensiven Monaten. Dadurch werden geringere Gewinne erwirtschaftet. Außerdem wollen viele Anleger während ihres Sommerurlaubs keine bösen Überraschungen im Depot vorfinden und neigen dazu, ihre Wertpapiere zu veräußern und ihre Gewinne abzusichern. Anschließend, im Herbst, steigen sie wieder neu in den Markt ein, was die Kurse steigen lässt. Eine weitere Annahme für die fallenden Kurse im Mai wird mit der Dividendensaison begründet. Durch die Dividendenausschüttungen der DAX-Konzerne sinken die Kurse „automatisch“. Viele Anleger strukturieren außerdem nach der Ausschüttung ihr Wertpapierportfolio neu, was ebenfalls fallende Kurse nach sich ziehen kann. Keiner dieser Erklärungsversuche ist aber sicher bestätigt.

Wie verlässlich ist die „Sell in May“-Weisheit?

Die Statistik liefert einige Beispiele, welche dieses Phänomen zu bestätigen scheinen. So lag der deutsche Leitindex DAX in den letzten Jahrzehnten in den Sommermonaten häufiger im Minus als im Plus. Gerade der September fällt dabei ernüchternd aus – sowohl im Dow Jones als auch im Dax. Jedoch haben herausragende Einzelereignisse die Statistik verzerrt: Etwa die Russlandkrise im August 1998, die Anschläge vom 11. September 2001 oder die Lehman-Pleite im September 2008. Außerdem gab es auch schon viele Jahre, in denen sich die Kurse über die Sommermonate hinweg positiv weiterentwickelt haben. Mit Blick auf die einzelnen Jahre zeigt sich, dass diese höchst unterschiedlich verliefen.
Auch wenn sich die „Sell in May“-Weisheit häufig zu bestätigen scheint, sollten Anleger sie nicht zu wörtlich nehmen, da sie keine verbindliche Aussage über die Entwicklung an den Märkten darstellt.