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Gastbeitrag Commerzbank Research · 17. Mai 2017

Der Trump-Dollar – ein Nachruf

Notiz mit der Aufschrift
Quelle_ Creativa Images/Shutterstock
Beginnt die Trump-Rally bereits zu bröckeln? Zumindest die US-Währung gerät durch die jüngsten politischen Turbulenzen in Washington mehr und mehr unter Druck.

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-zum Autor: Ulrich Leuchtmann ist Leiter Devisenanalyse bei der Commerzbank AG-
 
US-Präsident Donald Trump hatte – aus seiner Perspektive – ein Problem: Er war zu gut; und das machte den Dollar zu stark. So stellte er es wenigstens in einem Interview am 12. April dar: „Ich muss ehrlich zu Ihnen sein. Ich glaube, unser Dollar wird gerade zu stark. Und teilweise ist das mein Fehler, weil die Leute mir vertrauen.“ Nun, dieses Problem hat er mittlerweile selbst gelöst. Der Dollar-Index (der ICE, DXY) hat alles Terrain, welches er nach der US-Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, wieder abgegeben und rangiert auf Niveaus von Ende Oktober. Der letzte Rest des „Trump-Dollars“ ist dahin.

Kapitän Queeg im Weißen Haus

Politische Konventionen auf den Prüfstand zu stellen mag hin und wieder gut und richtig sein. Und eine Kombination aus Steuersenkungsplänen und expansiver Fiskalpolitik mag Aktienmärkte (die eh gerade vom Rest der Welt entkoppelt zu sein scheinen) erfreuen. Einen Kapitän Queeg im Weißen Haus (und am roten Knopf) sitzen zu haben, ist freilich etwas Anderes. Die implizite politische Einschätzung hinter der Logik der Proponenten des Trump-Dollars war immer gewesen, dass Trump ein erfolgversprechendes politisches Programm verfolge. All die Irrationalitäten des Trump-Wahlkampfes wurden entweder übersehen, oder (besonders clever) als taktisches Geschick schöngeredet. Mittlerweile ist egal, ob das ein politischer Bias einiger Marktteilnehmer war, oder eine sachlich motivierte Fehleinschätzung. Nun fürchtet jeder (egal, welch politischer Couleur), dass von diesem Präsidenten nicht nur (a) kein kohärentes politisches Programm zu erwarten ist, sondern auch (b) erhebliche Risiken ausgehen können. Daher die aktuelle Dollar-Schwäche und daher die Flucht in sichere Währungshäfen, die USD-JPY unter die 112,50-Marke gedrückt hat und EUR-CHF wieder in den unteren 1,09er-Bereich hat fallen lassen.

Wie weit trägt die Dollar-Schwäche noch?

Womit sich die Frage stellt, wie weit die USD-Schwäche noch tragen kann. Wir können weder annehmen, dass die in täglicher Frequenz auftauchenden Skandalmeldungen abreißen, noch, dass der Twitter-Sturm des US-Präsidenten (der diese Skandale mit schlafwandlerischer Sicherheit verstärkt) abebbt. Allerdings dürfte ein gewisser Gewöhnungseffekt eintreten – und damit das USD-negative Momentum nachlassen. Freilich gilt auch: Eine neue Qualität des Washingtoner Chaos ist jederzeit möglich. Mindestens, wenn die Nibelungentreue der republikanischen Kongressmehrheit zu ihrem Präsidenten bröckeln würde. Momentan ist daher das Risiko jedweder USD-Position kaum rational zu quantifizieren.

Weshalb profitiert gerade der Euro von der Dollar-Schwäche?

So sehr momentan der Kollaps der Trump-Dollar-Story die Wahrnehmung dominiert, muss man sich doch fragen, warum gerade der Euro überproportional von der USD-Schwäche profitiert. Zumindest ist Europas Gemeinschaftswährung innerhalb des G10-Universums in dieser Woche ganz weit vorne. Unsere Schätzung der USD- und der EUR-spezifischen Stärke bzw. Schwäche (Abbildung 1) zeigt, dass die EUR-USD-Bewegung auch zu einem guten Teil EUR-Stärke ist und dass diese spezifische EUR-Stärke eine Fortsetzung einer Bewegung ist, die schon Mitte April einsetzte (als von genereller USD-Schwäche noch nicht die Rede sein konnte).

Vertrauen in Euroraum-Konjunktur nimmt zu

Mehr und mehr scheint das Vertrauen in die Euroraum-Konjunktur zuzunehmen. Aber das reicht nicht für EUR-Stärke. Dazu muss die Überzeugung kommen, dass die EZB gewillt ist, daraufhin einen Ausstieg aus der Niedrigst-Zins-Politik zu wagen. Daran haben unsere Volkswirte noch erheblichen Zweifel. Und daher meine Skepsis bezüglich EUR-USD auf mittlere bis lange Sicht. Freilich wird sich erst spät (frühestens gegen Jahresende 2017) andeuten, ob diese Einschätzung richtig ist. Bis dahin halte ich die derzeitige EUR-Stärke für gerechtfertigt und nachhaltig. Sie ist mehr als konsistent mit der Markteinschätzung eines EZB-Zinsschrittes vor Jahresmitte 2018. Hätte der Markt recht, würde die EZB – anders als die anderen großen Zentralbanken – einen Schwung ihrer Geldpolitik auslösen, zu dem die anderen momentan nicht fähig sind: nicht die Bank of Japan, weil sie aus der Niedriginflations-Falle nicht herausfindet und nicht die Fed, weil sie diesen Schritt schon hinter sich hat (und damit 2014 erhebliche USD-Stärke auslöste).