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Zahlen enttäuschten auf ganzer Linie · 11. Mai 2017

Snap-Aktie erleidet Schiffbruch

Snap Inc. Banner vor der Börse in New York
Quelle: NYCStock/Shutterstock
Aller Anfang scheint schwer. So auch bei Snap. Die Zahlen für das erste Quartal 2017 stellten für Analysten und Anleger eine herbe Enttäuschung dar. Das bekommt nun auch die Aktie zu spüren.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Das kommt fast schon einem kleinen Debakel gleich. Nach den gestern Abend vorgestellten Zahlen verliert die Snap-Aktie mehr als ein Fünftel ihres Börsenwertes und rauscht in Richtung des Ausgabepreises zurück. Die Mutter des populären Foto-App-Dienstes hat bei allen relevanten Kennzahlen die Erwartungen, teilweise deutlich, verfehlt. Zwar stiegen die Nutzerzahlen zuletzt um 36,1 Prozent auf 166 Millionen, das entspricht immerhin einem Plus von rund acht Millionen neuen Nutzern, doch die Wachstumsraten fielen deutlich geringer aus, als vom Gesamtmarkt erwartet. Im Vorquartal konnte Snapchat die Nutzerzahlen immerhin noch um mehr als 47 Prozent steigern. Experten gingen im Vorfeld davon aus, dass Snapchat mindestens 169 Millionen Nutzer wird verbuchen können. Angesichts des nachlassenden Wachstums verwundert es wenig, dass auch die Umsätze unterhalb der Erwartungen lagen. Zwar konnte auch dieser um ganze 39 Prozent auf nun 149,7 Millionen US-Dollar gesteigert werden, allerdings liegt auch das gut 8,5 Millionen US-Dollar unter den Analysten-Prognosen. Der Umsatz pro Nutzer sank zuletzt von 1,05 US-Dollar auf 0,90 US-Dollar.

Facebook kontert

Das nachlassende Wachstum bei Snap führen Beobachter vor allem darauf zurück, dass beispielsweise Facebook angefangen hat, gewisse Snapchat-Funktionen zu kopieren und diese in ihre Systeme zu integrieren. Den meisten Facebook-Nutzern dürfte beispielsweise die neue „Stories-Funktion“ auf Facebook bekannt sein. Durch diese Funktion, können Nutzer für 24 Stunden Bilder mit ihren Freunden teilen. Bilder für 24 Stunden mit Freunden Teilen? Das dürfte Snap bekannt vorkommen. Doch das adaptieren bestimmter Funktionen dürfte bei Facebook derzeit kaum jemanden stören. Facebooks-Fotoplattform Instagram gewann in den vergangenen Monaten knapp 100 Millionen neuer Nutzer hinzu. Zur Erinnerung: Snapchat kommt aktuell auf insgesamt knapp 150 Millionen Nutzer. Trotz des schärferen Gegenwindes gibt sich Gründer und Snap-Chef Evan Spiegel noch gelassen und konstatierte laut Handelsblatt auf einer Telefonkonferenz mit Analysten: „Nur weil Yahoo auch eine Suchmaske hat, macht sie das nicht zu Google“.

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Also kein Grund zur Sorge? Nicht ganz. Das nachlassende Benutzerwachstum kann Online-Diensten wie Facebook, Twitter oder eben Snapchat nicht gefallen. Die Anzahl aktiver Nutzer stellt für derartige Netzwerke vielleicht das wichtigste Gut überhaupt dar. Aus einem einfachen Grund: Die Features und Angebote auf Facebook, Snapchat und Co. können noch so gut und innovativ sein, wenn es Freunde und Bekannte jedoch nicht nutzen, verliert der Dienst seine Daseinsberechtigung. Am Ende heißt das, dass innovative Angebote am Ende vielleicht nur ein Mittel zum Zweck darstellen, um Kunden zu halten und seine eigene Marktmacht auszubauen. Wie schnell man auch von der Bildfläche verschwinden kann, vor allem wenn die Nutzerzahlen nachlassen, stellte vor einigen Jahren StudiVZ eindrucksvoll unter Beweis.

Aktie schmiert ab

Für die Aktie ist heute definitiv ein schwarzer Tag. Ein Minus von gut 25 Prozent steckt man nicht einfach so weg, wenngleich der Tech-Sektor schon immer von einer gewissen Volatilität geprägt war. Aus technischer Sicht sieht es derzeit danach aus, als würde die Snap-Aktie unter ihrem bisherigen Allzeittief von 17,62 US-Dollar in den Tag starten. Zwar halten die Analysten von GodmodeTrader eine kleine Gegenbewegung nach dem Abverkauf für möglich, dennoch dürfte es die Aktie in den kommenden Wochen eher schwer haben.