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Analysten sehen Kurspotenzial von 37% · 12. Mai 2017

Thyssenkrupp: Nach Zahlen unter Druck

Logo von Thyssenkrupp vor der Konzernzentrale
Quelle: Oliver Hoffmann/Shutterstock
Thyssenkrupp hat seinen Umsatz und den Auftragseingang im zweiten Quartal deutlich gesteigert. Dennoch fiel auch im abgelaufenen Quartal wieder ein hoher Verlust an. Die Aktie gibt deutlich nach und gehört zu den größten Verlierern im DAX.

-von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion-
Zumindest operativ lief es für Thyssenkrupp zuletzt wieder sehr ordentlich. So steigerte der Industrie- und Technologiekonzern sein bereinigtes EBIT im ersten Halbjahr um ganze 35 Prozent auf 756 Millionen Euro. Vor allem das zweite Quartal lief zuletzt richtig gut und Thyssenkrupp konnte sein bereinigtes EBIT um 31 Prozent auf 427 Millionen steigern. Der starke Zuwachs im zweiten Quartal machte sich auch bei den Auftragseingängen bemerkbar. Diese stiegen ebenfalls um gut ein Drittel auf nun 12 Milliarden Euro. „Operativ sind wir gut unterwegs. Alle Geschäfte haben zweistellige Zuwachsraten beim Auftragseingang erzielt. Unsere Industriegütergeschäfte Components Technology und Elevator Technology konnten dabei im 2. Quartal neue Höchstwerte erreichen“, so Thyssenkrupp Vorstandschef Dr. Heinrich Hiesinger. Doch trotz der guten Zahlen weist die Bilanz einen hohen Verlust aus. Dieser ist jedoch „ausschließlich“ auf Belastungen durch den Verkauf eines Stahlwerks in Brasilien zurückzuführen, so der Konzern in seiner heutigen Pressemitteilung. Wirklich überraschend kommt dieser ebenfalls nicht. Thyssenkrupp hatte bereits im Zuge der Veräußerung eine Wertberichtigung von 900 Millionen Euro angekündigt, die nun verbucht wurde. Berücksichtig man die Belastungen durch den Werksverkauf in Brasilien, so kommt Thyssenkrupp auf einen operativen Verlust in Höhe von 564 Millionen Euro. Den Nettoverlust beziffert der DAX-Konzern auf 879 Millionen Euro. Betrachtet man die Zahlen aus dem fortgeführten Geschäft, also ohne die Belastungen durch den Verkauf in Brasilien, so kommt Thyssenkrupp zwar auf einen Gewinn von 55 Millionen Euro. Allerdings liegt dieser doch vergleichsweise deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Vor einem Jahr wurden immerhin noch gut 97 Millionen Euro verdient.

Thyssenkrupp passt EBIT nach oben an

Für das Gesamtjahr gibt man sich bei Thyssenkrupp dennoch optimistisch und passt die Erwartungen für das bereinigte EBIT nach oben an. So rechnet der Konzern mit einer Steigerung um gut 100 Millionen auf dann 1,8 Milliarden Euro. Den Free Cashflow vor M&A korrigiert der Konzern allerdings nach unten. Insbesondere bedingt durch Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten rechnet der Konzern mit einem negativen Cashflow im dreistelligen Millionenbereich. Strategisch will sich der Konzern künftig unabhängiger von negativen Sonderfaktoren machen. "Die Rohstoffmärkte und damit die Werkstoffgeschäfte unterliegen starken Schwankungen, die wir nicht beeinflussen können", so CEO Hiesinger. "Deshalb konzentrieren wir uns strategisch auf den Ausbau der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte. Das ermöglicht uns, in Zukunft stabilere Ergebnisse zu erwirtschaften und profitabel zu wachsen".

Analysten sehen großes Potenzial

Der Start ins Jahr verlief für die Thyssenkrupp-Aktie bislang nicht wirklich positiv. Auf Sicht der vergangenen drei Monate steht in Summe ein Minus von rund fünf Prozent zu Buche. Von Analystenseite kommt jedoch Rückenwind. Im Mai gab es bislang sechs neue Analysten-Kommentare und alle empfahlen die Aktie zuletzt zum „Kauf“. Die Kursziele reichen dabei von 25,00 Euro (HSBC) bis 30,00 Euro (Macquarie Research und Deutsche Bank). Dabei erscheinen vor allem die Kursziele der Deutschen Bank und von Macquarie als durchaus ambitioniert. Nach heutigem Stand wäre dies ein Kurspotenzial von sage und schreibe 37 Prozent!