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Gastbeitrag Commerzbank Research · 12. Mai 2017

Bank of England setzt auf geordneten Brexit

EU-Flagge und Union Jack vor der Bank of England
Quelle: lazyllama/Shutterstock
Ist die Bank of England in ihren Prognosen zu optimistisch? Muss der Markt seine Einschätzungen in Bezug auf den US-Dollar nachjustieren? Eine Analyse der Commerzbank AG.

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-zum Autor: Lutz Karpowitz ist Devisen-Analyst bei der Commerzbank AG-
Die gestrige Reaktion von EUR-GBP auf die Zinssitzung der Bank of England (BoE) zeigt einmal mehr, wie wichtig die Geldpolitik für den Devisenmarkt bleibt. Im Vorfeld war spekuliert worden, dass es eventuell eine zweite Stimme im MPC geben könnte, die sich für höhere Zinsen einsetzt. Das Ergebnis von 7:1 enttäuschte den Markt und ließ das Pfund abwerten.

Ist die Notenbank zu optimistisch?

Ebenfalls von Interesse waren natürlich die neuen Projektionen der Währungshüter. Während das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr mit 1,9% geringfügig niedriger ausfallen dürfte, hob die BoE die Inflationserwartungen von 2,4% auf 2,7% an. Aus zwei Gründen führte dieser Schritt nicht zu höheren Zinserwartungen und damit einem festeren Pfund. Zum einen waren die Anpassungen der Projektionen im Vorfeld bereits erwartet worden. Zum anderen beruhen sie auf mittlerweile recht optimistischen Annahmen der Notenbank. So geht die BoE davon aus, dass es einen geregelten Brexit mit einer Übergangsphase geben wird. Nach den Entwicklungen in den letzten Wochen ist das immer mehr in Frage zu stellen. Können sich beide Seiten aber nicht innerhalb kürzester Zeit doch noch zusammenraufen (wofür derzeit wenig spricht), ist eher mit einem harten Brexit zu rechnen. Dann aber dürften auch die Wachstums- und Inflationsprognosen hinfällig sein. Die gestrige Marktreaktion zeigt: Zum einen lechzt der Markt nach Hinweisen auf höhere Zinsen, zum anderen scheint er beim Brexit den Optimismus der Notenbank nicht wirklich zu teilen. In diesem Spannungsfeld wird das Pfund zunächst gefangen bleiben. Es spricht allerdings wenig für größeren Optimismus beim Brexit, zumindest in der Anfangsphase der Verhandlungen. Bahnt sich hier die Realität ihren Weg, wird das Pfund zwangsläufig zu den Verlierern gehören.

Legt der US-Dollar weiter zu?

Sind die Erzeugerpreise von gestern ein Hinweis auf die heutigen Verbraucherpreisdaten? Wenn ja, dann dürfte der USD heute weiter zulegen. Mit einem Plus von 0,7% gegenüber Vormonat (Erwartung: 0,2%) legte die Kernrate einen Sprung hin, mit dem Niemand auch nur annähernd gerechnet hatte. Wie meistens ist die Sache aber nicht ganz so einfach. Da ist zunächst das Problem mit den Erzeugerpreisen: Diese bestehen mittlerweile zu rund zwei Dritteln aus Dienstleistungspreisen, die oftmals auf kalkulatorischer Basis geschätzt werden. Unsere US-Ökonomen haben mir gestern versichert, dass es seit der Aufnahme der Dienstleistungen in den Index kaum noch möglich ist, diesen belastbar zu schätzen. Und wer jetzt genauer auf die Analystenschätzungen bei Bloomberg schaut, erkennt, dass nur wenige Analysten überhaupt eine solche abgeben. Die Erzeugerpreise von gestern sollten also in ihrer Aussagekraft nicht überinterpretiert werden.

Muss der Markt bald nachjustieren?

Dennoch spricht heute etwas für eine etwas höhere Teuerungsrate. Man kann dazu die Tabaksteuererhöhung in Kalifornien anführen, die rund 0,3 Zehntel zum Anstieg des Index beigetragen hat. Wichtig für die Güterpreise heute sind vor allem aber die Importpreise. Und diese haben am Mittwoch ebenfalls über den Erwartungen gelegen. Unsere US-Ökonomen rechnen deshalb heute mit einem Vormonatsplus von 0,3% bei den Verbraucherpreisen. In Verbindung mit den zuletzt eher hawkischen Kommentaren von Seiten einiger Fed-Mitglieder, dürfte der USD davon dann auch profitieren. Denn nach wie vor ist bezüglich der Fed am Markt nicht allzu viel eingepreist. Vielmehr scheint der Markt übervorsichtig zu sein, wenn es um die Notenbank-Einschätzung geht. Ein weiterer Zinsschritt in 2017 und lediglich zwei im nächsten Jahr sind derzeit eingepreist. Vor dem Hintergrund der guten US-Daten, einer Trump-Regierung, die man noch nicht abschreiben sollte, wenn es zum Beispiel um ihre Steuerpläne geht und der Signale aus der Fed, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Markt an dieser Stelle bald nachjustieren muss.