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Börse setzt auf Reformer · 19. Mai 2017

Präsidentenwahl: Iran am Scheideweg?

Azadi Tower in Tehran mit iranischen Flaggen
Quelle: Kanisorn Pringthongfoo / Shutterstock.com
Die heutige Präsidentenwahl ist aus Sicht der Börsianer in Teheran eine wahre Schicksalswahl. Nur, wenn sich die Reformer durchsetzen, kann sich die Börsen-Hausse fortsetzen. Eine Rückkehr zum Gottesstaat bedeutet dagegen Crash-Gefahr.

- Von Andreas Scholz / Börse Stuttgart TV News Redaktion -
Es geht um viel für den Iran. Das Land, was mehr als zehn Jahre wegen Sanktionen vom Weltwirtschaftskreislauf quasi abgeschnitten war. Hassan Ruhani, der iranische Präsident, steht zur Wiederwahl, doch viele Iraner sind skeptisch. Ruhani hätte zu viel versprochen, zu wenig umgesetzt. Sicher kein rein iranisches Phänomen. Fakt ist, der Reformer Ruhani setzt auf eine schrittweise Öffnung des Landes für Investoren und damit eine neue Wirtschaftskraft. Das Land befindet sich seit der Aufhebung der Sanktionen auf einem schrittweisen Reformkurs, der aber mit reichlich Skepsis begleitet wird.

Der Albtraum der Börsianer

Zu groß ist nämlich auch weiterhin das gegnerische Lager, die erzkonservativen Hardliner - allen voran Ebrahim Raeissi. Dieser steht klar in der Gunst von Revolutionsführer Ali Chamenei und will sein Land wieder zurück in einen Gottesstaat verwandeln. Für Investoren und Börsianer käme dies einem Albtraum gleich. Das Land würde abermals um Jahre zurückgeworfen wären.

Anleger setzen auf Amtsinhaber

Mutige Anleger setzen dagegen klar auf einen Sieg des Amtsinhabers. Auch seine politische Arbeit geht zwar nicht losgelöst von den Oberen des Kirchenrates, doch setzen er und seine Mit-Reformer eben auf eine Fortsetzung der Öffnung des Landes. So will der Iran seine wiedergefundene Position im Ölgeschäft weiter stärken und auch sonst am Weltmarkt mit seinen enormen Rohstoffreserven wieder weit vorne mitspielen. Der Iran hat die größten Gasvorkommen weltweit und die viertgrößten Ölvorkommen. Seit dem Wiener Atomabkommen haben sich die Ölexporte auf 2,5 Millionen Fass am Tag verdoppelt.
Gleichzeitig setzt die junge Generation ohnehin auf Digitalisierung und neue Techniken. Banking im Iran geht längst digital, was weiterhin fehlt, ist die Anbindung der eigenen Infrastruktur an den Westen. Auch wenn ein Großteil der Sanktionen bereits gefallen ist, gerade deutsche Banken und Institute mit Tochtergesellschaften in den USA meiden auch weiterhin das Iran-Business.  Ohne internationale Banken werden aber auch Unternehmen keine großen Investitionen im Iran tätigen.
Solange die Sorge besteht, dass erneut Sanktionen verhängt werden können, werden sich die Investoren also zurückhalten. Der Markt benötigt hier politische Klarheit und einen klaren Reformwillen im Iran - genau darauf setzt nun auch die Börse in Teheran.