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Gastbeitrag Commerzbank Research · 15. Mai 2017

L’état c’est moi

Banknoten neben einer US-Flagge
Quelle: Evlakhov Valeriy/Shutterstock
War die Angst vor einem US-Protektionismus übertrieben? Zumindest nach dem jüngsten Communiqué der G7-Finanzministert sieht es danach aus. Doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Meinen zumindest die Analysten der Commerzbank.

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-zum Autor: Ulrich Leuchtmann ist Leiter Devisenanalyse bei der Commerzbank AG-
 
Liest man das Communiqué der G7-Finanzminister (nach ihrem Treffen in Bari) scheint alles in bester Ordnung zu sein. Der London-Akkord (das gegenseitige Versprechen, Wechselkurse dem Markt zu überlassen und auf einen Abwertungswettlauf zu verzichten) wurde bekräftigt; die Absicht, den Beitrag des Außenhandels zur Wirtschaftsentwicklung zu stärken, wurde wiederholt. War all die Aufregung um US-Präsident Donald Trumps verbale Interventionen und die Angst vor US-Protektionismus also übertrieben? Keinesfalls. Denn diese US-Administration bleibt unkalkulierbar. Im Zweifel sind solche Communiqués das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt wurden. Kaum war die Tinte unter dem Communiqué getrocknet, erläuterte US-Finanzminister Steven Mnuchin der Presse, dass die USA sich durchaus das Recht zu protektionistischen Maßnahmen vorbehalten, wenn ihrer Ansicht nach „Handel nicht frei und fair“ wäre. Aber mit der Fairness ist das so eine Sache. US-Importzölle auf Stahl erfreuen US Stahlproduzenten. Gleichzeitig schaden sie Stahlkonsumenten. Ist solch ein Zoll also „fair“? Die Antwort von Stahlproduzenten und -konsumenten fällt unterschiedlich aus. „Fair“ ist in diesem Zusammenhang kein passender Begriff.

Die wichtigste Nachricht des Wochenendes

Freilich war zur Beurteilung der US-Handelspolitik nicht das G7-Treffen die wichtigste Nachricht des Wochenendes, sondern ein Interview von Trump und Mnuchin, welches sie schon am 4. Mai gegeben hatten, dessen Transkript aber erst am Wochenende veröffentlicht wurde. Abgesehen von all den „alternativen Fakten“ ist bemerkenswert, dass ein cash-flow-basiertes Steuersystem (d.h. die Nicht-Anrechenbarkeit von Zinsaufwendungen) weiterhin von der Regierung erwogen wird. Auch eine „border adjustment tax“ scheint noch nicht vom Tisch zu sein. Klar, Steuerpläne der Regierung helfen wenig, wenn der Kongress nicht mitspielt. Wenn man sich andere Felder der US-Politik ansieht, darf man freilich Zweifel bekommen, ob die „checks and balances“ in Washington noch wie gewohnt funktionieren, oder ob Trump nicht à la „l’état c’est moi“ durchregieren kann.

Signale für den US-Dollar

Cash-flow-basierte Steuer, border tax, US-Protektionismus: all das sind USD-positive Signale. Allerdings werden sie ausbalanciert von USD-negativen Szenarien, wie eines von Trump-Leuten besetzten Board of Governors der Fed, welches die verbale USD-Politik der Regierung geldpolitisch flankieren könnte. Dass der Devisenmarkt daraus keine eindeutige Richtung für die USD-Währung ableiten kann, verstehe ich also voll und ganz. Das allerdings die Wechselkursvolatilitäten so niedrig sind (und das nicht nur aufgrund von EUR-spezifischen Effekten), bleibt mir ein Rätsel.